Herpes-Simplex-Virus: Primäre Prävention am Auge, nur Zukunftsmusik oder zum Greifen nah?

Die primäre Prävention von Krankheiten im Austausch gegen die Behandlung von Symptomen nach Krankheitsausbruch rückt immer mehr in den Fokus des klinischen Alltags der Ophtalmologie. Eine Impfung gegen das Herpes-Simplex-Virus könnte zukünftig die desaströsen Krankheitsfolgen bei HSV-Erstinfektion am Auge verhindern.

Die primäre Prävention von Krankheiten im Austausch gegen die Behandlung von Symptomen nach Krankheitsausbruch rückt immer mehr in den Fokus des klinischen Alltags der Ophtalmologie. Eine Impfung gegen das Herpes-Simplex-Virus könnte zukünftig die desaströsen Krankheitsfolgen bei HSV-Erstinfektion am Auge verhindern. 

Letztes Mal haben wir die Möglichkeiten kennengelernt, die uns die optische Kohärenztomographie bei der Vorhersagbarkeit neurodegenerativer Erkrankungen bietet. Mit den richtigen Tools und Biomarkern könnte ein Blick in die Zukunft der Patientin/des Patienten zum Greifen nah werden. Auch der heutige Beitrag befasst sich mit Zukunftsmusik. Die primäre Prävention von Krankheiten im Austausch gegen die Behandlung von Symptomen nach Krankheitsausbruch rückt immer mehr in den Fokus des klinischen Alltags der Ophthalmologin/des Ophthalmologen. In dem heutigen Beitrag erfahren wir, ob eine Impfung gegen das Herpes-Simplex-Virus zukünftig die desaströsen Krankheitsfolgen bei HSV-Erstinfektion am Auge verhindern kann.

Die HSV-Infektion am Auge zeigt eine phasenhaften Charakter

Für einen klaren Durchblick ist die Unversehrtheit der Hornhaut unabdingbar. Es gibt verschiedene Faktoren, die diese Unversehrtheit gefährden. Eine Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus führt in den meisten Fällen zu einer oberflächlichen kornealen Infektion und geht nur selten mit einer Mitbeteiligung des Hornhautstromas einher. Ist das Stroma mitbetroffen, so kann es zur immunbedingten Trübung kommen. Die Primärinfektion mit HSV stellt sich oft als eine unspezifische Konjunktivitis dar. In manchen Fällen gibt es bereits in dieser Krankheitsphase eine Mitbeteiligung der Hornhaut. Die Patientin/der Patient berichtet dann von einer Reizung des Auges mit Fremdkörpergefühl, Epiphora, Photophobie.

Bei der Untersuchung fällt oft eine konjunktivale Hyperämie, sowie in einigen Fällen eine vesikuläre Blepharitis auf. Die Bläschen heilen nach rund einer Woche, ohne Narben zu hinterlassen, ab. Der Phase der Primärinfektion kann dann die rezidivierende Infektion folgen. Diese kann sich in Form einer epithelialen Keratitis mit der typischen fluoresceinpositiven Dendriticafigur bemerkbar machen. Die Symptomatik besteht in diesem Fall wieder aus einer Reizung des Auges mit Fremdkörpergefühl, Epiphora und Photophobie. Die Spuren dieser Krankheitsphase, die - wie der Name schon sagt - immer wieder auftreten kann, lassen sich in Form von Hypästhesie und Vernarbungen der Hornhaut erkennen.

Dieser Krankheitsphase kann eine HSV-Endotheliitis (disziforme Keratitis) folgen. Sie zeigt sich als scheibenförmige, ödematöse Hornhautläsion in der Tiefe mit Uveitis anterior, die zu einer deutlichen schmerzhaften Sehbeeinträchtigung führen kann. Der rezidivierende Charakter der HSV-Infektion mit Narbenbildung und Trübung macht ihn so gefährlich für das Auge. Eine Impfung gegen das Herpes-Simplex-Virus könnte viele Menschen vor der Erblindung bewahren.1

Im Tiermodell funktioniert die HSV-1-Impfung

Eine Forschungsgruppe aus den USA hat Anfang des Jahres ihre Studie publiziert, die sich mit der HSV-1-Impfung im murinen Tiermodell auseinandergesetzt hat. Das langfristige Ziel ist, diese Impfung auch für den Menschen zu ermöglichen, um ihn vor einer Primärinfektion mit dem HSV am Auge zu bewahren. Ein attenuierter HSV-1-Lebendimpfstoff kam in ihrem Modell zum Einsatz.

Die Impfdosis wurde den Mäusen parenteral appliziert und führte zur gewünschten sterilen Immunität. Das bedeutet, dass die Mäuse nach der Impfung mit dem attenuierten HSV-1-Lebendimpfstoff weder Virusträger noch Virusausscheider waren. Wie die Forschungsgruppe diesen bahnbrechenden wissenschaftlichen Erfolg zustande gebracht hat, erfahrt Ihr im folgenden Text und im kommenden Blog-Artikel.1

Auf zu neuen Ufern, an Board eine kunterbunte Versuchsgruppe

Verschiedene Mäusestämme der Inzuchtlinie C57BL/6 (Wildtyp, TCRalpha(-/-), µMT, FcγRIII(−/−), Ai14/Rosa26-tdTomato Cre-reporter und C3(−/−)) dienten als Versuchskandidaten für die Erprobung des neuen HSV-1-Impfstoffes. Die µMT-Mäuse zeichnen sich durch B-Zell-Defizienz aus, die TCRalpha(-/-)-Mäuse durch einen Defekt der alpha-Kette des T-Zellrezeptors und die FcγRIII(−/−)-Mäuse durch einen genetisch erzeugten Fcγ-Rezeptordefekt.

Die A14-Mäuse besitzen ein fluoreszierendes Reportergen und bei den C3(−/−)-Mäusen ist keine Produktion der Komplementkomponente 3 möglich. Was hat die Forschungsgruppe mit so vielen unterschiedlichen Mäusestämmen nur vorgehabt? Das erfahrt Ihr nächstes Mal!1

Referenzen:
1.) Royer D. J. et al. (2019). Vaccine-induced antibodies target sequestered viral antigens to prevent ocular HSV-1 pathogenesis, preserve vision, and preempt productive neuronal infection. Mucosal Immunol. 2019 May;12(3):827-839.

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