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Bericht: Beschneidung männlicher Kinder - Diskussion bei Sandra Maischberger

Liebe Kollegen,

die Debatte zur Beschneidung von männlichen Kindern aus nicht-medizinischen Gründen wird seit langem hitzig geführt. Unsere westlich-schulmedizinische Fachwelt eint im Großen und Ganzen die Meinung, dass dieser als Körperverletzung gewertete Eingriff ohne medizinische Indikation keine Berechtigung hat – vor allem aufgrund der Unmöglichkeit des Kindes einzuwilligen oder sich dagegen zu entscheiden.

Für mich ist ehrlich gesagt langsam schon etwas die Luft raus aus der Thematik, wohl vor allem aufgrund der langen Zeitspanne und der unbefriedigenden Resultate der Gespräche. Nichtsdestotrotz habe ich am Dienstagabend noch einmal mit Spannung die Debatte bei Sandra Maischberger erwartet. Gäste waren:

·Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland

·Bilkay Öney, SPD (Integrationsministerin Baden-Württemberg)

·Christa Müller (kämpft gegen Genitalverstümmelung)

·Necla Kelek (Soziologin und Islamkritikerin)

·Dr. Sebastian Isik (Allgemeinmediziner)

·Dr. Wolfgang Bühmann (Urologe)

Auf Kompromisse, Klärungen oder überraschende Argumente wartete man vergebens, es zeigten sich wieder einmal die klassischen Positionen der religiösen Verankerung im Judentum und Islam sowie der ungerechtfertigte Eingriff aufgrund der Unmündigkeit des Kindes.

Mich besonders interessiert haben aber die Vertreter unserer Zunft: Dr. Bühmann, Urologe und Dr. Isik, Allgemeinmediziner – beide den Aussagen entsprechend praktisch mit Zirkumzisionen betraute Ärzte. Insgesamt waren beide Personen an der Diskussion eher wenig beteiligt. Dr. Isik betonte anfänglich die religiöse Verankerung des Rituals im Islam. Von Frau Maischberger wurde im Verlaufe der Diskussion das Argument zur Debatte gestellt, dass die WHO die Beschneidung zur Verhinderung sexuell übertragbarer Erkrankungen empfehle. Dr. Bühmann entkräftete diese Aussage begründetermaßen und wies darauf hin, dass dies nur für Teile Afrikas gelte, da dort die Prävalenz sexuell übertragbarer Erkrankungen viel höher sei als hier im westlichen Europa. In Deutschland würde die number needed to treat(NNT), also die Anzahl an Patienten, die man behandeln muss um eine Übertragung zu verhindern, bei 30.000 liegen, also absurd hoch.

Dr. Isik, Befürworter einer rechtlichen Legalisierung dieser religiösen Zirkumzisionen, konnte dies nicht entkräften, bestand aber auf dem Argument des Risikos der Übertragung und führte im Verlaufe der Diskussion immer wieder das Argument an, dass eine Beschneidung sauberer sei, und dass sich in Deutschland nur ein geringer Prozentsatz der männlichen Bevölkerung die Hände nach dem Urinieren wasche – ein so doch eher haltlos imponierendes Argument für eine Zirkumzision.

Mich würde interessieren, wie Ihre Meinungen zu den Argumenten der beiden Kollegen sind und ob es hier vielleicht noch medizinisch relevante Aspekte gibt, die sich mir nicht erschlossen haben und die es noch zu beachten gilt.