- ASCO Annual Meeting 2026. 29.05.-02.6.2026, Chicago, IL, McCormick Place. https://www.asco.org/annual-meeting. Sitzung: Highlights of the Day Session, Highlights of the Year I, Immunotherapy in Plasma Cell Disorders in 2026, 31.05.2026.
Ein Schwerpunkt ihres Vortrags war der Wirkstoff Elranatamab bei Hochrisiko-SMM. Die zugrunde liegende Idee für den Therapieansatz ist plausibel: In einer früheren Krankheitsphase ist das Immunsystem oft weniger stark dysfunktional als beim fortgeschrittenen Myelom. Dadurch könnte eine BCMA-bispezifische Therapie besonders wirksam sein und möglicherweise weniger infektiöse Komplikationen verursachen.
Die vorgestellte Phase-II-Studie umfasste 50 Patienten mit Hochrisiko-Kriterien. Elranatamab wurde monatlich gegeben. Der primäre Endpunkt war die komplette Remission nach sechs Zyklen. Nach einer Nachbeobachtungszeit von 14 Monaten zeigte sich eine Gesamtansprechrate von 92 Prozent. Die Rate kompletter Remissionen stieg im Verlauf der Behandlung von 30 Prozent nach sechs Monaten auf 72 Prozent nach 14 Monaten an. Bei den Patienten mit kompletter Remission betrug die MRD-Negativität 90 Prozent. 96 Prozent waren progressionsfrei.
Die erreichten Werte liegen hinsichtlich Wirksamkeit deutlich über denen bisheriger Therapien. Zum Vergleich stellte Lentzsch die Daten aus der AQUILA-Studie vor: Die progressionsfreie 5-Jahres-Überlebensrate stieg in der Daratumumab-Gruppe im Vergleich zur Beobachtungsgruppe von 41 auf 63 Prozent. Die Rate kompletter Remissionen blieb dort mit 8,8 Prozent vergleichsweise niedrig.
Die Evidenz reicht jedoch noch nicht aus, um BCMA-bispezifische Antikörper als Standard beim Multiplen Myelom einzusetzen. Für eine Änderung der Therapiestrategie braucht es randomisierte Daten und längere Follow-up-Zeiten. Bei Hochrisiko-Patienten könne im Einzelfall eine Therapie erwogen werden, aber eine generelle Empfehlung für BCMA-bispezifische Antikörper beim SMM sei derzeit (noch) nicht gerechtfertigt, so Lentzsch weiter.
In der zweiten Studie, DREAMM-9, untersuchten Forschende die Wirksamkeit von Belantamab-Mafodotin in Kombination mit Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason bei neu diagnostizierten, für eine Transplantation nicht geeigneten Patienten. Belantamab ist ein BCMA-gerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, dessen Einsatz vor allem durch okuläre Toxizität begrenzt wird. Ziel der Studie war daher neben der Wirksamkeit vor allem die Optimierung des Dosierungsschemas, um Nebenwirkungen besser zu kontrollieren.
Insgesamt wurden 115 Patienten mit unterschiedlichen Dosis- und Zeitintervallen behandelt. Das beste Verhältnis aus Wirksamkeit und Verträglichkeit zeigte sich bei 1,9 Milligramm pro Kilogramm alle acht Wochen in der Induktion und später alle zwölf Wochen in der Erhaltungstherapie. Mit diesem Schema wurde eine Gesamtansprechrate von 96 Prozent und eine Rate kompletter Remissionen von 88 Prozent erreicht. Gleichzeitig traten schwere okuläre Nebenwirkungen seltener auf als bei höheren Dosierungen und engeren Zeitintervallen.
Wichtig: Zu Beginn ist eine höhere Therapieintensität sinnvoll, um tiefe Remissionen zu erreichen. Später kann das Intervall verlängert werden, um die Belastung für die Patienten zu reduzieren und insbesondere die okuläre Toxizität zu minimieren. Für ältere, gebrechliche oder infektionsgefährdete Patienten könnte dies eine interessante Option sein, mutmaßte Lentzsch.
Zugleich betonte sie, dass Belantamab-BVRd derzeit noch nicht als Standard in der Erstlinie empfohlen werden könne. Die Daten müssten zuerst in Phase-III-Studien bestätigt werden. Als Folgeprojekte wurden unter anderem DREAMM-10 und PrE-1005 genannt.
