Prof. Fabri betont, dass die Qualität der STI-Diagnostik stark vom Versorgungsrahmen abhängt. Während große Zentren oft exzellente Strukturen bieten, stellen Transportwege, Laborprozesse und die Umsetzung von Leitlinien in der Praxis nach wie vor Herausforderungen dar.
Die Prophylaxe mit Doxypep ist patientengetrieben, aber nicht unkritisch. Nur erfahrene Kollegen sollten die Gabe begleiten, insbesondere bei MSM oder Transfrauen mit HIV-PrEP. Ein umfassendes Präventions- und Monitoringkonzept ist Pflicht.
Ein strukturiertes Kurzschema erleichtert die Sexualanamnese im Praxisalltag. Wertfreies Nachfragen genügt meist, um relevante Informationen zu erhalten, ohne Patienten zu verunsichern.
Genitale Beschwerden sollten niemals blind empirisch behandelt werden. Prof. Fabri empfiehlt, Differenzialdiagnosen wie Psoriasis, atopische Dermatitis oder Lichensklerosis systematisch zu prüfen. STI-Tests, insbesondere Syphilis-Serologien, sollten in unklaren Fällen Standard sein.
Syphilis kann atypisch auftreten – therapieresistente Exantheme, Ulzerationen oder ungewöhnliche Lokalisationen sind Warnsignale. Ein früher Serologietest verhindert Fehldiagnosen und unnötige Eingriffe, wie die retrospektive Diagnose mancher Tonsillitiden zeigt.