>
Esanum is an online network for approved doctors

Esanum is the medical platform on the Internet. Here, doctors have the opportunity to get in touch with a multitude of colleagues and to share interdisciplinary experiences. Discussions include both cases and observations from practice, as well as news and developments from everyday medical practice.

esanum ist ein Online-Netzwerk für approbierte Ärzte

esanum ist die Ärzteplattform im Internet. Hier haben Ärzte die Möglichkeit, mit einer Vielzahl von Kollegen in Kontakt zu treten und interdisziplinär Erfahrungen auszutauschen. Diskussionen umfassen sowohl Fälle und Beobachtungen aus der Praxis, als auch Neuigkeiten und Entwicklungen aus dem medizinischen Alltag.

Esanum est un réseau en ligne pour les médecins agréés

Esanum est la plate-forme médicale sur Internet. Ici, les médecins ont la possibilité de prendre contact avec Une multitude de collègues et de partager des expériences interdisciplinaires. Les discussions portent à la fois sur les Observations de la pratique, ainsi que des nouvelles Et les développements de la pratique médicale quotidienne.

Benzodiazepinabhängigkeit - wie helfen beim Entzug?

Liebe Kollegen, folgenden Fall möchte ich vorstellen: 60 jährige Patientin mit hochgradiger Osteoporose und WK Sinterungen und extremen Schmerzen. Um die Schmerzen zuhause zu ertragen nahm sie eine große Menge (- 8 Tabl.) Zoldem. Hierunter entwickelte sie eine starke Abhängigikeit. Die Patientin war bei uns im stationären Verlauf sehr motiviert diese Abhängigkeit zu überwinden. Wir reduzierten auf 1 Zoldem am Abend. Dazu gaben wir ein Antidepressivum um den Entzug zu coupieren. Trotz der hohen Motivation war die Patientin bei Entlassung sehr unglücklich und wir vermuten, dass sie nach der Entlassung nicht durchhält. Der Leidensdruck des Entzuges war einfach zu hoch. Was hätten wir besser machen können? Haben sie TIPPS , Erfahrungen?

Kommentar zu Discender: Tetrazepam ist nicht mehr verordnungsfähig, was für mich persönlich nicht nachvollziehbar ist. Aber man muss sagen, dass auch Tetrazepam ein Missbrauchspotential hatte, nach dem Motto, dass die ambulanten Patienten auf den Geschmack gekommen sind und dann bei jedem Rückenschmerz oder ich denke auch einfach zur Vorratshaltung Tetrazepam erbeten haben. Das ist ja auch riskant wegen dem Autofahren. Neuerdings wollen alle Ortoton.

Benzodiazepinabhängigkeit lässt sich einfacher behandeln als Zolpidem/Zopiclon, weil man diese Stoffe einfach schlechter heruntertitrieren kann. Seit ich erkannt habe, dass man sich in dem Fall unabhängig von der Kontakt frequenz nicht auf die Patienten verlassen kann, habe ich die Neuverordnung von Z-Medikamenten generell eingestellt. Es gibt aber auch Menschen, die über Jahre die Dosis nicht abändern. Die es tun, haben in Wirklichkeit massive psychische Probleme, die nicht gelöst wurden und sie betreiben dann Selbstmedikation heimlich. Eines Tages beginnen sie damit. Vielleicht sagen sie dem Arzt, dass sie in Urlaub fahren und daher 2 Packungen brauchen etc. Vielleicht durch schnelle Verstoffwechselung kommt es dann mehrfach am Tag wie bei einem Spiegeltrinker zu psychischer Unruhe, worauf die nächste Tablette genommen wird. Meine zweite Zolpidemabhängige Patientin leidet unter den Folgen von Missbrauch u.a. mit suizidalen Krisen, die unter zolpidem selten geworden sind. Sie verweigert eine Klinikeinweisung, weil sie angibt, währed einer stationären Psychotherapie angetoucht worden zu sein von einem Pfleger. Sie schiebt immer ihre 8 Katzen und 2 Hunde als Grund vor. Der Gutachter hat eine erneute Psychotherapie abgelehnt, da sie zuerst einen Entzug machen müsse. Ich zähle das hier nur auf, um zu verdeutlichen dass es sehr komplexe Fälle geben kann, die mit einem Termin alle 3 Monate beim Psychiater nicht behandelt werden können. Ich ärgere mich, dass mir das passiert ist obwohl ich jahrelang in der Psychiatrie Assistenzarzt war, aber in der Praxis sind ganz andere Abläufe und wenn man es allen recht machen will, ist man am Ende trotzdem derjenige der für alles verantwortlich ist.

