Amniontransplantation - Wundermittel aus dem Mutterkuchen

Seit Jahrzehnten unterstützt die Amniontransplantation bereits die Wundheilung. Es sind vor allem die schwierig therapierbaren Fälle, die von dieser bahnbrechenden Methode profitieren. Doch die Amniontransplantation hat wie alle guten Dinge Zeit gebraucht, um vollends glänzen zu können.

Seit Jahrzehnten unterstützt die Amniontransplantation bereits die Wundheilung, wenn sonst keine Hilfe in Aussicht ist. Es sind vor allem die schwierig therapierbaren Fälle, die von dieser bahnbrechenden, operativen Methode profitieren. Doch die Amniontransplantation hat wie alle guten Dinge Zeit gebraucht, um vollends glänzen zu können.

In der Ophthalmologie erfolgte bereits 1940 ein Therapieversuch (Symblepharolyse) mittels Amnion und Chorion. Damals war die Therapie aus verschiedenen Gründen noch nicht so erfolgsversprechend gewesen wie heute. Erst seit den 1990ern hat die Amniontransplantation beim Menschen ihren therapeutischen Durchbruch geschafft. Dank hochmoderner Präparations- und Konservierungstechniken steht sie uns in der Ophthalmologie zur Verfügung. Besonders beliebt ist die Amniontransplantation aufgrund ihrer einfachen operativen Durchführbarkeit und ihrem relativ geringen Risikoprofil. Sie zeichnet sich durch vielfältige Einsatzgebiete aus und geht zudem nicht mit dem Risiko einer Transplantatabstoßung einher.1,2

Die Kryokonservierung verhalf der Amniontransplantation zum Durchbruch

Die Amnionmembran ist die innere Eihaut und wird im Rahmen von Kaiserschnittgeburten gewonnen: Das Amnion wird von dem Chorion getrennt und auf Nitrozellulosepapier aufgebracht. Mithilfe eines Kryoprotektants (50% Glycerin) ermöglicht die Kryokonservierung (-75 bis -85°) den Erhalt der für die Therapie wichtigen biologischen Eigenschaften des Amniontransplantats für bis zu 2 Jahre nach Präparation.

Die Amniontransplantation hat die rekonstruktive Chirurgie der Augenoberfläche enorm vorangetrieben und stellt mittlerweile eine etablierte Methode dar. Erhältlich ist das Amnion in verschiedenen Ausführungen als Patch, Carrier und als Transplantat.2-5

Was macht das Amnion so besonders?

Das Amniontransplantat dient als Basalmembranersatz und bietet Schutz, unter welchem das erkrankte Gewebe die Möglichkeit zur Selbstheilung erlangt. Darüber hinaus enthält es einen bunten Cocktail an wachstumsfördernden Faktoren, die den Prozess der Selbstheilung beschleunigen. In der Augenheilkunde sorgt sie für den Erhalt der Klarheit der optischen Achse durch ihre antiangiogenen und antifibrotischen Eigenschaften. Auf zellulärer Ebene besteht die Amnionmembran aus einem avaskulären Stroma mit nur wenigen Fibroblasten, einer dicken Basalmembran und natürlich den Amnionepithelzellen (siehe Abbildung 1). Diese Komponenten haben es in sich: Sie enthalten Wachstumsfaktoren und bestimmte Proteine, die sowohl eine epitheliotrophe als auch antiinflammatorische und immunmodulative Wirkung entfalten können.5


Abbildung 1: Aufbau der Amnionmembran

Jede einzelne Komponente zählt

Die wundheilungsfördernden Signale werden durch den epidermalen Wachstumsfaktor (EGF) und den Keratinozyten-Wachstumsfaktor (KGF) vermittelt. KGF ermöglicht die Reepithelialisierung defekter Gewebeoberflächen, die Basis für den mechanischen Schutz des Auges. Das Amniontransplantat enthält außerdem Interleukin-6 (IL-6) und Interleukin-8 (IL-8). Der B-Zellen-stimulierende Faktor IL-6 wirkt genauso wie der Entzündungsmediator IL-8 immunmodulativ. Interleukin-10 und der Interleukin-1-Rezeptorantagonist wirken antiinflammatorisch. Die in der Basalmembran enthaltenen Strukturproteine Laminin und Kollagen Typ VII erklären die epitheliotrophe Wirkung, die nach Amniontransplantation beobachtet werden kann. Darüberhinaus enthält das Transplantat intrinsische neurotrophe Substanzen. Die antifibrotischen Eigenschaften beruhen auf einer TGF-b-Hemmung. Sie wirkt der Narbenbildung entgegen.2-6

Im nächsten Beitrag lernen wir einige interessante Studien über den Einsatz der Amniontransplantation in der Augenheilkunde kennen Hoffnung für sonst hoffnungslose ophthalmologische Fälle. Es bleibt spannend!

Referenzen:
1. Meller D. et al. (2011). Amniotic Membrane Transplantation in the Human Eye. Dtsch Arztebl Int. 2011 Apr; 108(14): 243–248. 
2. Malhotra C. et al. (2014). Human amniotic membrane transplantation: Different modalities of its use in ophthalmology. World J Transplant. 2014 Jun 24; 4(2): 111–121. 
3. Polster F. et al. (2012). Innovative Amniontransplantation bietet neue Behandlungsansätze. Klin Monatsbl Augenheilkd 2012; 229 - V51.
4. Kruse F. E. et al. (2001). Die Amnionmembrantransplantation zur Rekonstruktion der Augenoberfläche. Der Ophthalmologe. September 2001, Volume 98, Issue 9, pp 801–810.
5. Barabino S. et al. (2003). Role of amniotic membrane transplantation for conjunctival reconstruction in ocular-cicatricial pemphigoid. Ophthalmology. 2003 Mar;110(3):474-80.
6. Lang G. et al. (2016). Schlaglicht Augenheilkunde: Entzündliche Augenerkrankungen. ISBN 9783132402997.

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