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META-ANALYSE: "Pille vermeidet Ovarialkarzinome"

Sehr geehrte Kollegen,

Die Einnahme oraler Kontrazeptiva senkt bis zu 30 Jahre nach dem Absetzen die Häufigkeit von Ovarialkarzinomen. Dies ergab eine Meta-Analyse im Lancet (2008; 371: 303-14), dessen Herausgeber die rezeptfreie Abgabe der „Pille“ fordern.

Die bisher größte zusammenfassende Analyse des verfügbaren Datenmaterials ist im Deutschen Ärzteblatt zu lesen. http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=31194

45 Studien aus 21 Ländern mit 23.257 Patientinnen mit Ovarialkarzinom und 87.303 Kontrollen flossen in die Berechnungen ein.

Wie beurteilen Sie als Experten diese Studie? Die hormonelle Kontrazeption wir nach wie vor kontrovers diskutiert. Sehen Sie eher ein Risiko oder mehr eine protektive Wirkung der „Pille“? Ihre Meinung bezüglich der Hormonsubstitution während der Menopause würde mich ebenfalls sehr interessieren.

Die Ergebnisse zeigen eine protektive Wirkung, die von der Dauer der Anwendung und vom Zeitintervall nach dem Ende der Anwendung abhängt. Nach den jetzt publizierten Daten sinkt das Ovarialkarzinomrisiko pro 5 Jahre Einnahme der „Pille“ um 29 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 23-34 Prozent), wenn die Pille vor weniger als zehn Jahren abgesetzt wurde. Die Reduktion beträgt 19 Prozent (14 bis 24 Prozent) pro fünf Jahre Anwendung, wenn die letzte Einnahme zehn bis 19 Jahren zurückliegt.

Bei Frauen, die die Pille zuletzt vor 20 bis 29 Jahren eingenommen hatten, war das Risiko pro fünf Jahre Pille um 15 Prozent (9 bis 21 Prozent) reduziert. Eine Ausnahme von der Regel bilden die muzinösen Karzinome. Alle anderen histologischen Arten von Ovarialkarzinomen können nach den Angaben in der Studie durch die Einnahe der „Pille“ verhindert werden. Die absolute protektive Wirkung ist allerdings denkbar gering. Von 1.000 Frauen erkranken 12 Frauen bis zum 75. Lebensjahr an einem Ovarialkarzinom. Unter den Anwenderinnen der Pille sind es 8 von 1.000 Frauen. Die Sterblichkeit am Ovarialkarzinom wird von 7/1.000 auf 5/1.000 gesenkt.

Die „Pille“ erhöht die Inzidenz von Brustkrebs und Zervixkarzinomen, senkt aber die Rate von Endometrium- und Ovarialkarzinomen.

Daher ist es etwas verwunderlich ist, dass die Studie nicht auf die anderen Krebsrisiken eingeht. Dabei hatte eine Arbeitsgruppe aus dem gleichen Haus, die Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer, vor elf Jahren ausgerechnet, dass die oralen Kontrazeptiva das Brustkrebsrisiko während der Einnahme und bis zehn Jahre danach erhöhen (Lancet 1996; 347: 1713-27). Ein ähnlicher Effekt wurde in einer im letzten Jahr publizierten Analyse der Oxford-Meta-Analysten für das Zervixkarzinom gefunden (Lancet 2007; 370: 1609-1621). Beide Studien werden weder erwähnt noch versucht, das Krebsrisiko in eine Perspektive zu bringen, wozu dann auch die Risikominderung beim Endometriumkarzinom gehören würde.

Mit freundlichen Grüßen