Ich habe 2 Patienten, die eine Zolpidemabhängigkeit entwickelt haben. Einen von beiden habe ich im Sommer dazu gezwungen, zu einem Entzug zu gehen nachdem auch der damals konsultierte Schlafmediziner nichts in diese Richtung unternommen hatte.
Der Entzug von ca 5 Tabletten à 10mg Zolpidem / Tag ist bisher erfolgreich. Der Pat. hat jetzt Mirtazapin. Es fiel auf, dass seine Leber offenbar die Medikamente abnorm schnell verstoffwechselt. Ursache seiner Schlafstörungen ist ein Tinnitus aber sicherlich auch psychosozialer Stress in Beruf und Familie, was er aber negiert.Ich habe ihm klar gesagt, dass ich nach dem Entzug nie wieder ein Z-Stoff ihm rezeptiere.
Fazit: man sollte wie bei einem Alkoholiker die Familie mit einbeziehen, die etwaige Depots rechtzeitig entsorgt sowie die Ärzte des Patienten vorab informieren, dass sie dieses Medikament nach dem Entzug nicht mehr aufschreiben dürfen oder Verlängerungs-rezepte verweigern müssen. Die Pat. schauen einen treuherzig an, aber man muss hart bleiben und das ist halt schwer, weil man sich auch schuldig fühlt, obwohl die Pat. genau wissen, dass sie nur 1 Tablette am Abend nehmen dürfen und in eigener Verantwortung das erhöht haben.

Ich würde da am ehesten mit Neuroleptika arbeiten(Halo,Risperdal...)

Hallo,

wichtig beim Entzug von 8 Tabletten täglich ist m.E.- wie bei anderen GABA-Rezeptoren ansteuernden Substanzen - dass man langsam runter fährt. Die entzugsdämpfende Medikation mit sedierenden Trizyklika und evtl. etwas Melperon ist zwar ok. Logischerweise ist dies aber nur teilweise hilfreich, wenn man im Sturzflug die Benzos / ihre Verwandten herausfährt.

Diese Benzodiazepindiskussion gab es in esanum schon mal.
Das Problem ist, dass sie nur kurz (max. 4 Wochen)sinnvoll wirken, total ruhig machen (leider über "betonieren" der Gefühle). Anfänglich ist das sehr angenehm, für Patient und Therapeut.
Nach kurzer Zeit jedoch fangen die "einbetonierten" Gefühle an im Untergrund zu rotieren bzw. somatoforme Kontexte flackern gewaltig auf, dem Patienten geht es immer schlechter, er chronifiziert gnadenlos, ggf. nach Jahrzehnten bis zum Krebstod z. B..
Das gilt füe alte und neue Benzos gleichsam, z. B. Lorazepam oder Zolpidem.
Helfen kann beim Absetzen eine Kombination aus Antidepressiva und Neuroleptika, dazu Opipramol (atypischer Angstlöser - ist kein trizyklisches Antidepressivum, wie früher behauptet). Meistens gebe ich z. B. Citalopram 10-60mg (langsam hoch, nach Bedarf), zusätzlich abends Opipramol/Perazin Kombi, anfänglich je 50mg. In schwierigen Fällen muss man hier bis je 200mg gehen - aufbauen, langsam. Das Benzo evt. langsam vermindern, viele Leute lassen es aber sofort weg, wenn man erklärt, welchen Ruin es bedeutet. Es kann 1/2 Jahr dauern, bis die Leute endgültig weg sind vom Benzo und zufrieden sind, meist reicht dann auch nur noch Opipramol 50mg zur Nacht. Da diese Leute meistens auch hirnstrukturell chronisch verändert sind und höchstens teilreversibel, kommt man hier meistens nicht aus ohne dauerhaft Antidepressiva (weiter Citalo)zusätzlich, meist lebenslang.

