- Dermatologie kompakt + praxisnah (KoPra), 26. – 28. Februar 2026, Congress Center Leipzig. Sitzung: Dermatologische Leitlinien-Essentials, 26.2 2026.
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40614840/
Das Basalzellkarzinom ist der häufigste Hauttumor in Mitteleuropa. In Deutschland beträgt die Inzidenz etwa 170 Fälle pro 100.000 Einwohner, mit einer jährlichen Zunahme von rund 5 Prozent. Diese Entwicklung ist auf verändertes Freizeitverhalten und eine höhere UV-Belastung zurückzuführen. Die Erkrankungsrate steigt mit dem Alter; ab dem sechsten Lebensjahrzehnt sind vor allem Männer betroffen. Bei der Tagung „Dermatologie kompakt + praxisnah“ (KoPra) im Congress Center Leipzig stellte Prof. Dr. Stephan Grabbe, Direktor der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, die wichtigsten Leitlinien vor.
Das Basalzellkarzinom wurde bisher als „Non-Melanoma Skin Cancer“ bezeichnet und zählt nun zur Kategorie „Keratinocyte Cancer“. Zu diesen von Keratinozyten abstammenden Neoplasien gehören neben dem BCC auch Aktinische Keratosen und das Plattenepithelkarzinom. Prof. Grabbe erwartet, dass sich der neue Begriff in den kommenden Jahren etablieren wird. Die Inzidenz von Keratinozyten-Karzinomen steigt deutlich und liegt bereits über den bisherigen Prognosen.
Prof. Grabbe betonte, dass BCC nicht ausschließlich im Gesicht auftreten. Zwar sind 50 bis 60 Prozent der Fälle dort lokalisiert, jedoch manifestieren sich 40 Prozent an anderen Körperstellen. Die S2k-Leitlinie BCC empfiehlt daher grundsätzlich eine vollständige Hautinspektion. „Berücksichtigen sollte man auch, dass einer von 15 Patienten ein zweites Basalzellkarzinom aufweist“, sagte Grabbe.
In den Guidelines der European Association of Dermato-Oncology (EADO) wurde eine neue Klassifikation der fortgeschrittenen BCC eingeführt. Sie werden unterschieden in:
Die S2k-Leitlinie liefert auch eine Einteilung des Rezidivrisikos bei BCC anhand prognostischer Faktoren. Zu den Kriterien gehören der Tumordurchmesser in den verschiedenen anatomischen Regionen, die Begrenzung, ob es sich bereits um ein Rezidiv handelt, und der histologische Subtyp. Die histologische Sicherung durch PE ist empfehlenswert; bei multiplen BCC kann jedoch auf die histologische Diagnosesicherung verzichtet werden. Im Histobefund sollten Angaben zur Tumordicke, zum Schnittrand und zum histologischen Subtyp enthalten sein.
Goldstandard bleibt die chirurgische Exzision. Beim Hochrisiko-BCC ist eine schnittrandkontrollierte Exzision erforderlich. Beim Niedrig-Risiko-BCC kann man hingegen neben der chirurgischen Exzision auch topische Therapien anwenden. „Wird exzidiert und es handelt sich um ein niedrigrisikobehaftetes BCC, darf bei einem R1-Befund (klinisch R0, histologisch R1) abgewartet oder topische Verfahren angewandt werden“, erklärte Grabbe. Bei den niedrigrisikobehafteten BCCs sind Laser, Kryo, 5-FU, PDT und Imiquimod als gleichwertig effektiv einzustufen.
Die Chirurgie bleibt Standardtherapie. Wird jedoch eine nicht-chirurgische Behandlung gewählt, erzielen sowohl ALA-PDT als auch MAL-PDT eine ähnliche Wirksamkeit und eine rezidivfreie Überlebensrate, wie die Ergebnisse einer Studie aus 2025 mit einem 10-Jahres-Follow-up zeigen.2
Bei Tirbanibulin hingegen bleiben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Deshalb ist es auch nicht für die Indikation BCC zugelassen. Topisches Remetinostat-Gel wurde als experimentelle Substanz bei BCC untersucht. Die Wirksamkeit ist bislang eher wenig überzeugend. Topische Hedgehog-Inhibitoren sind für die Therapie des fortgeschrittenen, nicht operablen BCC eine gute Option und sehr wirksam. Sie sind allerdings mit deutlichen Nebenwirkungen verbunden. Eine weitere Option ist die Strahlentherapie, die eine gute lokale Kontrolle ermöglicht, vergleichbar mit der mikrochirurgischen Chirurgie.
Die Strahlentherapie kann erwogen werden bei:
„Allerdings ist der Aufwand für die Patienten deutlich höher. Sie müssen sich der Therapie regelmäßig 5 bis 6 Wochen lang unterziehen“, so Grabbe. Der Therapieaufwand wird von den Patienten stets unterschätzt. Für die Therapie der fortgeschrittenen BCC kommt auch eine Systemtherapie mit Hedgehog-Inhibitoren (Sonidegib, Vismodegib) sowie mit Checkpoint-Inhibitoren (Anti-PD-1-AK, z. B. Cemiplimab) infrage.
Ein fortgeschrittenes, nicht operables BCC kann mit Elektrochemotherapie (ECT) behandelt werden. Dazu gibt es mittlerweile viel Literatur, auch längerfristige Daten, die recht gute Behandlungsergebnisse zeigten. „Die Ergebnisse können mit der operativen Therapie ganz gut mithalten“, so Grabbe. Insofern stellt die ECT durchaus eine Option bei fortgeschrittenem BCC dar.
In einer prospektiven randomisierten Studie aus dem Jahr 2020 wurde die ECT mit dem Goldstandard der Chirurgie verglichen, mit einem Follow-up von 5 Jahren. Alle mit ECT behandelten Läsionen (n = 69) sprachen auf die Behandlung an, obwohl 8/69 (12 %) eine zweite Behandlung benötigten, um ein vollständiges Ansprechen zu gewährleisten.
Nach 5 Jahren gab es in der chirurgischen Gruppe bei 39/40 (97,5%) Läsionen keine Anzeichen eines Rezidivs, während bei 1/40 (2,5%) ein Rezidiv bestätigt wurde. In der ECT-Gruppe traten bei 42/48 Läsionen (87,5 %) keine Anzeichen für ein Rezidiv auf, 5 Rezidive wurden bestätigt. Die ECT sollte als Teil des verfügbaren Behandlungsspektrums in Betracht gezogen werden.
Grabbe betonte, dass eine frühe Therapie auch bei alten Menschen wichtig ist: „Wir erleben in der Klinik immer wieder alte Patienten mit sehr großen Tumoren.” Häufig kommen diese Patienten aus dem Seniorenheim und es herrscht wohl die Auffassung, dass der Patient die Tumorprogression ohnehin nicht mehr erlebt. Aus diesem Grund blieben diese Patienten lange unbehandelt. Die LL weist deshalb darauf hin, dass alte Menschen genauso behandelt werden sollten wie junge Menschen.
Die Evidenzlage für die Nachsorge ist schwach; empfohlen wird, dass Patienten mit niedrigem Risiko für BCC im ersten Jahr halbjährlich, danach jährlich kontrolliert werden sollen. Patienten mit Hochrisiko-BCC im ersten und zweiten Jahr alle 3 Monate; wenn sie rezidivfrei sind, reichen ab dann jährliche Kontrollen.