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Charité startet Plattform für Glücksspiel- und Internetsüchtige

Charité startet Plattform für Glücksspiel- und Internetsüchtige

Rund eine Million Menschen sind von Abhängigkeit betroffen. Professionelle Hilfe nehmen die wenigsten in Anspruch.

Poker, Pferdewetten, Online-Spiele: Hochgerechnet auf die 16- bis 70-jährige Bevölkerung in Deutschland lässt sich den Daten der BZgA-Studie 2015 zufolge die Anzahl der Menschen mit einem problematischen Glücksspielverhalten auf 153.000 bis 382.000 und die Zahl jener mit einem pathologischen Glücksspielverhalten auf 111.000 bis 415.000 schätzen. Mindestens 560.000 Menschen gelten als internetabhängig. Nur ein geringer Teil von ihnen nimmt professionelle Hilfe in Anspruch. Viele wissen zudem nicht, wo sie überhaupt Unterstützung finden können. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat jetzt unter www.spielsucht-hilfe-berlin.de eine Online-Plattform entwickelt, die die Suche nach Hilfsangeboten in Berlin vereinfachen soll.

Von Glücksspiel spricht man per definitionem immer dann, wenn um Geld gespielt wird. Entscheidend für alle Glücksspiele ist dabei, dass ein Geldgewinn überwiegend vom Zufall und nicht vom Wissen oder Geschick abhängt. Das Angebotsspektrum reicht von klassischen Lotterien über Automatenspiele, Sportwetten und Poker bis zu Roulette. Gespielt wird in Lotto-Annahmestellen, Gaststätten und Spielhallen, Spielbanken und Wettbüros. Immer mehr Angebote bietet das Internet. Als Risikofaktoren für mindestens problematisches Spielverhalten haben sich dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung zufolge männliches Geschlecht, junges Erwachsenenalter, ein Migrationshintergrund und ein niedriger Bildungsstatus erwiesen. Im Jahr 2013 belief sich der Gesamtumsatz des deutschen (legalen) Glücksspielmarkts auf 33,4 Milliarden Euro.

Beratungsstellen informieren über Behandlungsmöglichkeiten

Ob Sucht nach Glücksspielen oder exzessive Internetnutzung – der Einfluss auf den Alltag ist enorm. Häufig leiden soziale Beziehungen. Es entstehen finanzielle Probleme, Affektstörungen und depressives Verhalten. Unterstützung können passende Anlaufstellen bieten. Um Betroffenen und Angehörigen die frühzeitige Suche nach geeigneten Beratungs- und Behandlungsangeboten zu erleichtern, hat die AG Spielsucht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité eine spezielle Online-Datenbank entwickelt, die von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin gefördert wird. Auf der Plattform Spielsucht-Hilfe-Berlin sind 140 Anlaufstellen in Berlin erfasst, zusätzlich wird über konkrete Behandlungsmöglichkeiten informiert. Auch Kontaktdaten von Beratungsstellen, niedergelassenen Psychotherapeuten sowie Selbsthilfegruppen werden über eine Suchfunktion hinterlegt.

Das Angebot richtet sich zusätzlich an Fachkräfte: Sie haben die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen und zu erfahren, welcher Kollege sich in welchem Stadtteil mit dem speziellen Fachgebiet beschäftigt.

Aktuelle Präventions- und Therapieansätze für Glücksspielsucht und Internetabhängigkeit werden auf dem Deutschen Suchtkongress vom 5. bis 7. September in Berlin diskutiert.

Text: vt

Foto: Fer Gregory / Shutterstock


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