In der MajesTEC-9-Studie wurde Teclistamab als Monotherapie gegen die Standardtherapie getestet. Teclistamab ist ebenfalls ein BCMA-CD3-bispezifischer Antikörper. In früheren Kombinationen hatte Teclistamab bereits gute Ergebnisse gezeigt. Nun wurde geprüft, ob auch die Monotherapie im frühen Rezidiv einen Vorteil bringt.
Das Ergebnis: Die Gesamtansprechrate stieg von 54,2 Prozent im Standardarm auf 84,5 Prozent unter Teclistamab. Die Rate kompletter Remissionen erhöhte sich von 16,8 auf 65,9 Prozent, die MRD-Negativität lag bei 86 Prozent. Auch beim progressionsfreien Überleben zeigte sich ein deutlicher Vorteil: Nach 18 Monaten lag das in der Standardgruppe bei 26,9 Prozent, unter Teclistamab bei 69,8 Prozent. Zusätzlich deutete sich ein Überlebensvorteil an, mit einer Verbesserung von 68,6 Prozent auf 79,2 Prozent nach 18 Monaten. Die Hazard Ratio für das progressionsfreie Überleben betrug 0,29. Zudem zeigte sich in einer bereits mit CD38-Antikörpern und IMiDs vorbehandelten Population ein Vorteil durch die Monotherapie mit Teclistamab.
Das Medikament könne sich als Standard im frühen Rezidiv etablieren, so Lentzsch. Vor allem für ältere und gebrechliche Patienten sei es ein Vorteil, dass die Therapie nach den Step-up-Dosen steroidfrei werde. Hinzu komme die monatliche Gabe, die die Belastung reduziert. Offen bleibt, ob Teclistamab als Monotherapie oder in Kombination mit Daratumumab bevorzugt werden sollte. Bei fitten Patienten ohne vorherige Daratumumab-Therapie könnte die Kombination sinnvoll sein, bei Daratumumab-refraktären oder sehr fragilen Patienten eher die Monotherapie.
In der SUCCESSOR-2-Studie wurde die Kombination aus Mezigdomid, Carfilzomib und Dexamethason untersucht – versus Carfilzomib und Dexamethason. Hintergrund ist die zunehmende Therapieresistenz vieler Patienten gegenüber CD38-Antikörpern, Lenalidomid und auch BCMA-basierten Behandlungen. Dadurch verschlechtern sich die Prognosen deutlich.
CELMoDs wie Mezigdomid sollen hier neue Perspektiven eröffnen, weil sie eine verbesserte Bindung an Cereblon zeigen und auch dann noch aktiv sein können, wenn Lenalidomid und Pomalidomid versagt haben. In der Studie wurden 371 Patienten mit mindestens einer Vortherapie eingeschlossen, alle wurden bereits mit CD38-Antikörpern und Lenalidomid behandelt. Die Gesamtansprechrate stieg von 53,4 auf 80,2 Prozent, wenn Mezigdomid zur Kombination aus Carfilzomib/Dexamethason (Kd) hinzugefügt wurde. Zudem verbesserte sich das progressionsfreie Überleben von 8,3 auf 18 Monate. Das entspricht einer Risikoreduktion für Progression oder Tod um 52 Prozent.
Der Nutzen zeigte sich nicht nur in Standardrisikogruppen, sondern auch bei Hochrisiko-Zytogenetik und beim extramedullären Myelom. Ein wesentlicher Vorteil von Mezigdomid ist die orale Verfügbarkeit. Dies bedeutet eine zusätzliche Option für Patienten, die schon viele Therapien erhalten haben und bei denen klassische Ansätze an Wirksamkeit verlieren. Besonders relevant könnte Mezigdomid für die wachsende Gruppe BCMA-vorbehandelter Patienten werden.
Auch das Multiple Myelom wird zunehmend mit zielgerichteten Immuntherapien und neuen Wirkstoffklassen behandelt. Elranatamab könnte die Therapie früher Krankheitsphasen verändern, ist jedoch noch nicht reif für die Standardtherapie. Belantamab erhält durch ein optimiertes Dosierungsschema neue Perspektiven für nicht transplantierbare Patienten. Teclistamab könnte sich beim frühen Rezidiv als neue Standardoption etablieren. Mezigdomid erweitert das Arsenal bei refraktären Verläufen und bringt eine oral verfügbare, praxisnahe Ergänzung.