Auf geht‘s: Die HPV-Impfung für Jungen ist da

Der Schutz der Jungen vor Genitalwarzen und einigen Krebsarten, wie z. B. Anal- und Peniskarzinom, erfordert eine engagierte Aufklärungsarbeit seitens der Urologen bereits im Schulalter.

Der Schutz der Jungen vor Genitalwarzen und einigen Krebsarten, wie z. B. Anal- und Peniskarzinom, erfordert eine engagierte Aufklärungsarbeit seitens der Urologen bereits im Schulalter.

Mehr als 70 % der sexuell aktiven Menschen sind mit Humanen Papillomviren (HPV) infiziert. Eine Kausaltherapie gibt es nicht. Neben einigen harmloseren Varianten, welche Warzen hervorrufen, existieren aber auch eine Reihe kanzerogener HPV, die beispielsweise beim Mann für eine Vielzahl der Kopf- und Halstumoren, der Anal- oder der Peniskarzinome verantwortlich sind. Mit der HPV-Impfung gibt es nun auch für Jungen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren eine Impfmöglichkeit, welche bereits die Ansteckung mit bis zu neun verschiedenen Virusstämmen verhindert – das ist Prävention im 21. Jahrhundert.

HPV ist längst nicht nur ein Frauenproblem. Zwar wurde die Impfung seit ihrer Einführung 2007 vor allem für die Gesundheit der Mädchen und zur Verhinderung des Zervixkarzinoms propagiert, allerdings ist es rückblickend doch gesellschaftlicher Unsinn, nur ein Geschlecht gegen potenziell gefährliche Erreger zu immunisieren. Männer – oder vielmehr deren Penisse – sind die eigentlichen Transmitter der Viren.

Um daher auch die Männer von der HPV-Impfung für Mädchen profitieren zu lassen, bräuchte es aber eine sehr viel höhere Impfquote bei den Mädchen. In Deutschland liegt diese derzeit jedoch unter 40–45 %. Dies genügt keinesfalls für die erhoffte Herdenimmunität.

Männer erkranken an HPV und profitieren von der Impfung

Trotz dessen, dass HPV-Infektionen zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen zählen, sollten Ärzte Stigmatisierungen, Fremdgehvorwürfe und ähnliches vermeiden – das betrifft nicht nur sie selbst, sondern auch den Umgang mit dem dazugehörigen Partner/der Partnerin.

Darüber hinaus ist in den vergangenen Jahren ein neuer Trend zu beobachten: Die Anzahl gutsituierter, bürgerlicher Männer in mittlerem Alter mit HPV-Infektion nimmt zu. "Eine mögliche Erklärung dafür ist womöglich der gleichzeitig stattfindende Trend zur jüngeren Lebensabschnittsgefährtin, die vor allem die Sexualität neu befeuert", so Dr. med. Wolfgang Bühmann in seinem Vortrag auf dem diesjährigen DGU-Kongress.

In Deutschland hat es nun bis Herbst 2018 gedauert, bis die Gefährdung der Jungen und Männer durch HPV erkannt und entsprechend durch die STIKO-Empfehlung einer nonavalenten Impfung auch in die Reihe der Präventionsmaßnahmen für die Männergesundheit aufgenommen wurde. Andere Länder, wie beispielsweise die USA oder Australien sind uns da um einiges voraus.

In Australien zeigten erste Studien, dass das Impfen beider Geschlechter im Schulkindalter, nicht nur zu nahezu 100 % vor einer Ansteckung mit den in der Vakzine enthaltenen HPV-Typen schützt, sondern damit ebenso die Belastung mit Genitalwarzen im späteren Leben verringert wird – bisher sind Reduktionen um bis zu 75% bei Genitalwarzen belegt. Bei Mädchen treten zudem weniger Krebsvorstufen (CIN) für das Zervixkarzinom auf.

Was können Urologen nun tun?

Wer einen entsprechenden Befähigungsnachweis für das Impfen besitzt – beispielsweise auf dem DGU-Kongress finden alljährlich Qualifikationskurse statt –, der darf aktiv am HPV-Impfprogramm für Jungen teilnehmen.

Im Alter von 9 bis 14 Jahren, wie von der STIKO empfohlen, kann mithilfe einer Zweifachimpfung geimpft werden. Die Nachholimpfung für HPV ist bis zum 17. Lebensjahr STIKO-konform, dafür müssen jedoch oberhalb des 15. Lebensjahres drei Impfdosen angewendet werden.

Besonders wichtig für die Steigerung der Impfquoten ist darüber hinaus die engagierte Information von Kindern und Eltern über Schulaktionen, in der Praxis oder im Rahmen der von der DGU für November 2018 geplanten HPV-Themenwoche.

Quelle:
Akademie Expertenkurs "Erkennen und Handeln? – Jungensprechstunde", Jungenimpfung – wie, wann und wer? (W. Bühmann), DGU-Kongress, 27.09.2018, Dresden     

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