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Schlafmangel, Übermüdung und Überlastung in medizinischen Berufen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ein bekanntes Thema wurde nun erneut im US-amerikanischen Gesundheitswesen thematisiert und von verschiedenen Gesundheitsinstitutionen fokussiert: der Schlafmangel in medizinischen Berufen.

Anlass dafür gab eine Erhebung, die eine zunehmende Prävalenz an im Gesundheitssystem tätigen Personals mit Schlafmangel (definiert als Schlaf von <6h pro Nacht) zeigte [Luckhaupt SE, Tak S, Calvert GM. The prevalence of short sleep duration by industry and occupation in the National Health Interview Survey. Sleep. 2010;33:149-159.]. Es ist hinlänglich bekannt, dass der Schlaf eminent wichtig für die Gesundheit sowie für Konzentrations- und Leistungsvermögen seitens des Personals ist. Dies sagen einem neben dem sogenannten "gesunden Menschenverstand" die eigene Erfahrung und nicht zuletzt die Evidenz aus klinischen bzw. soziologischen Studien. Diese haben so z.B. zeigen können, dass bei einer Vielzahl an Verkehrsunfällen eine Übermüdung beteiligter Verkehrsteilnehmer vorhanden war: ebenso haben Vergleiche von Leistungs- und Konzentrationsvermögen bei medizinischem Personal unter Übermüdung starke Einbrüche der Fähigkeiten ergeben (welche in diesem Fall plakativ mit dem Leistungsvermögen unter Alkoholeinfluss verglichen wurden [1.Arnedt, JT, Owens J, Crouch M, Stahl J, Carskadon MA. Neurobehavioral performance of residents after heavy night call vs after alcohol ingestion. JAMA. 2005;294:1025-1033. 2. Dawson D, Reid K. Fatigue alcohol and performance impairment. Nature. 1997;388:235. 3. Williamson AM, Feyer AM. Moderate sleep deprivation produces impairments in cognitive and motor performance equivalent to legally prescribed levels of alcohol intoxication. Occup Environ Med. 2000;57:649-655.].

Abgesehen davon bestehen weiterhin Hinweise auf gesundheitliche Risiken bei im Schichtsystem tätigem Personal hinsichtlich Adipositas, Nikotin- und Alkoholabusus, KHK, metabolischem Syndrom, gastrointestinalen Störungen sowie Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit [1. Rohr SM, Von Essen SG, Farr LA. Overview of the medical consequences of shift work. Clin Occup Environ Med. 2003;3:351-361. 2.Puttonen S, Harma M, Hublin C. Shift work and cardiovascular disease -- pathways from circadian stress to morbidity.Scand J Work Environ Health. 2010;36:96-108. 3. Dembe AE, Erickson JB, Delbos RG, Banks SM. The impact of overtime and long work hours on occupational injuries and illnesses: new evidence from the United States. Occup Environ Med. 2005;62:588-597. 4. Frazier LM, Grainger DA. Shift work and adverse reproductive outcomes among men and women. Clin Occup Environ Med. 2003;3:279-292. 5. Mozurkewich EL, Luke B, Avni M, Wolf FM. Working conditions and adverse pregnancy outcome: a meta-analysis. Obstet Gynecol. 2000;95:623-635.].

Dass sich ein Schichtsystem im klinischen Alltag nicht umgehen lässt, ist selbsterklärend. Allerdings sind heutzutage in nicht wenigen Kliniken noch 24h-Schichten oder längere Dienste, vor allem am Wochenende, gang und gäbe. Dass Biorhythmus, Schlafzeiten und Schlafqualität unter der ständig wechselnden Rhythmik leiden, scheint auch einleuchtend. Ebenso die daraus resultierende Prävalenz von Schlafmangel und Übermüdung sowie deren Folgen.

Somit sollte man eigentlich ein hohes Interesse an dem Thema einerseits bei uns Ärzten selber, den Arbeitgebern (Kliniken, etc.) und auch seitens der Patienten bzw. deren Vertretergruppierungen erwarten. Die US-Regierung bzw. das National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) haben sich eine Agenda auf die Fahne geschrieben, die in den nächsten 10 Jahren landesweit den Anteil an Personal mit 7 oder mehr Stunden Schlaf pro Nacht erhöhen und die Rate an Verkehrsunfällen mit Schlafmangelbeteiligung reduzieren soll.

Die Joint Commission verschiedener Gesundheitsinstitutionen in den USA hat hierzu folgende Ansätze speziell für Kliniken und andere Arbeitgeber im Gesundheitswesen empfohlen:

· Evaluierung von Dienstplänen und Dienstabläufen und deren

Optimierung

· In Betracht ziehen von Schlafmangel und Übermüdung als

Auslöser für Komplikationen

· Einbeziehung des Personals in die Gestaltung der

Dienstpläne

· Implementierung eines Übermüdungs-Management-Plans

· Weiterbildung des Personals hinsichtlich Schlaf, Übermüdung

und deren Folgen

· Unterstützung von Personal mit Langzeit-Schichten

· Bestärkung von Oganisationen, kurze Schlafphasen, sog.

Power-Naps, in den Dienstalltag zu implementieren

Gefühlt sind wir in Deutschland noch eine gutes Stück entfernt von der Umsetzung eines solchen Plans. Aber auch in Deutschland gibt es bekanntlich bereits Kliniken und Arbeitgeber, die Maßnahmen in diese Richtung unternehmen und so z.B. auf 8-Stunden-Schicht-Systeme auch im ärztlichen Bereich umgestellt haben - mit dem Ziel hoch leistungsfähiges Personal im klinischen Dienst präsent zu haben, sowie langfristig gesundheitliche Risiken zu minimieren, den Biorhythmus weniger stark aus dem Takt zu bringen.

Allerdings plagen hiervon betroffenes ärztliches Personal oft ökonomische Sorgen: befürchtet wird, dass die Bereitschaftszuschläge aus Diensten verloren gingen und es somit zu finanziellen Einbußen käme. Ein so auch nicht von der Hand zu weisender Einwand. Allerdings bleibt da zu fragen, ob dieser Mehrverdienst gegen die gesundheitlichen Risiken, für Arzt und nicht zuletzt für unsere Patienten, aufwiegen kann.

Welchen Stellenwert nimmt diese Problematik für Sie ein? Gibt es in Ihrer Klinik Maßnahmen, die in diese Richtung zielen?