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Schutz vor Darmkrebs: Drei Bausteine der Mittelmeerdiät sind hier offenbar besonders wirksam

Beim diesjährigen ESMO World Congress on Gastrointestinal Cancer in Barcelona war neben Therapie und Diagnostik auch die Prävention von Malignomen des Verdauungstrakts ein zentrales Thema.

Beim diesjährigen ESMO World Congress on Gastrointestinal Cancer in Barcelona war neben Therapie und Diagnostik auch die Prävention von Malignomen des Verdauungstrakts ein zentrales Thema. Reges Interesse fand insbesondere eine Studie, die die gesundheitsfördernde Wirkung der mediterranen Küche speziell in Bezug auf die Vorbeugung von Kolonkarzinomen aufschlüsselte und dabei drei einfache, aber effektive Ernährungs-Tipps präsentierte.

Die gesundheitlichen Benefits der mediterranen Küche sind mittlerweile vielfach belegt. Die ursprüngliche Kost der Regionen zwischen Andalusien und Athen wirkt nachweislich lebensverlängernd und schützt dabei insbesondere vor Herzkreislauferkrankungen, ebenso aber wohl auch vor Neubildungen des Dickdarms wie adenomatösen Polypen und den daraus sehr häufig entstehenden Karzinomen.

Eine nun auf dem gastroenterologischem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie vorgestellte Studie fand dabei heraus, dass es vor allem drei Komponenten seien, die diesen positiven Effekt auf den Intestinaltrakt bewirkten. Dieses seien: Der regelmäßige Genuss von Fisch und frischem Obst sowie der weitgehende Verzicht auf Softdrinks jeglicher Art.

Additiver Darmschutz

"Wir stellten fest", so Dr. Naomi Fliss-Isakov, vom Tel-Aviv Medical Center in Israel, "dass jeder einzelne dieser drei Faktoren mit einer zu über 30 % reduzierten Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer fortgeschrittenen, präkanzerösen kolorektalen Läsion einherging – verglichen mit den Personen, die keinerlei Bestandteile der sogenannten Mittelmeerdiät konsumierten. Diejenigen, die alle drei Elemente beherzigten, profitierten von einer kumulierten Risikominimierung von nahezu 86 %."

Die Fall-Kontroll-Studie umfasste 808 weitgehend gesunde und familiär nicht vorbelastete Patienten zwischen 40 und 70 Jahren, die sich einer diagnostischen Koloskopie unterzogen. Im Rahmen der Konsultation füllten sie einen detaillierten Fragebogen aus, der ihre täglichen Essgewohnheiten betraf. Hierbei wurde ein über dem Gruppenmedian liegender Konsum von Gemüse, Obst, Nüssen, Vollkornprodukten, Seefisch, Geflügel und mehrfach ungesättigten Fettsäuren als Indiz für eine kulinarische Ausrichtung im Sinne der Mittelmeerdiät angesehen – ebenso ein unterdurchschnittlicher Genuss von rotem Fleisch, Alkohol und Softdrinks.

Eindeutiger Zusammenhang

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Probanden mit fortgeschrittenen Darmpolypen im Vergleich zu denen mit unauffälligem Befund mit einem Mittel von 1.9 versus 4.5 deutlich weniger "mediterrane Nahrungsmittel" konsumierten. Bereits der Verzehr von zwei bis drei beliebigen Komponenten war mit einer rund 50 % geringeren Wahrscheinlichkeit für diese Präkanzerosen assoziiert – verglichen mit der Gruppe, die nach eigenen Angaben keines der oben genannten, gesunden Lebensmittel verspeiste.

Nach umfangreichen Berechnungen und Adjustierung für weitere Risikofaktoren kristallisierten sich Fisch, Früchte und der Verzicht auf künstliche Erfrischungsgetränke  als besonders darmprotektive Faktoren heraus.

Prof. Dirk Arnold, Director of Oncology der CUF Hospitals in Lissabon und ESMO-Sprecher kommentierte dazu: "Diese großangelegte Studie bestätigt eindrucksvoll den hypothetischen Zusammenhang zwischen kolorektalen Polypen und der Ernährung sowie anderen life-style-Faktoren". Sie stehe in einer Reihe mit weiteren kürzlich gewonnenen Erkenntnissen zum protektiven Wert von Nüssen sowie einer Supplementation von Vitamin D, so Arnold.

Offen bleibt noch die Frage, ob die Ergebnisse mit einer verminderten Mortalität einhergehen und auch, wann genau eine Ernährungs-Umstellung sinnvoll ist, um prophylaktisch wirksam zu sein.

Auch müsste in künftigen Erhebungen geklärt werden, inwieweit Patienten von der Mittelmeerkost profitieren können, die – im Gegensatz zu den Probanden der israelischen Studie – ein hohes Darmkrebsrisiko haben.

Gut annehmbar, leicht umsetzbar

Insgesamt aber eine solide und letztlich auch sehr praxistaugliche Studie. Denn seien wir ehrlich: Der allgemeine, ärztliche Rat sich "gesünder zu ernähren" oder eine spezielle Diät zu befolgen, überfordert viele Patienten. Manch einer wird einfach bei seiner ganz eigenen Version von "Mittelmeerküche" in Form von Pasta Carbonara, Pizza Napoli oder Gyrosteller bleiben. Stärker motivierte Menschen werden vielleicht eine Weile gedünstetes Gemüse essen, hochwertiges Öl kaufen und auf die Currywurst verzichten – und trotzdem ein schlechtes Gewissen haben, dass es nicht ausreicht...

Mittelfristig fallen die meisten erfahrungsgemäß eh bald in alte Ernährungsmuster zurück – das ist wie bei den guten Vorsätzen zu Silvester. Der durchschnittliche Nordeuropäer wird sicherlich nicht seinen gesamten Speiseplan umwerfen – und seien die südländischen Köstlichkeiten noch so schmackhaft und der gesundheitliche Gewinn noch so groß.

Die gute Nachricht dieser Studie ist: Er muss es eigentlich auch gar nicht. Wenn viele mediterrane und naturbelassene Lebensmittel auf den Teller kommen – wunderbar. Wer für sich aber sieht, dass er nicht maximal konsequent sein kann, seinem Darm aber trotzdem was nachweislich Gutes tun will, kann sich ja zumindest an ein paar ganz konkrete Empfehlungen aus Studien wie dieser halten.

Schaden wird es sicher nicht – offenbar im Gegenteil.

Quellen:
1. Mediterranean diet components are negatively associated with advanced colorectal polyps in a population-based case-control study. Fliss Isakov N et al. Abstract for O-023 / ESMO 19th World Congress on Gastrointestinal Cancer. Barcelona, Spain. June, 2017.
2. High-quality Diets Associate With Reduced Risk of Colorectal Cancer.
3. Park S et al. Gastroenterology.
2017 Apr 17. pii: S0016-5085(17)35439-2.
4. Mediterranean diet and colorectal cancer risk: results from a European cohort. Bamia C et al. Eur J Epidemiol. 2013 Apr;28(4):317-28.