- Stirban, Ovidiu, Alin, PD. Dr. med., Praxisempfehlung der DDG: Diabetische Retinopathie 60. Diabetes Kongress, 14. Mai 2026 CityCube Berlin.
Das wichtigste auf einen Blick
- Die Neuropathie ist keine Spätkomplikation des Diabetes.
- Regelmäßiges Screening und ggf. weiterführende Diagnostik ist unabdingbar.
- Die Diagnostik der autonomen diabetischen Neuropathie (ADN) kann mittels einer organspezifischen Anamnese erfolgen.
- Ein Screening auf eine ADN ist mittels eines speziellen Fragebogens („Survey of Autnomic Symptoms“) möglich.
- ADN und DSPN sind Ausschlussdiagnosen.
- Die Koinzidenz zwischen einer distal-symmetrischen sensomotorischen Polyneuropathie (DSPN) und einer kardialen autonomen diabetischen Retinopathie (KADN) liegt bei 50 %.
- Die medikamentöse Therapie ist überwiegend symptomatisch.
Verschiedene autonom innervierte Organe können von einer ADN betroffen sein. Dementsprechend richtet sich die Einteilung der ADN nach dem jeweils betroffenen Organ bzw. Funktionssystem. Diabetes-Patienten mit ADN weisen im Vergleich zu Diabetes-Patienten ohne ADN ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko auf. PD Dr. med. Ovidiu Alin Stirban betonte, dass zwischen einer DSPN und einer KADN eine Koinzidenz von 50 % besteht.1
Die Diagnostik der ADN kann mittels organspezifischer Anamnese erfolgen. Bei V.a. eine KADN sollte nach Ruhetachykardie und orthostatischer Hypotonie gefragt werden. Die ADN kann auch die Schweißdrüsen betreffen und hier zu einer Unter- oder Überfunktion führen. Eine ADN des Urogenitaltraktes kann sich durch Potenz- und Blasenfunktionsstörungen zeigen. Verdauungsstörungen wie Obstipation, Gastroparese, dyspeptische Symptome, Diarrhoe und Stuhlinkontinenz können bei einer ADN des Gastrointestinaltraktes vorkommen. Vor der Einleitung einer Therapie mittels GLP-1-Analoga ist es wichtig, eine ADN des Gastrointestinaltraktes auszuschließen.1
Ein Screening auf eine ADN ist mittels eines speziellen Fragebogens „Survey of Autnomic Symptoms“ (SAS) möglich. Dieser umfasst Symptome wie eine Blutleere im Kopf, einen trockenen Mund, trockene Augen, blasse bis bläuliche Füße, eine verringerte Schweißsekretion an den Füßen, eine erhöhte Schweißsekretion an den Händen, Übelkeit/Emesis/Blähungen nach einer Mahlzeit, Durchfall (> 3 Mal pro Tag), ständige Obstipation (< 1 Stuhlgang in 2 Tagen), Harnverlust sowie Potenzstörungen bei Männern.1
Zur Diagnostik der KADN sollte die Herzfrequenzvariabilität in Ruhe, bei regelmäßiger Atmung, nach dem Aufstehen sowie bei einem Valsalva-Manöver bestimmt werden. Ein pathologischer Orthostasetest bei KADN zeigt sich durch einen Blutdruckabfall von systolisch > 20 mmHg und/oder diastolisch > 10 mmHg ohne entsprechende Erhöhung der Herzfrequenz. Die Diagnostik einer Gastroparese bei V.a. eine ADN des Gastrointestinaltraktes gestaltet sich etwas schwieriger. Hierfür sollte zunächst eine Gastroskopie durchgeführt werden, um maligne oder entzündliche Erkrankungen auszuschließen. Die Durchführung einer Magen-Entleerungsszintigraphie (13C-Octansäure) ist abhängig von den Gegebenheiten. Eine erektile Dysfunktion (ED) kann mit einer KHK assoziiert sein - daher ist ein Screening der Patienten auf eine ED äußerst wichtig. Bei Typ-2-Diabetikern mit ED kann sich das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis verdoppeln. Auch Frauen können von einer sexuellen Funktionsstörung betroffen sein.1