Das "Wait and Watch"-Konzept zeigt gute Ergebnisse im Protokoll V

Auf der ARVO 2019 wurde das Protokoll V der DRCRnet-Forschungsgruppe (Diabetic Retinopathy Clinical Research Network) präsentiert. Das Protokoll V hat verschiedene Therapiekonzepte für die Behandlung des diabetischen Makulaödems mit fovealer Beteiligung bei gutem Ausgangsvisus miteinander verglichen.

Auf der ARVO 2019 wurde das Protokoll V der DRCRnet-Forschungsgruppe (Diabetic Retinopathy Clinical Research Network) präsentiert. Das Protokoll V hat verschiedene Therapiekonzepte für die Behandlung des diabetischen Makulaödems mit fovealer Beteiligung bei gutem Ausgangsvisus miteinander verglichen.

Insgesamt nahmen 91 medizinische Einrichtungen in den USA und in Kanada an der fast 3 Jahre andauernden Studie teil. Die 702 Patientinnen und Patienten hatten zu Studienbeginn einen Ausgangsvisus von 0,8 und sogar noch besser. In der randomisierten multizentrischen klinischen Studie verglich das Forschungsteam u.a die Wirksamkeit der Aflibercept-Injektionstherapie mit der Wirksamkeit der fokalen Laserkoagulationstherapie. Die Studienteilnehmer/-innen einer dritten Gruppe erhielten keine Therapie. Sie wurden jedoch regelmäßig untersucht und beobachtet. In der IVOM-Therapiegruppe wurde Aflibercept im 4-Wochenrhytmus intravitreal injiziert. In der Lasertherapiegruppe erfolgte initial eine fokale Laserkoagulationstherapie und bei Bedarf eine ergänzende Lasertherapie in der 13. Studienwoche. Die Patientinnen und Patienten der Lasertherapiegruppe und der Beobachtungsgruppe erhielten dann einen Therapiewechsel zu Aflibercept, wenn sich eine Sehkraftminderung von mindestens 2 Zeilen bei einem Kontrolltermin oder 1 Zeile Sehkraftminderung bei 2 aufeinanderfolgenden Untersuchungsterminen gezeigt hatte. 2 Jahre nach Studienbeginn war kein signifikanter Unterschied zwischen den drei Gruppen erkennbar. Im Durchschnitt lag der Visus bei 1,0, ähnlich dem durchschnittlichen Visus zu Studienbeginn.1 Das Protokoll V führt uns damit folgendes vor Augen: Wir können guten Gewissens bei Patientinnen und Patienten mit einem guten Ausgangsvisus auch erst einmal den weiteren Krankheitsverlauf abwarten. Eine abwartende und beobachtende Haltung ist nicht nur risikoärmer für die Patientin oder den Patienten, sondern auch kostengünstiger. Bei Eintritt einer Visusminderung – wie oben beschrieben- sollte natürlich eine intravitreale Injektionstherapie erfolgen.

Kommen wir nun zu einem weiteren interessanten Themenpunkt. Technisierung, Künstliche Intelligenz und der Fortschritt in der Augenheilkunde müssen in einem Atemzug genannt werden. Fast kein anderes medizinisches Fach hat den Einfluss des technischen Fortschrittes deutlicher bemerkt. Die Einführung der optischen Kohärenztomographie war ein Meilenstein in der Augenheilkunde. Nun klopft auch die Künstliche Intelligenz immer lauter an unsere Praxistür.

Ist "Dr. Smartphone" unser neuester Konkurrent?

Wer kennt das nicht. Im Zeitalter der Digitalisierung haben die meisten Patientinnen und Patienten vor dem eigentlichen medizinischen Termin in unserer Sprechstunde bereits "Dr. Google" konsultiert. In den meisten Fällen trifft die Diagnose von ,"Dr. Google" nicht ganz ins Schwarze. Der Einzug der Künstlichen Intelligenz in die Augenheilkunde hat jedoch in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Anstatt der grauen Masse im humanen Oberstübchen stellen mancherorts künstliche neuronale Netzwerke das Kernelement der OCT-Befundung dar.3

(In den beigefügten Links könnt Ihr weitere interessante Texte zum Thema "Künstliche Intelligenz in der Augenheilkunde" finden:

https://www.esanum.de/blogs/ophthalmologie-blog/feeds/today/posts/autonome-retina-scanner-sind-der-anfang 
https://www.esanum.de/today/posts/forschungsteam-entwickelt-selbstmessenden-netzhautscanner 
https://www.esanum.de/i/fachbereichsseite-ophthalmologie/feeds/ophthalmologie/conferences/117-dog-kongress/feeds/today/posts/kuenstliche-intelligenz-in-der-augenheilkunde)

Aus dem Interview mit Prof. R. Sznitman4 wissen wir, dass bereits intensiv an der Realisierung des Injektionsroboters gearbeitet wird. Da verwundert es doch eigentlich nicht, dass "Dr. Smartphone" die diabetische Retinopathie diagnostizieren will. Das Fundament dafür legte die Smartphone-basierte direkte Funduskopie. An sich eine super Sache. Durch eine Aufrüstung eines Smartphones durch einen Adapter für die Ophthalmoskopie-Linse entsteht ein medizinisches Fachwerkzeug. Am Sankara Eye Hospital in Indien konnte auf diese Weise ein kostengünstiges Screening für die diabetische Retinopathie erfolgen. Durch Kombination mit der Telemedizin ist ein Screening auch ohne die lokale Anwesenheit einer Augenärztin oder eines Augenarztes möglich. Der nächste logische Schritt ist die Unterstützung des Screenings per Smartphone durch die Künstliche Intelligenz.5,6

Was haltet Ihr davon? Stellt die Künstliche Intelligenz unsere neueste Konkurrentin/unseren neuesten Konkurrenten dar oder wird sie die Augenheilkunde rasant weiterbringen, wie es auch die optische Kohärenztomographie getan hat?

Referenzen:
1. Baker C. W. et al. (2019). Protocol V trial results favor observation strategy for DME with good vision. JAMA 2019.
2. Tan C. H. et al. (2019). Use of smartphones for detecting diabetic retinopathy: a protocol for a scoping review of diagnostic test accuracy studies. BMJ Open. 2019 Dec 8;9(12):e028811.
3. Arcadu F. et al. (2019). Deep Learning Predicts OCT Measures of Diabetic Macular Thickening From Color Fundus Photographs. Retina. Investigative Ophthalmology & Visual Science March 2019, Vol.60, 852-857. 4. https://www.esanum.de/today/posts/kuenstliche-intelligenz-trifft-auf-injektionsroboter
5. https://www.uni-bonn.de/neues/171-2019
6. https://www.aao.org/eyenet/article/smartphone-funduscopy

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