HIV-Infizierte: Höhere Lebenserwartung, aber mehr Begleiterkrankungen

Durch die moderne antiretrovirale Therapie hat sich die Lebenserwartung von Personen mit einer HIV-Infektion deutlich verbessert, sie liegt nur noch 3,3 Jahre unter der von nichtinfizierten Personen. Allerdings leiden viele Betroffene unter Komorbiditäten.

Dramatische Verbesserung der Überlebenserwartungen durch antiretrovirale Therapie

Durch die moderne antiretrovirale Therapie hat sich die Lebenserwartung von Personen mit einer HIV-Infektion deutlich verbessert, sie liegt nur noch 3,3 Jahre unter der von nichtinfizierten Personen. Allerdings leiden viele Betroffene unter Komorbiditäten, so das Ergebnis einer Kohortenstudie, die Julia Marcus, Harvard Medical School, Boston (USA), bei der virtuellen CROI im März 2020 vorstellte.

Die antiretrovirale Therapie hat die Lebenserwartung von HIV-infizierten Menschen dramatisch verbessert. Die Lücke zwischen Kranken und Gesunden in den Jahren 2008 bis 2011 betrug 13 Jahre und 9 Jahre für HIV-Infizierte, die eine antiretrovirale Therapie bei CD4-Zellzahlen ≥ 500 begannen.

Weil aktuelle Daten zu Lebenserwartung und Komorbiditäten fehlten, analysierten Marcus und ihr Team in einer Kohortenstudie die Lebenserwartung und die Lebensjahre ohne Komorbiditäten bei Personen mit und ohne HIV in den USA. Die Daten stammten aus der Kaiser-Permanente-Datenbank. Berücksichtigt wurden drei Regionen, nämlich Nord-Kalifornien mit 4,4 Mio., Südkalifornien mit 4,6 Mio. und die Mittelatlantik-Staaten mit 750.000 Personen.

In der Kohortenstudie wurden die Daten von Erwachsenen ab einem Alter von 21 Jahren mit und ohne HIV-Infektion aus den Jahren 2000 bis 2016 eingeschlossen. HIV-Infizierte wurden 1:10 mit nicht infizierten Personen nach Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft, medizinischem Zentrum und Jahr gematcht. Klinische Daten stammten aus elektronischen Krankenberichten und internen Registern. Zusätzliche Mortalitätsdaten wurden Sterbeurkunden und Rentenversicherungs-Daten entnommen. Folgende Komorbiditäten wurden genauer betrachtet: Chronische Leber-, Nieren- und Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen.

Längere Lebenserwartung, vor allem bei antiretroviraler Therapie

Die Kohorte bestand aus 39.000 HIV-Infizierten und 387.767 gematchten Kontrollpersonen im mittleren Alter von 41 Jahren. 88% waren Männern, 45% waren weiß, 25% schwarz. 70% der HIV-Infizierten waren Männern, die Sex mit Männern hatten, 20% waren Heterosexuelle. 18% hatten zuvor eine antiretrovirale Therapie erhalten, 64% initiierten eine antiretrovirale Therapie während des Follow-Up. 29% der Testpersonen hatten bei Beginn der antiretroviralen Therapie eine CD4-Zellzahl über 500.

Die zusätzliche Lebenserwartung für eine 21 jährige Person nahm bei den Kontrollpersonen von der Zeitperiode 2000 bis 2003 mit 60 Jahren auf 65 Jahre im Zeitraum 2014 bis 2016 zu. Bei den HIV-Infizierten stieg die Lebenserwartung in diesen Zeiträumen von 38 auf 56 Jahre, ein HIV-Infizierter mit 21 Jahren kann also nach diesen Daten 77 Jahre alt werden. Die Lücke zwischen beiden Gruppen verkleinerte sich damit von 22 auf 9 Jahre. Bei HIV-Infizierten, die früh eine antiretrovirale Therapie beginnen verringerte sich die Lücke in der Lebenserwartung auf 3,4 Jahre.

Stärker auf Komorbiditäten achten

Die zusätzlichen Lebensjahre ohne Begleiterkrankungen nahmen in der Kontrollgruppe von 27 auf 31 Jahre zu, ein 21-Jähriger lebt also nach diesen Berechnungen bis zum Alter von 52 Jahren ohne Komorbiditäten. Bei HIV-Infizierten im Alter von 21 Jahren nahmen die zusätzlichen Jahre ohne Komorbiditäten von 11 auf 15 zu. Eine antiretrovirale Therapie war ohne Einfluss.

Bei Leber-, Nieren- und Lungenerkrankungen zeigte sich eine große Lücke in den krankheitsfreien Jahren zwischen HIV-negativen und HIV-positiven PatientInnen, die sich auch über die Zeit nicht verkleinerte. Im Gegensatz dazu näherten sich die Kurven der Komorbiditäts-freien Jahre bei Diabetes, Krebs und kardiovaskulären Erkrankungen im Verlauf der untersuchten Zeitspannen an.

Für HIV-Infizierte, die eine antiretrovirale Therapie bei einer CD4-Zellzahl über 500 begannen, verbesserte sich die Komorbiditäts-freie Lebenserwartung für Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen, nicht jedoch für Leber-, Nieren- und Lungenerkrankungen.

Die Ergebnisse zeigen also, dass die Lebenserwartung bei HIV-Infizierten weiter gestiegen ist, vor allem bei antiretroviraler Therapie. Allerdings erleben die HIV-Infizierten deutlich weniger Jahre ohne Komorbiditäten, hierauf hat auch die antiretrovirale Therapie keinen Einfluss.

Die Schlussfolgerung von Marcus lautete daher: "Der Prävention von Komorbiditäten muss bei HIV-Infizierten mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden."

Quelle:
Marcus J, et al. Increased overall life expectancy but not comorbidity-free years for people with HIV. Virtual CROI 2020, Abstract 151. https://www.croiconference.org/sessions/increased-overall-life-expectancy-not-comorbidity-free-years-people-hiv

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