Hypertonie und erektile Dysfunktion

Diabetes und Übergewicht sind häufig mit Hypertonie und Erektionsstörungen assoziiert. Was aber, wenn Patienten allein unter einem zu hohen Blutdruck und erektiler Dysfunktion leiden, ansonsten jedoch unauffällig sind?

Diabetes und Übergewicht sind häufig mit Hypertonie und Erektionsstörungen assoziiert. Was aber, wenn Patienten allein unter einem zu hohen Blutdruck und erektiler Dysfunktion leiden, ansonsten jedoch unauffällig sind? Eine aktuelle Studie zeigte unlängst, dass diese Männer gut auf eine Blutdrucksenkung ansprechen.

Die Untersuchung schloss insgesamt 1.255 Männer im Alter von 50+ Jahren ein, die unter einer Hypertonie (erhöhter systolischer Blutdruck) litten und ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hatten. Für die Studie wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen randomisiert: mit intensiver Blutdruckbehandlung (Zielwert < 120 mmHg) oder nach Standardprotokoll (Zielwert < 140 mmHg). Beurteilt wurde in erster Linie das Ergebnis mit Blick auf bestehende Erektionsstörungen der Männer mithilfe des IIEF-5-Fragebogens.

Als Ausgangspunkt gaben 66% der Studienteilnehmer an, unter erektiler Dysfunktion (ED) zu leiden. Nach 48 Monaten bestimmten die ForscherInnen den Effekt der blutdrucksenkenden Therapie auf die ED. Dabei fanden sie Unterschiede, je nach ethnischer Zugehörigkeit der Probanden (p = 0,0016). Im kaukasischen Typ berichteten die Teilnehmer unter intensiver Blutdruckbehandlung von einer signifikanten Verbesserung des IIEF-5-Wertes im Vergleich zur Standardgruppe (MD = 0,67; 95%-KI: 0,03-1,32; p = 0,041). Bei den Männern mit afrikanischen Wurzeln zeigte sich hingegen sogar eine Verschlechterung der selbt berichteten ED-Symptomatik im Vergleich zum Standardprotokoll (MD = -1,17; 95%-KI: -1,92 bis -0,41; p = 0,0025).

Die Korrektur der Daten gegen die Ausgangswerte ergab hingegen für keine der beiden Gruppen eine signifikante Reaktion im IIEF-5-Wert. Daraus schlossen die WissenschaftlerInnen, dass der Effekt einer Blutdruckkontrolle bei Männern mit Hypertonie, wenn überhaupt, nur sehr marginal sei. Die klinische Relevanz dieser Befunde ist daher wohl fraglich.

Fazit

Die erektile Dysfunktion (ED) ist auch für immer jüngere Männer ein zunehmendes Problem. Ihre Ursachen sind multifaktoriell und daher ist es schwierig, von einer einzigen Begleiterkrankung, wie der Hypertonie, auf einen ursächlichen Zusammenhang mit der ED zu schließen.

Im Falle dieser Studie waren die Männer in einem Alter von 50 und mehr Jahren und litten neben dem Bluthochdruck unter einem allgemein höheren kardiovaskulären Risiko, ohne jedoch Diabetiker zu sein, so die Aussage der AutorInnen. Sehr wahrscheinlich hatten diese Männer aber bereits kleinste Gefäßveränderungen erfahren, die für ihre Erektionsprobleme mitverantwortlich sein können.

In jedem Fall jedoch demonstriert diese Studie aus meiner Sicht sehr eindrücklich, dass nicht immer ein augenscheinliches Symptom oder eine Begleiterkrankung und deren Therapie die ED verbessern können muss. Gerade, wenn sich keine merkliche Besserung einstellt, sollte in der Praxis immer auch nach anderen möglichen Ursachen geschaut werden. Für die ED bedeutete dies, auch den kardiovaskulären Status zu erfassen, den Testosteronspiegel im Blick zu behalten (Stichwort: Hypogonadismus) sowie nach Stress und psychischen Belastungen zu fragen, die immer häufiger gerade bei einem jüngeren Patientenkollektiv eine zunehmende Rolle spielen können.

Wie beurteilen Sie diese Studie? Oder haben Sie Anmerkungen zur Hypertonie und ED aus der eigenen Praxis? Teilen Sie sie mir und Ihren KollegInnen gern über die Kommentarfunktion mit. Wir sind gespannt, von Ihnen zu lesen!

Originalpublikation: Foy CG et al., Effect of intensive vs. standard blood pressure treatment upon erectile function in hypertensive men: Findings from the systolic blood pressure intervention trial. J Sex Med 2019; pii: S1743-6095(19)31779-5 

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