Rückblick auf den 34. Deutschen Krebskongress

Vom 19.–22. Februar 2020 fand in Berlin wieder der größte deutschsprachige onkologische Fachkongress statt.

Vom 19.–22. Februar 2020 fand in Berlin wieder der größte deutschsprachige onkologische Fachkongress statt.

Den zahlreichen vorgestellten Studienergebnissen, zum Beispiel zu aktuellen medikamentösen Therapien, würden wir hier in einer kurzen Darstellung nicht gerecht werden. Doch es gab über die 300 Veranstaltungen zwei übergreifende relevante Schwerpunkte, die wir heute nochmals aufgreifen möchten.

"Besser als eine Krebserkrankung zu behandeln, ist es, sie zu vermeiden"

Etliche spannende Präsentationen drehten sich um das wichtige Thema Prävention und hierbei insbesondere um die ungenutzten Potenziale. Etwa 40% aller Tumorerkrankungen stehen mit modifizierbaren Risikofaktoren in Zusammenhang.
Gerd  Nettekoven,  Vorstandsvorsitzender  der  Deutschen  Krebshilfe, brachte es auf den Punkt: "Die  Krebsprävention  fristet  in  unserer  Gesellschaft [...] ein Nischen-Dasein: Es fehlt an Geld, Lobby und an Umsetzungswillen."1

Die Deutsche Krebshilfe und die Landeskrebsgesellschaften machen sich – zum Beispiel durch den Beratungsdienst Infonetz Krebs oder Kampagnen wie "Du bist kostbar" – seit langer Zeit dafür stark, die Bevölkerung noch besser darüber aufzuklären, dass jeder sein Krebsrisiko durch einen optimierten Lebensstil senken kann. "Unsere Gesundheit bleibt unser höchstes Gut, mit dem viele von uns einfach nicht achtsam genug umgehen," meint Prof. Dr. Christian Jackisch, Vorstandsvorsitzender der Hessischen Krebsgesellschaft.
Auch auf politischer Ebene setzen sich diese Organisationen für präventive Maßnahmen ein. Beispiele sind die bundesweiten Nichtraucherschutzgesetze oder die gesetzlichen Nutzungsverbote, die Minderjährige vor Solarien und E‑Zigaretten schützen sollen.

Auch die Präventionsforschung erhielt viel Aufmerksamkeit und war prominent vertreten. In einer Keynote Lecture sprach Prof. Dr. Dr. Harald zur Hausen über "Wissenschaftliche Grundlagen der Primärprävention von Krebs". Das ist der deutsche Virologe und Krebsforscher, der Anfang der 1980er belegen konnte, dass humane Papillom-Viren (HPV) Gebärmutterhalskrebs auslösen können, wofür er viele Jahre später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Von 1983–2003 war er Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). "Mit jeder neuen Erkenntnis tun sich neue Fragen auf", so zur Hausen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum untersucht intensiv Ansätze zur personalisierten Prävention und Früherkennung.

Experten sprechen sich für stärker nach dem Alter ausgerichtete Versorgung von Krebspatienten aus

Ein weiteres zentrales Thema waren angepasste Versorgungskonzepte bei jüngeren oder geriatrischen Tumorpatienten.
Ältere Patienten machen einen sehr großen Teil Krebskranker aus. Herausforderungen wie Multimorbidität oder kognitive und körperliche Einschränkungen erfordern eine koordinierte, fächerübergreifende Zusammenarbeit. Und sie erfordern oft mehr Zeit für die Entscheidungsfindung, welche Therapieziele priorisiert werden sollen. Auch die Einbeziehung Angehöriger und das gemeinsame Arbeiten mit Hausärzten und niedergelassenen Onkologen solle gestärkt werden.
Selbst bei erfolgreicher Behandlung können körperliche Funktionen von älteren Betroffenen so beeinträchtigt werden, dass die Lebensqualität sinkt und die Betroffenen sich nicht mehr allein versorgen oder in der häuslichen Umgebung  leben können. "Daher  sind ‒ vor  allem  in ländlichen Räumen mit schlechter Infrastruktur ‒ innovative Konzepte und gezielte Interventionen zum Erhalt der körperlichen Funktionen dieser besonders vulnerablen Gruppe gefragt", sagt Dr. Heike Schmidt von der Poliklinik für Strahlentherapie des Universitätsklinikums Halle.2

Am anderen Ende des Spektrums stehen jüngere Patienten. Von den 500 Tsd. Menschen, die pro Jahr in Deutschland neu an Krebs erkranken, sind 17.000 zwischen 15 und 39 Jahren alt, also etwa 3,5%. "Krebs bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist damit insgesamt gesehen selten und unterscheidet sich vom Kinderkrebs oder Krebserkrankungen bei älteren Menschen", sagt Professor Dr. Alexander Katalinic von der Universität Lübeck. Die Überlebensraten von in dieser Altersgruppe häufigen Neubildungen haben sich erfreulicherweise verbessert und liegen beispielsweise für Hodenkrebs oder das Hodgkin-Lymphom bei 90–100%. Somit kommt der Nachbetreuung von Langzeitüberlebenden große Bedeutung zu. Betroffene leiden häufig trotz erfolgreicher Therapie unter Beeinträchtigungen der Lebensqualität und des privaten und beruflichen Lebens in dieser besonders produktiven Lebensphase, sei es durch Fatigue, Angst, Anpassungsstörungen oder Depressionen, die in dieser Altersgruppe besonders prävalent sind. Zum Einstieg in Beruf oder Ausbildung besteht häufig ein besonderer Beratugsbedarf.
Um eine altersadaptierte Versorgung für junge und geriatrische Patienten noch besser umsetzen zu können, seien strukturelle Änderungen vonnöten, so die Experten.

Für alle, die den 34. DKK verpasst haben, sind viele Vorträge und Poster unter DKK on demand online zugänglich, dies erfordert eine einmalige Registrierung, ist aber kostenlos.
Der nächste DKK findet in zwei Jahren statt, am 23.–26. Februar 2022.

Referenzen:
1. Pressemappe zur Haupt-PK Prävention vom 20.02.2020. https://www.dkk2020.de/files/content/6Newsroom/Pressemappe_Haupt%20PK_Krebskongress_Pr%C3%A4vention.pdf.
2. Pressemappe zur Haupt-PK ‘Spezielle Bedürfnisse, spezielle Therapien: die Herausforderungen bei der Versorgung älterer und jüngere Tumorpatient*innen’ vom 21.02.2020. https://www.dkk2020.de/files/content/6Newsroom/Pressemappe_Haupt-PK_Spezielle_Beduerfnisse_DKK_2020.pdf.

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