Die Rolle der ICG-Angiographie in der COVID-19-Diagnostik-Teil 1

Spätestens seit den Beiträgen des Sommers wissen wir, wie wichtig unser Fach für die Diagnostik und auch Therapie der durch das SARS-CoV-2-Virus verursachten pathologischen Vorgänge im menschlichen Organismus ist. COVID-19 kann seine Spuren an der okulären Mikrovaskulatur hinterlassen.

Spätestens seit den Beiträgen des Sommers wissen wir, wie wichtig unser Fach für die Diagnostik und auch Therapie der durch das SARS-CoV-2-Virus verursachten pathologischen Vorgänge im menschlichen Organismus ist. COVID-19 kann seine Spuren an der okulären Mikrovaskulatur hinterlassen.

Anfang September haben wir eine interessante Studie hierzu von einer Forschungsgruppe der Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen kennengelernt. Mittels OCT-Angiographie wurde Long Covid an der Vaskulatur des Auges untersucht. Wir wissen, dass SARS-CoV-2 für seinen Eintritt in die menschliche Zelle den Angiotensin-Converting-Enzyme-2 (ACE-2)-Rezeptor verwendet. Dieser Rezeptor wird besonders stark im Lungengewebe und am Gefäßendothel exprimiert. Durch das Zusammenspiel einer Dysregulation des Immunsystems mit Aktivierung der Komplement- und Gerinnungskaskade als Reaktion auf die SARS-CoV-2-Infektion kann es zu Multiorganschäden kommen. Ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Konzentration des von-Willebrand-Faktors und einer Endotheliopathie konnte beobachtet werden. Der Augenhintergrund eignet sich hervorragend zur nicht-invasiven Untersuchung von Gefäßerkrankungen. Das dachte sich auch eine Forschungsgruppe des französischen Hospital Rothschild in Paris. In einer prospektiven, monozentrischen Kohortenstudie untersuchte die Forschungsgruppe mittels Indocyaningrün-Angiographie (ICGA) und optischer Kohärenztomographie Patient:innen, die aufgrund einer schweren COVID-Infektion hospitalisiert worden sind. Mit diesen beiden Methoden konnten die Forschenden Läsionen der retinalen und der choroidalen Gefäße nachweisen, die möglicherweise direkt oder indirekt auf die SARS-CoV2-Infektion zurückzuführen waren. Mehr dazu im heutigen Beitrag.1

Wie kann sich eine SARS-CoV2-Infektion am Augenhintergrund darstellen?

Bei einer COVID-19-Erkrankung liegt die Prävalenz einer Augenbeteiligung bei rund 10%. In den wissenschaftlichen Studien der letzten beiden Jahre wurden unterschiedliche klinische Erscheinungsbilder beschrieben. Es zeigten sich Cotton-Wool-Herde, sowie hyperreflektive Läsionen im Bereich der inneren plexiformen Zellschicht und in der Ganglienzellschicht. Bei choroidaler Beteiligung konnte eine Verdickung im Bereich der Makula und eine Ausdünnung in den restlichen Arealen beobachtet werden. Einige ganz besondere Fälle wurden erst kürzlich veröffentlicht: Es handelt sich hierbei um eine atypische multifokale Aderhautentzündung und um eine serpiginöse Aderhautentzündung bei SARS-CoV-2-Infektion.1

Hoher Sauerstoffbedarf bei Hospitalisierung

Insgesamt nahmen 14 Patient:innen an der Studie teil. Das Durchschnittsalter lag bei 58,2 Jahren. Das männliche Geschlecht überwog mit 64%. 71% der hospitalisierten Patient:innen benötigten Sauerstoff. 57% wurden intensiv-medizinisch betreut. Am akuten Atemnotsyndrom (ARDS) litten fast 80% der Patient:innen. Bei rund 30% der Studienteilnehmer:innen kam eine Kortisontherapie zum Einsatz. Bei der ophthalmologischen Untersuchung lag der bestkorrigierte Visus im Mittel bei 82,2 ±10,1 ETDRS-Buchstaben. Der mittlere Augeninnendruck betrug 15,3 ± 3,2 mmHg. Die ophthalmologischen Untersuchungen erfolgten mittels optischer Kohärenztomographie und Indocyaningrün-Angiographie. Für die letztere Untersuchung wurde den Patient:innen 25 mg Indocyanin Grün (SERB LAB, Paris Frankreich) injiziert. Die Aufnahmen des hinteren Pols und der Peripherie erfolgten mit einer 60° Kamera in der sehr frühen Phase, der mittleren und der späten Phase der Untersuchung. Anschließend erfolgte eine Analyse durch mehrere Netzhautspezialisten. Die choroidale Hämodynamik wurde mittels Videoangiographie durchgeführt. Dies diente der Beurteilung der Füllung der Aderhautgefäße und des Vorhandenseins von pulsierenden Shunts.1

Ein paar Worte zur Indocyaningrün-Angiographie

Normalerweise ist bei der ICG-Angiographie die choroidale Zirkulation bereits in der ersten Minute nach Injektion erkennbar. Große choroidale und retinale Blutgefäße können so bereits früh dargestellt werden. In der mittleren Phase der ICG-Angiographie nimmt die Sichtbarkeit der Aderhautvenen ab. In dieser Phase dominiert eine homogene Hyperfluoreszenz der Choroidea. Rund eine viertel Stunde nach der ICG-Injektion beginnt die späte Phase der ICG-Angiographie. In dieser Phase sind keine Details mehr erkennbar und auch die Aderhautgefäße stellen sich als hypofluoreszent dar. Bei der Beurteilung pathologischer Phänomene ist neben der Hyper- bzw. Hypofluoreszenz der Strukturen auch die Zeitphase zu beachten, in der sie auftreten. In der vorliegenden Studie hat die Forschungsgruppe auf eine Leakage und auf ein Staining geachtet. Zu einer pathologischen Hyperpermeabilität der Aderhautgefäße kann es durch eine mögliche gefäßschädigende Wirkung der SARS-CoV-2-Infektion gekommen sein. Wir wissen aus dem Blog-Beitrag des letzten Monats zum Einfluss von Long Covid auf das retinale Kapillarsystem, dass eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus die Gefäßdichte im Bereich der Makula deutlich reduzieren kann. In der uns aktuell vorliegenden Studie konnte die Forschungsgruppe ebenso in der ICG-Angiographie und mittels OCT-Diagnostik pathologische Veränderungen der Gefäßversorgung des Auges nachweisen. Mehr dazu nächstes Mal.1,2

Referenzen:
1. Abdelmassih Y. et al. (2021). COVID-19 associated choroidopathy. J Clin Med 2021;10:4686.
2. Dithmar S. et al. (2008). Fluoreszenzangiographie in der Augenheilkunde. Springer Verlag. ISBN: 978-3-540-35224-2

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