Fortschritt in der Medizin misst sich nicht allein an Studiendaten und Zulassungen – er misst sich daran, was tatsächlich beim Patienten ankommt. Diesem Gedanken trägt der DDG-Kongress 2026 in Berlin mit dem zweiten Teil seines Mottos, der „Realität der Menschen", konsequent Rechnung. Denn so wegweisend die technologischen und pharmakologischen Entwicklungen auch sind, die wir im ersten Teil unseres Vorberichts beleuchtet haben – ohne eine Versorgungsstruktur, die soziale, psychologische und ökologische Realitäten ernst nimmt, bleibt der therapeutische Fortschritt für viele Patienten unerreichbar. Dieser zweite Teil des Kongressprogramms stellt deshalb bewusst andere Sitzungen in den Vordergrund: Was wissen wir über den Einfluss von Umwelt und Lebenswelt auf den Stoffwechsel? Wie gelingt es uns, Barrieren in der Kommunikation zu überwinden? Und wie begleiten wir Menschen mit Diabetes auch in den Lebensbereichen jenseits der Sprechstunde?
Wer dauerhaft gute Outcomes erzielen will, kommt an den „weichen" Faktoren nicht vorbei – und genau diese stehen in den folgenden Sitzungen im Mittelpunkt.
Gefährliche Mythen aus den sozialen Medien (Mittwoch, 13. Mai, 13:15 – 14:45 Uhr, Raum A3)
Influencer und unregulierte Gesundheitsinformationen prägen die Erwartungshaltung vieler Patienten nachhaltig. U. Schatz und M. Huttasch unterziehen gängige Ernährungstrends einem Faktencheck und geben konkrete Tipps für das Gespräch mit gut „google-informierten" Patienten. Eine Sitzung, die das ärztliche Kommunikationsrepertoire um ein längst überfälliges Instrument erweitert.
WS31 – Immun gegen Veränderung? (Samstag, 16. Mai, 10:45 – 12:15 Uhr, Raum R13)
Veränderung ist schwer – für Patienten wie auch für Behandler. Dieser Workshop geht der Frage nach, ob es ein „psychisches Immunsystem" gibt, das uns vor Verhaltensänderungen schützt, und wie wir dieses im Sinne der Therapieadhärenz konstruktiv adressieren können. Wer verstehen möchte, warum gute Beratung allein oft nicht ausreicht, findet hier fundierte Antworten.
Diabetes entsteht nicht im Vakuum. Die Erkenntnis, dass ökologische Einflüsse direkt auf den Stoffwechsel wirken, hält 2026 spürbar Einzug in das Fachprogramm – und das zu Recht.
Das Exposom und Diabetes (Freitag, 15. Mai, 10:30 – 12:00 Uhr, Raum A4)
Dieses wissenschaftliche Symposium unter der Leitung von A. Peters verknüpft epidemiologische Daten mit Mechanismenforschung. Es geht um das Zusammenspiel von Luftverschmutzung, Stress und circadianer Rhythmik als kumulative Risikofaktoren für die Diabetesprogression. Ein Blick, der das Verständnis von Krankheitsentstehung und -verlauf nachhaltig erweitern dürfte.
WS30 – Nachsorge nach Gestationsdiabetes (Samstag, 16. Mai, 10:45 – 12:15 Uhr, Raum R3)
Unter dem Vorsitz von H. Adamczewski widmet sich dieser Workshop der häufig vernachlässigten Phase nach der Entbindung. Im Zentrum steht die Frage, wie der Übergang von der engmaschigen GDM-Betreuung in eine langfristige Präventionsstrategie im ambulanten Sektor gelingen kann. Ein Workshop, der Versorgungslücken sichtbar macht – und konkrete Wege aufzeigt, sie zu schließen.
Wie lässt sich die Versorgungsqualität in einer immer komplexer werdenden Welt aufrechterhalten – und wo geraten bewährte Strukturen an ihre Grenzen? Diese Sessions zeigen praxisnah, wo Handlungsbedarf besteht.
Entwicklungen in der ambulanten Diabetologie (Donnerstag, 14. Mai, 14:00 – 15:30 Uhr, Raum M8)
M. Kaltheuner stellt neue Ansätze zur Überwindung von Sprachbarrieren vor, während D. Reichert über die Erfolge systematischer Nachsorgemodelle berichtet. Ein Pflichttermin für alle niedergelassenen Kollegen, die ihre Praxisstrukturen zukunftssicher aufstellen möchten.
Menschen mit Diabetes in Arbeit, Beruf und Ausbildung (Freitag, 15. Mai, 10:30 – 12:00 Uhr, Raum A1)
Trotz moderner Technologie hinken arbeitsmedizinische Vorschriften oft hinterher. W. Wagener und O. Ebert diskutieren, was für Betroffene heute beruflich möglich ist und wo juristische Fallstricke lauern. Eine Session, die in Erinnerung ruft: Gute diabetologische Versorgung begleitet Menschen in alle Lebensbereiche – weit über die Sprechstunde hinaus.
Neben dem fachlichen Input lebt der DDG-Kongress vom kollegialen Austausch. Ob in den Pausen im CityCube oder bei den abendlichen Get-together-Events – Gespräche jenseits des eigenen Praxis- oder Klinikalltags eröffnen Perspektiven, die kein Fortbildungsformat ersetzen kann. Alle Infos zur Registrierung und zum Programm finden Sie auf der Website. Wir laden Sie herzlich ein, das vollständige Programm zu erkunden – und freuen uns auf vier inspirierende Tage Diabetologie in der Hauptstadt.