HIV-Therapie: Neuigkeiten von der CROI

PatientInnen mit HIV-Infektion erreichen dank der modernen ART mittlerweile eine der statistischen Normalbevölkerung gleichwertige Lebenserwartung. Dadurch verschiebt sich der Fokus bei PatientInnen und ÄrztInnen nun vom Überlebensziel mehr und mehr auf die Lebensqualität und die lebenslange Gesundheit.

Lebensqualität und Gewichtszunahme mit der ART im Fokus.

PatientInnen mit HIV-Infektion erreichen dank der modernen ART mittlerweile eine der statistischen Normalbevölkerung gleichwertige Lebenserwartung. Dadurch verschiebt sich der Fokus bei PatientInnen und ÄrztInnen nun vom Überlebensziel mehr und mehr auf die Lebensqualität und die lebenslange Gesundheit.

Selbstverständlich bestimmte die diesjährige CROI der zweite Fall eines Patienten mit möglicher Heilung seiner HIV-Infektion infolge einer Stammzelltransplantation. Dennoch darf dazu nicht vergessen werden: Wenn der Patient vielleicht sogar tatsächlich geheilt wurde – was sich erst in den weiteren Jahren noch bestätigen muss – so ist die Stammzelltransplantation keine Option zur generellen Therapie der HIV-Infektion. Die allogene Stammzelltransplantation sei, so die Experten, aufwändig, daher teuer, aber vor allem riskant.

Kein Neuralrohrdefekt

Darüber hinaus wurde auf dem diesjährigen Kongress eine aktuelle Arbeit vorgestellt, die sich mit der Frage der Neuralrohrschäden durch den Gebrauch von Dolutegravir während der Schwangerschaft beschäftigte. Aus mehreren analysierten Kohorten und Registerdaten geht nunmehr hervor, dass sich der Anfangsverdacht, INSTI könnten zu mehr Neuralrohrdefekten führen, nicht bestätigt hat.

Für eine generelle Entwarnung sei es aber dennoch zu früh, denn die analysierten Stichprobenumfänge reichten noch nicht aus, um statistische Evidenz zu produzieren. Im Laufe des Jahres sollen allerdings die Ergebnisse der afrikanischen Tsepamo-Studie folgen.

Gewichtszunahme unter ART

Ein besonderes Problem, auf welches HIV-PatientInnen ihre behandelnden ÄrztInnen sehr häufig aufmerksam machen, ist eine meist von den PatientInnen unerwünschte Gewichtszunahme unter der ART. Ganz allgemein lässt sich aus den gegenwärtig hierzu verfügbaren Daten ableiten, dass jede ART unabhängig von den eingesetzten Medikamenten wohl in mehr oder minder großem Umfang zur Gewichtszunahme beiträgt.

Allerdings ist der Zuwachs an Gewicht unter Integrasehemmern (INSTI) mit bis zu sechs Kilogramm innerhalb von fünf Therapiejahren der wohl deutlichste. Darüber hinaus zeigte z. B. die amerikanische NA-ACCORD-Studie, dass die Gewichtszunahme innerhalb des ersten Behandlungsjahres am größten war und insbesondere in Regimen mit Dolutegravir (+ 5 kg) auftrat.

Anders als bei der Zunahme unter Proteaseinhibitoren, ist die Fettverteilung bei den Integrasehemmern nicht gestört. Im Moment noch unverstanden bleibt indes, welche Rolle in der Gewichtsentwicklung TAF als Backbone-Therapie bei HIV spielt und, warum es unter der ART überhaupt zu einer Gesichtszunahme kommt.

Innovationen aus dem Labor

Natürlich entwickelt sich der Medikamentenmarkt für die HIV-Therapie auch kontinuierlich weiter. So werden derzeit vollkommen neue Substanzen und Substanzklassen getestet. Beispielsweise ist ein neu entwickelter lang wirksamer NRTTI (NRT Translokationsinhibitor)  in vitro ebenso gegen häufige Mutationen des HI-Virus wirksam, wie I84V, K65R und K70E.

Der erste Kapsid-Inhibitor GS-6207 muss zukünftig möglicherweise nur quartalsweise verabreicht werden, was den PatientInnen selbstverständlich nicht nur den Therapieerhalt garantiert, sondern für diese auch mehr Lebensqualität bedeutet.

Auch bei den Antikörpern in Prävention und Therapie gab es Neuigkeiten. Trotz erster erfolgreicher Tests im Tiermodell haben diese jedoch noch einen weiten Weg bis zur Anwendung vor sich und kämpfen zum Teil noch gegen Autoimmunität und Resistenzbildung.

Quelle: Panel 3 Round Table „Highlights von der CROI“, 8. Münchner AIDS-und Hepatitis-Werkstatt 2019, München