Ich benutze ein Anitdepressvum mit sedierender Komponente und /oder ein niedrig potentes Neuroleptikum um die Entzugssymptome zu kupieren. Den Ersatz einer "Z-Substanz" durch ein Benzodiazepin halte ich für nicht wirklich gut überlegt.
Im Übrigen ist eine Schmerztherapie (wie beschrieben) erforderlich. Duloxetin kann unterstützend auch schmerzreduzierend wirken, aber nicht als Ersatz für Schmerzmittel. Da ein Teil der Schmerzempfindung serotonerg vermittelt wird, darf ein Gruppeneffekt für alle serotonerg wirksamen AD angenommen werden, allerdings nur in WIRKSAMER DOSIS, d.h. nicht 10-25 mg eines Trizyklikums.

Die Erfahrungen bei Pat.mit multiplen Kompressionsfrakturen d. WS zeigen, daß trotz adäquater Analgesie mit FENTANYL u.Ä. die Schmerzsituation nicht vollständig kompensiert werden kann. Die "gute" Wirkung der Benzo´s liegt hierbei nicht auf der "seelischen" Seite, sondern in der muskelrelaxierenden u.abschaltenden Wirkung z.Nacht,so daß irgendwie der Schlaf ermöglicht wird. Versuchsweise hier zunächst Ersatz des Zoldem durch ähnliches Tetrazepam, vielleicht anfangs parallel (1/2 v.bd.);falls DOXEPIN ohne Alpträume verträglich, 10-25 mg als abendliche Dauertherapie, eigentlich AMITRIPTYLIN z.B. 10-0-10mg/(25 mg)als Adjuvanz besser, allerdings auch hier Mundtrockenheit; Erhöhung auf FENTANYL 25 yg; später Ersatz des TETRAZEPAM evtl.durch KATADOLON/TRANCOLONG als schmerzlinderndes Muskelrelaxans; als Bedarfsmedikation evtl.auch NOVAMINSULFON/PARACETAMOL und auch NSAR/COXIBE ausprobieren.Über den Einsatz der neueren Antidepressiva, wie z.B. CYMBALTA, habe ich selbst keine Erfahrungen.

P.S. Vielen Dank für Ihr Interesse. MfG

Sehr geehrte Kollegen,
selbstverständlich haben wir die Schmerzen der Patientin behandelt (Durogesicpflaster 12,5µg). Diese waren auch deutlich gebessert. Der Entzug jedoch unabhängig von den Schmerzen stark belastend für die Patientin. Wir verordneten Doxepin als antidepressive Therapie. Allerdings nur temporär.
MfG

Zusätzlich wäre eine spezielle schmerztherapeutische Vorstellung ratsam zur effektiven Therapie der Schmerzen unter Angabe der Benzodiazepin-Abhängigkeit. Welches Antidepressivum haben Sie verordnet? Evtl. käme Duloxetin (Cymbalta) in Frage, welches sich in Studien als wirksam bei begleitender Schmerzsymptomatik herausgestellt hat. Im Kontakt mit der Pat. sollten deren Beschwerden validiert werden, evtl. wäre auch eine psychotherapeutische Begleitung indiziert.

Es ist ja sehr schön, daß Sie die Benzodiazepinabhängigkeit behandelt haben, aber was wurde aus den Schmerzen? Solange Sie keine effektive Schmerztherapie einleiten, wird sich der Seelenzustand kaum ändern und ein Rückfall ist wahrscheinlich.