Welche Fachrichtung bekommt die meisten Strafzettel?

Kurz vor Weihnachten erschien im 'British Medical Journal' eine Beobachtungsstudie der etwas anderen Art – das Thema: das Fahrverhalten von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen.

Kurz vor Weihnachten erschien im 'British Medical Journal' eine Beobachtungsstudie der etwas anderen Art – das Thema: das Fahrverhalten von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen.

Autoren von der Harvard Medical School und dem Massachusetts General Hospital in Boston untersuchten, welche Fachrichtungen auf der Straße durch zu schnelles Fahren auffallen. Hierzu analysierten sie Daten von fast 15 Tsd. in Florida zwischen 2004 und 2017 wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen an Ärzte ausgestellten Knöllchen. 1

Wer fährt am liebsten zu schnell?

Unabhängig von der Fachrichtung "lohnten" viele Strafzettel bei Ärzten gleich richtig: in einem Viertel der Fälle war die Geschwindigkeit um mehr als 20 mph überschritten (Meilen pro Stunde, entspricht ca. 32 km/h). Die Strafzettel von Psychiatern fielen im Vergleich zu anderen Disziplinen signifikant häufiger in diesen Bereich. Die Autoren meinen, dies sei definitiv nicht damit zu erklären, dass die Psychiater besonders eilig zum Golfplatz wollten (vergangenes Weihnachten hatte das gleiche Team eine Beobachtungsstudie zum Golf-Verhalten verschiedener Disziplinen im BMJ publiziert, hier waren die Psychiater weder unter den häufigsten, noch unter den besten Spielern).2

Obwohl ein Drittel aller Ärzte in den USA Frauen sind, gingen nur 18,5% der Strafzettel auf ihr Konto und große Geschwindigkeitsübertretungen waren unter Frauen prozentual seltener.

Die Verfasser hatten die Hypothese, dass Angehörige bestimmter Fachrichtungen aufgrund ihrer Persönlichkeitsstrukturen (Suche nach Nervenkitzel) oder auch dienstlichen Notwendigkeiten (Notfälle, Rufdienst) vielleicht eher zum Rasen neigen könnten als andere, doch die Unterschiede zwischen den Disziplinen fielen insgesamt eher gering aus.
Der Fairness halber sei außerdem angemerkt, dass
a) die Frequenz von Strafzetteln in der Allgemeinbevölkerung von der der Ärzte nicht wesentlich abwich und
b) in Florida auf Autobahnen ohnehin nicht schneller gefahren werden darf als 70 mph (ca. 113 km/h), auf 4-spurigen Fernverkehrsstraßen 65 mph (ca. 105 km/h) und auf Landstraßen 55 mph (ca. 89 km/h).3

Unter den Geblitzten waren die Orthopäden am schnellsten unterwegs (mit durchschnittlich 16,8 mph über dem Tempolimit), dicht gefolgt von Psychiatern (16,5) und Fachärzten internistischer Spezialisierungen (16,4) (der Artikel unterscheidet nur zwischen allgemeinen und weiter subspezialisierten Internisten, letztere sind in einer Gruppe zusammengefasst).

Ein Auge zudrücken?

Wird man wegen zu schnellen Fahrens rechts heran gewunken, kann man manchmal noch mit Nachsicht oder einer gemilderten Strafe Glück haben. Die Autoren hätten erwartet, dass etwa Notärzte, die durch ihre Fachrichtung viel mit der Polizei zusammenarbeiten, hier vielleicht eher einen Stein im Brett hätten, dem war aber nicht so. Möglicherweise ist den Beamten die Berufszugehörigkeit gar nicht bekannt oder es gibt keine Präferenz für Angehörige ärztlicher Berufe.
Andere Eigenschaften, wie weibliches Geschlecht und höheres Alter waren dagegen unabhängig mit Strafermäßigung assoziiert.

Liegt der Hang zur Geschwindigkeit auch am Auto?

Ein Bereich, in dem die Autoren auf deutliche Unterschiede zwischen den Disziplinen stießen, war der Anteil von Luxusautos. Von den Untersuchern als solchen definiert waren Modelle von Acura, Audi, BMW, Cadillac, Ferrari, Infiniti, Jaguar, Land Rover, Lexus, Lotus, Maserati, Mercedes, Porsche, Tesla und Volvo. Solche Autos waren unter den untersuchten Strafzetteln oft vertreten. Die meisten geblitzten Luxuswagen gehörten Kardiologen. Am seltensten waren Luxuswagen unter Hausärzten, Notärzten, Pädiatern, Allgemeinchirurgen und Psychiatern.
Öffentlich zugängliche Daten von Versicherungen ergaben auch in der Allgemeinbevölkerung, dass Besitzer von wertvollen Autos oder leistungsfähigen Sportwägen mehr Strafzettel sammeln.

Die Verfasser schließen damit, dass der Zusammenhang zwischen Fahrverhalten und Patienten-Outcomes weiterhin unbekannt bleibt...
Wir wünschen Ihnen ein frohes neues Jahr und allzeit gute Fahrt!

Referenzen:
1. Zimerman, A., Worsham, C., Woo, J. & Jena, A. B. The need for speed: observational study of physician driving behaviors. BMJ 367, (2019).
2. Koplewitz, G., Blumenthal, D. M., Gross, N., Hicks, T. & Jena, A. B. Golf habits among physicians and surgeons: observational cohort study. BMJ 363, (2018).
3. Speed limits in the United States by jurisdiction. Wikipedia https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Speed_limits_in_the_United_States_by_jurisdiction&oldid=930995122 (2019).

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