ALK+ NSCLC: Sicherheit und Dosismanagement im Langzeitverlauf
Die CROWN-Studie zeigt auch nach sieben Jahren eine anhaltende Krankheitskontrolle beim ALK+ NSCLC. Doch wie steht es um Sicherheit und Dosismanagement?
Nebenwirkungsprofil im Langzeitverlauf unverändert
Unter Lorlatinib können verschiedene, bereits bekannte Nebenwirkungen auftreten. Dazu zählen vor allem Hypercholesterinämie, Hypertriglyzeridämie, Ödeme, periphere Neuropathie, Gewichtszunahme und kognitive Veränderungen.
Im 7-Jahres-Update zeigte sich das Sicherheitsprofil insgesamt konsistent mit den bisherigen Analysen. Seit der 5-Jahresauswertung kam es zu keiner Zunahme der Häufigkeit von Grad-3/4-Nebenwirkungen. Die Rate lag weiterhin bei 77 %. Therapiebedingte unerwünschte Ereignisse unter Lorlatinib führten bei 5 % der Personen zum dauerhaften Therapieabbruch, wobei diese Abbrüche alle innerhalb der ersten 26 Monate auftraten.
Ein wesentlicher Anteil höhergradiger Nebenwirkungen war auf Veränderungen der Lipidwerte zurückzuführen. Wichtig in diesem Kontext: Trotz häufiger Hyperlipidämien unter Lorlatinib wurde keine Zunahme kardiovaskulärer unerwünschter Ereignisse im Vergleich zu Crizotinib beobachtet.
Die aktuelle Auswertung zeigte auch, dass die meisten ZNS-Nebenwirkungen Grad 1 oder 2 entsprachen. Auch mit längerer Nachbeobachtung blieb die Häufigkeit dieser Ereignisse konsistent.
Kein schlechteres Outcome nach Dosisreduktion
Bei relevanten Nebenwirkungen kann eine Dosisreduktion hilfreich sein. So erhielten in der CROWN-Studie insgesamt 34 % der Testpersonen im Lorlatinib-Arm im Verlauf der Behandlung eine reduzierte Dosis. Die reguläre Dosierung lag bei 100 mg täglich; reduziert wurde auf 75 mg oder 50 mg.
Praxisrelevant war dabei vor allem, ob eine reduzierte Dosis mit einer geringeren Wirksamkeit verbunden war. Dies schien nicht der Fall zu sein:
- In der Analyse zeigte sich bei Patienten mit früher Dosisreduktion innerhalb der ersten 26 Wochen kein relevanter Unterschied gegenüber Patienten ohne entsprechende Dosisanpassung.
- Dies galt sowohl für das progressionsfreie Überleben als auch für die Zeit bis zur intrakraniellen Progression. Besonders interessant: Bei keiner der 24 Personen mit reduzierter Dosis kam es zu einer ZNS-Progression.
Molekulare Diagnostik: Keine neuen ALK-Resistenzmutationen nachgewiesen
Ergänzend wurden im 7-Jahres-Update molekulare Analysen vorgestellt. Dabei untersuchten die Studienautoren zirkulierende Tumor-DNA, kurz ctDNA. Bei 23 Personen wurden am Ende der Lorlatinib-Behandlung entsprechende Blutproben analysiert. Dabei fanden sich bemerkenswerterweise keine neu aufgetretenen sekundären ALK-Resistenzmutationen. Stattdessen zeigten sich unterschiedliche molekulare Veränderungen, unter anderem im RAS-Signalweg, in Tumorsuppressorgenen oder in Form amplifizierter Onkogene.
Mehr molekulare Veränderungen bei früher Progression
Zusätzlich untersuchte das Studienteam, ob sich Personen mit früher Progression bereits zu Therapiebeginn molekular von Langzeitrespondern unterschieden.
Dabei zeigten sich mehrere Unterschiede:
- Behandelte mit früher Progression hatten häufiger Veränderungen im TP53-Gen. Diese wurden bei 50 % der Testpersonen mit früher Progression nachgewiesen, aber nur bei 17 % der Langzeitresponder.
- Zudem fanden sich bei ihnen insgesamt mehr veränderte Gene und mehr genetische Veränderungen der im Blut nachweisbaren Tumor-DNA.
Fazit
Das 7-Jahres-Update der CROWN-Studie zeigt nicht nur eine anhaltende Wirksamkeit von Lorlatinib, sondern auch ein über die längere Nachbeobachtung konsistentes Sicherheitsprofil. Neue Sicherheitssignale wurden nicht beobachtet. Dosisreduktionen, etwa zum Nebenwirkungsmanagement, gingen in der Analyse aber nicht mit einem erkennbaren Verlust der Wirksamkeit einher. Die explorativen ctDNA-Daten deuten darauf hin, dass frühe Progression eher mit einer komplexeren Tumorbiologie als mit neu auftretenden ALK-Resistenzmutationen verbunden sein könnte.
Insgesamt stützen die Daten die Einschätzung aus dem Vortrag, dass Lorlatinib bei einem relevanten Anteil der Patienten zu einer langfristigen Kontrolle des fortgeschrittenen ALK-positiven NSCLC beitragen kann. Damit rückt die Perspektive näher, die Erkrankung bei diesen Patienten über Jahre in einen chronischen Verlauf zu überführen. Den ersten Beitrag zu diesem Thema finden Sie hier.
- Mok, T.S.K., State Key Laboratory of Translational Oncology, Chinese University of Hong Kong: Lorlatinib vs crizotinib as first-line treatment for advanced ALK+ non-small cell lung cancer: 7-year update from the phase 3 CROWN study. ASCO Annual Meeting 2026, Abstract 8502. Session: Lung Cancer—Non-Small Cell Metastatic. 29.05.2026.