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Therapie bei Borrelien-positiven Zecken gerechtfertigt?

Die Borreliose dürfte eine der tückischsten Infektionskrankheiten unserer Zeit sein. Es gibt weder ein einheitliches klinisches Krankheitsbild, erst recht in den fortgeschrittenen Stadien, noch zuverlässige diagnostische Methoden und keinerlei Kontrollmöglichkeiten über den Erfolg einer durchgeführten Therapie.

Bei soviel Unsicherheiten ist es sicher schwierig einen Goldstandard zu definieren.

Bedenkt man, dass es in etwa 15 - 20% der tatsächlichen Erregerübertragung zum Ausbleiben eines Erythema migrans kommt, so erscheint die abwartende Haltung nach Zeckenbiss und das Warten auf Krankheitszeichen einer Infektion geradezu fahrlässig. Viel zu groß ist die Gefahr, dass eine Infektion übersehen wird: Oft wird der Zeckenbiss vergessen oder der Ort, an dem der Zeckenbiss war. Damit wird dann auch die Bissstelle nicht regelmäßig kontrolliert. Bei bis zu 35% Durchseuchung mit Borrelien-AK in der Bevölkerung werden sich nur die wenigsten an den verursachenden Zeckenbiss erinnern.

Das Risiko, dass es zu Folgestadien der Borreliose kommt, nicht selten mit bleibender

Berufsunfähigkeit und erheblicher Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens ist demnach bei abwartender Haltung nicht zu unterschätzen.

Ich selbst bin ein Verfechter der Untersuchung der Borrelien-PCR in der -entfernten- nativen Zecke. Meine Überlegungen sind dabei folgende: Der PCR-Test ist hoch sensitiv und spezifisch. Ein positiver Borrelien-Nachweis in der Zecke erhöht damit erheblich die Wahrscheinlichkeit, dass es auch zu einer Borrelien-Übertragung auf den Patienten gekommen ist.

Mein Vorgehen ist demnach: Jede Zecke (bei gleichzeitig mehreren Zecken ein Zeckenpool) wird mittels PCR auf Borrelien untersucht. Ist der Befund negativ, wird abgewartet und kritisch beobachtet. Ist der Befund Borrelien-PCR-positiv, wird antibiotisch über 14 Tage behandelt und nach 6 Wochen serologisch nachkontrolliert.

Natürlich ist mit dem Nachweis von Borrelien in der Zecke noch lange keine

Erregerübertragung auf den Patienten bewiesen. Aber muss man zwingend diesen Beweis führen?

Die Konsequenz, aus dem Borrelien-Nachweis in der Zecke bereits eine Indikation für eine antibiotische Behandlung zu stellen ist nicht die Lehrmeinung. Aber welche Gründe sprechen tatsächlich gegen dieses Vorgehen, außer einer evtl. nicht notwendig gewesenen Antibiotikagabe, weil es eben nicht zu einer Erregerübertragung gekommen ist. Wir reden hier also auf der einen Seite über ein paar Euro (14 Tage Tetrazyklin) und übersehen dabei auf der anderen Seite den Gewinn für diejenigen Patienten, die sich tatsächlich infiziert haben und mangels eines Auftretens eines Erythema migrans unerkannt geblieben wären. Diese werden nun zu einem sehr frühen Zeitpunkt behandelt und damit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geheilt.

Bedenkt man, wie viele Antibiotika unsinnigerweise bei viralen Infekten und "Grippe" verordnet werden, so dürfte die Gabe eines Antibiotikums bei positivem Borrelien-Nachweis in der Zecke eine deutlich höhere Indikation besitzen.

Wie will man seine abwartende Haltung denjenigen Patienten gegenüber rechtfertigen, die mit einem Zeckenbiß in die Praxis gekommen sind, dann symptomlos die Stadien 1 und 2 der Borreliose durchlaufen haben und schließlich im Stadium 3 arbeitsunfähig im Rollstuhl vor einem sitzen?

Welche Argumente sprechen gegen das geschilderte Vorgehen?