- Dermatologie kompakt + praxisnah (KoPra), 26. – 28. Februar 2026, Congress Center Leipzig. Sitzung: Dermatologie im Dialog – better together. 27. Februar 2026. https://www.derma-tagungen.de/
Zunächst beschrieb Prof. Welzel die Vor- und Nachteile der Histologie. Dabei hob er folgende Aspekte als wesentliche Vorteile hervor:
Als wesentliche Nachteile der Histologie führte Prof. Welzel folgende Punkte an:
Als nicht-invasive hochauflösende Diagnostik hat sich in den vergangenen Jahren die Line-field-konfokale optische Kohärenztomographie (LC-OCT) etabliert. Das Bildgebungsverfahren erzeugt vertikale und horizontale Schnittdarstellungen der Haut mit nahezu mikroskopischer Auflösung und erlaubt damit in-vivo einen diagnostischen Einblick, der bislang meist einer Biopsie vorbehalten war. So ermöglicht LC-OCT eine Sofortdiagnose mittels digitaler 3D-Biopsie in Echtzeit ohne eine invasive Gewebeentnahme.
Am Universitätsklinikum Augsburg ist die LC-OCT seit 2020 im klinischen Einsatz und findet sowohl in der Diagnostik als auch in wissenschaftlichen Studien Anwendung, berichtete Welzel. Eine jüngst veröffentlichte multizentrische Studie (doi: 10.1111/jdv.70099) zeigte, dass LC-OCT die diagnostische Genauigkeit gegenüber der rein klinisch-dermatoskopischen Beurteilung deutlich verbessert: Die Sensitivität stieg um 25,8%, die Spezifität um 16,8%. Die LC-OCT ermöglicht damit eine Sofortdiagnose ohne Wartezeit auf Laborergebnisse.
Die integrierte KI verkürzt die Lernkurve signifikant und hat damit das Potenzial, die nichtinvasive Bildgebung einfacher zu etablieren. Präoperative Schnittrandkontrollen per LC-OCT können Nachschnitte vermeiden und lassen sich einfach in den klinischen Alltag einbinden. Die präoperative Schnittrandkontrolle erreicht Genauigkeiten von über 95%, kann Re-Exzisionen reduzieren und Exzisionsgrenzen präziser planen. Welzel nannte als Beispiel ein Hautkrebsscreening mittels LC-OCT: Eine Läsion an der Rückseite des Oberschenkels stellt sich als kleines noduläres BCC heraus, Dicke und Begrenzung werden bestimmt, dann wird vereist und die Läsion direkt entfernt.
Die Eindringtiefe des BCC lag allerdings nur bei 0,3 mm, gab Dirschka zu bedenken. Er wies daraufhin, dass die LC-OCT relevante Limitationen in der Klinik aufweist. Dirschka beschrieb die Eingrenzung einer Läsion unter digitaler Auflichtmikroskopie mit LC-OCT. Mittels Kreisen wird die Läsion präzise immer weiter eingegrenzt, dann wird operiert. „Im histologischen Schnittpräparat sieht man dann aber: Oben, an der Oberfläche sieht alles gut aus, aber weiter unten zeigt sich ein kleinknotiges invasives BCC, das vom OCT gar nicht erfasst wurde“, berichtete Dirschka. Die OCT-Eindringtiefe liegt bei 400 bis 500 μm, das ist ungefähr ein halber Millimeter auf dieser Ebene. „Solche kritischen Formen des BCC würde man mittels LC-OCT verpassen“, betonte Dirschka. Er vergleicht das mit dem Blick auf eine Wasseroberfläche, aus dem man nur bedingt ableiten könne, was sich darunter befinde.
Bei der Bildakquisition ist Erfahrung erforderlich, erinnerte Dirschka, die KI helfe zwar enorm, aber das Handling müsse erlernt werden, denn das LC-OCT Handstück ist schwer und groß und konvexe, kleine Zonen, sind nur schwer zu adressieren. Auch muss die Interpretation ohne histologische Färbungen erfolgen und die BCC Randbeurteilung ist oft zeitaufwendig. Und schließlich wird die Untersuchung auch durch den Patienten beeinflusst. Eine gute Mitarbeit des Patienten ist sehr wichtig, denn durch Bewegungen können Artefakte entstehen. Dirschka wies auch auf diagnostische Grenzen wie die Signalabschwächung durch Hyperkeratosen, eine eingeschränkte Sicht bei Ulzeration, eine reduzierte Bildqualität durch Blut und Krusten und ggf. entzündliche Überlagerungen hin.
Damit ist die LC-OCT – da sind sich Welzel und Dirschka einig – noch kein Ersatz für die Histopathologie. Aber sie bietet schnelle, nicht-invasive Antworten. Bislang ist nur die BCC-Diagnostik CE-zertifiziert. Die Vor- und Nachteile der LC-OCT wurden wie folgt zusammengefasst:
Vorteile:
Nachteile: