Die Therapie der okulären Graft-versus-Host-Disease

Mit dem heutigen Beitrag folgt der letzt Teil der Graft-versus-Host-Disease-Trilogie. Heute gehen wir auf die immunpathologischen Veränderungen am Auge sowie auf die Therapie der okulären Symptomatik ein.

Mit dem heutigen Beitrag folgt der letzt Teil der Graft-versus-Host-Disease-Trilogie. Im November haben wir die Symptomatik und die immunpathologische Genese der Graft-versus-Host-Disease mit ihren drei Phasen kennengelernt. Heute gehen wir auf die immunpathologischen Veränderungen am Auge sowie auf die Therapie der okulären Symptomatik ein.

Die Zielstrukturen am Auge: Tränendrüse und Meibomdrüsen

In histologischen Studien konnten Interleukin-6 und Interferon γ und die C-X-C- Liganden 9 bis 11 im Tränenfilm sowie auf der Augenoberfläche detektiert werden. Die T-Zell-vermittelte Immunreaktion erfolgt am Auge im Bereich der mukösen Membranen der Tränendrüse und der Meibomdrüsen. Dies erklärt auch die Grundpfeiler der ophthalmologischen Therapie.1

Ein guter Tropfen lindert das Leid

Die Symptome des trockenen Auges werden mittels benetzender Augentropfen therapiert. Es geht hierbei darum, sowohl die wässrige als auch die muzinöse Phase des Tränenfilms zu stabilisieren und zu stärken. Wichtig ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, da der okulären Graft-versus-Host-Disease eine systemische Mitbeteiligung folgen kann. Um eine systemische Schädigung zu verhindern/einzugrenzen, sollte ebenfalls eine immunsuppressive Therapie mit Cyclosporin erfolgen. Wenn notwendig, kommen neben den benetzenden Augentropfen auch lokale Immunsuppressiva (Cyclosporin Augentropfen 0,05%) zum Einsatz. Eine Versorgung mittels therapeutischer Sklerallinse kann in manchen Fällen notwendig werden. In schweren Fällen erfolgt eine Amniontransplantation zur Unterstützung der Wundheilung oder eine Hornhauttransplantation. Auch ist eine Versorgung der Patienten an bestimmten Kliniken mittels autologen Serumaugentropfen möglich.1

Die Hämotherapie hilft

Eine retrospektive Studie aus dem Jahr 2017 hat bei insgesamt 17 Patienten die Wirksamkeit von 100%-igen autologen Serumaugentopfen bei der chronischen Form der okulären Graft-versus-Host-Disease untersucht. Die Effektivität wurde mittels Visusbestimmung, kornealer Anfärbemethoden, die Häufigkeit der Applikation von benetzenden Augentropfen sowie mittels Fragebogen zur okulären Symptomatik festgehalten. Nach 6 Monaten zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Sehkraft im Vergleich zum erhobenen Visus vor Applikation der autologen Serumaugentropfen. Auch hinsichtlich der Hornhautoberfläche konnten seltener Defekte detektiert werden. Die benetzenden Augentropfen wurden mit einer geringeren Frequenz appliziert.

Das Tolle an den autologen Serumaugentropfen ist, dass bei keinem der 17 Patienten Nebenwirkungen festzustellen waren. Die Patienten waren zu 100% zufrieden mit der neuen Therapie. Schaut man sich die Inhaltstoffe der autologen Serumaugentropfen an, so kann man auch gut deren Therapieeffekt nachvollziehen: Sie enthalten epitheliotrophe Substanzen wie EGF (epithelial growth factor), PDGF (platelet-derived growth factor) sowie Fibronektin.2 Vor Einleitung einer Therapie mit autologen Serumaugentropfen muss jedoch geklärt werden, ob die Kosten vom Kostenträger übernommen werden.

Mesenchymale Stammzellen helfen bei akuter Form der Graft-versus-Host-Disease

Eine Therapie mittels mesenchymaler Stammzellen hat eine Studie aus dem Jahr 2006 zum Thema. Mesenchymale Stammzellen besitzen immunmodulatorische Eigenschaften. Die Forschungsgruppe erhoffte sich daher einen Therapieeffekt bei der therapierefraktionären Graft-versus-Host-Disease. Acht Patienten, mit einer therapierefraktionären (Steroide) okulären Graft-versus-Host-Disease Grad III-IV nahmen an der Studie teil. Sie erhielten im Median mesenchymale Stammzellen in einer Dosierung von 1x10(6)/kg als Infusion. Es zeigten sich keine akuten Nebenwirkungen der Therapie. Bei dem Großteil der Patienten (6 von 8) verschwand die akute Graft-versus-Host-Disease komplett. Ein Patient entwickelte jedoch eine Gastroenteritis (CMV). Die Therapieerfolge konnten vor allem im Gastrointestinaltrakt verzeichnet werden. Bei einem Patienten mit einer schweren chronischen Graft-versus-Host-Disease konnte nur ein transienter Erfolg beobachtet werden. Ob die Therapie auch bei der okulären Symptomatik von Nutzen ist, geht aus der Studie leider nicht hervor.3

Cyclopsorin Augentropfen helfen beim trockenen Auge bei Graft-versus-Host-Disease

Eine retrospektive Studie mit insgesamt 105 Patienten mit okulärer Graft-versus-Host-Disease konnte die Wirksamkeit von 0,05%-igen Cyclosporin Augentropfen aufzeigen. 81 Patienten erhielten die Augentropfen 1 Monat vor der Stammzelltransplantation und 24 Patienten (Kontrollgruppe) erhielten erst 6 Monate nach der Stammzelltransplantation die Therapie. In der Kontrollgruppe zeigte sich eine signifikant ausgeprägtere okuläre Symptomatik im 3. Monat, im 1. und im 2. Jahr nach Transplantation im Vergleich zu den Patienten, die die 0,05%-igen Cyclosporin Augentropfen bereits 1 Monat vor der Transplantation erhalten hatten. Eine mögliche Erklärung hierfür könnte eine reduzierte Entzündungsreaktion innerhalb der Tränendrüse sein.4

Im neuen Jahr erfahren wir, wie Metformin vor der Erblindung durch die AMD schützen kann.

Referenzen:
1. Munir S. Z. et al. (2017). A Review of Ocular Graft-Versus-Host Disease. Optom Vis Sci. 2017 May;94(5):545-555.
2. Tahmaz V. et al. (2017).Treatment of severe chronic ocular graft-versus-host disease using 100% autologous serum eye drops from a sealed manufacturing system: a retrospective cohort study. Br J Ophthalmol. 2017 Mar;101(3):322-326.
3. Ringdén O. et al. (2006). Mesenchymal stem cells for treatment of therapy-resistant graft-versus-host disease. Transplantation. 2006 May 27;81(10):1390-7.
4. Malta J. B. et al. (2010). Treatment of ocular graft-versus-host disease with topical cyclosporine 0.05%.Cornea. 2010 Dec;29(12):1392-6.

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