Für das triple-negative Mammakarzinom (TNBC) gibt es trotz verschiedener molekularer Subtypen nur wenige therapeutisch nutzbare Biomarker, erklärte Rupert Bartsch von der Medizinischen Universität Wien auf der DGHO-Jahrestagung 2026.1
Aktuelle Strategien beim triple-negativen Mammakarzinom
Klar etabliert ist der Behandlungsansatz bei einer Keimbahn-BRCA1/2-Mutation (gBRCA): Hier belegen die Studien OlympiAD und EMBRACA den Nutzen von PARP-Inhibitoren. Darüber hinaus erreichte Olaparib in der subtypübergreifenden Studie „TBCRC 048“ Ansprechraten von 75 % bei Keimbahn-PALB2- und 37 % bei somatischen BRCA1/2-Mutationen.2
Beim vorbehandelten metastasierten TNBC (mTNBC) war Sacituzumab-Govitecan (SG) bislang der Standard: In der Studie ASCENT verbesserte es das progressionsfreie Überleben (PFS; 5,6 vs. 1,7 Monate) und das Gesamtüberleben (OS; 12,1 vs. 6,7 Monate).
Antikörper-Konjugate rücken in die Erstlinie
In „ASCENT-04“ erhielten 443 Patientinnen mit unbehandeltem PD-L1-positivem mTNBC SG plus Pembrolizumab oder Chemotherapie plus Pembrolizumab. Das Konjugat verlängerte das PFS von 7,8 auf 11,2 Monate (HR 0,65).3 Die OS-Daten sind noch unreif; im Kontrollarm erhielten 81 % der Patientinnen mit Folgetherapie SG.
Für Patientinnen, die für eine Immuntherapie nicht infrage kommen, verglichen zwei Studien die Konjugate als Monotherapie mit Chemotherapie.
In „ASCENT-03“ verlängerte SG das PFS von 6,9 auf 9,7 Monate (HR 0,62), ohne OS-Vorteil (HR 0,98); allerdings wechselten 82 % der Patientinnen im Kontrollarm mit Zweitlinientherapie auf SG.4
Pembrolizumab von ESMO-Leitlinien empfohlen
Datopotamab-Deruxtecan (Dato-DXd) verlängerte in „TROPION-Breast02“ das PFS von 5,6 auf 10,8 Monate (HR 0,57) und das OS von 18,7 auf 23,7 Monate (HR 0,79).5 In der Subgruppe aus den USA, Kanada und Europa zeigte sich allerdings kein OS-Vorteil, möglicherweise wegen Crossovers. Typische Nebenwirkungen waren Stomatitis und Toxizität der Augen, die kaum zu Therapieabbrüchen führten.
Die ESMO-Leitlinie nennt bei PD-L1-positivem mTNBC nun Pembrolizumab plus SG an erster Stelle, bei PD-L1-negativer Erkrankung ohne gBRCA-Mutation Dato-DXd oder SG.6 Direkt vergleichen lassen sich die Studien jedoch nur bedingt, u. a. wegen unterschiedlicher Populationen, Kontrollarme und Crossover-Raten.
Neue Erstlinienoption beim HER2-positiven metastasierten Mammakarzinom
Standard beim HER2-positiven metastasierten Mammakarzinom war bislang ein Taxan plus Trastuzumab und Pertuzumab (THP), etabliert durch die Studie CLEOPATRA.7 In der Studie „DESTINY-Breast09“ verlängerte Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd) plus Pertuzumab gegenüber THP das PFS von 26,9 auf 40,7 Monate (HR 0,56). Eine Komplettremission erreichten 15,1 vs. 8,5 % der Patientinnen.8
Die ESMO-Leitlinie führt die Kombination bereits als Erstlinienoption neben THP. Dosisreduktionen waren unter T-DXd allerdings mehr als doppelt so häufig (45,9 vs. 19,9 %). Offen ist laut Bartsch, wer profitiert, wie lange behandelt werden sollte und ob sich die Daten zur Erhaltungstherapie aus der THP-Ära übertragen lassen.
Erhaltungstherapie: Palbociclib oder Tucatinib
Bei hormonrezeptorpositiver Erkrankung rückt das Zusammenspiel von Östrogenrezeptor (ER) und HER2 in den Fokus, denn die HER2-Blockade aktiviert kompensatorisch den ER-Signalweg.
Bei zusätzlich ER-positiver Erkrankung verlängerte Palbociclib in „AFT-38 PATINA“ ergänzend zur Anti-HER2- und endokrinen Erhaltungstherapie das PFS von 29,1 auf 44,3 Monate (HR 0,74). Progression im Zentralnervensystem oder Tod waren nach 36 Monaten ebenfalls seltener (13,0 vs. 19,2 %).9
In „HER2CLIMB-05“ verlängerte Tucatinib zusätzlich zur Erhaltungstherapie mit Trastuzumab und Pertuzumab das PFS von 16,3 auf 24,9 Monate (HR 0,64). Durchfälle und erhöhte Leberwerte traten häufiger auf, ebenso Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen (13,8 vs. 4,6 %).10
Die ESMO-Leitlinie empfiehlt bei ER-positiver Erkrankung bevorzugt die Erhaltung mit Pertuzumab, Trastuzumab, endokriner Therapie und Palbociclib, bei ER-negativer Erkrankung Pertuzumab und Trastuzumab mit oder ohne Tucatinib.6
Hirnmetastasen und Tumorheterogenität
Bei Hirnmetastasen zeigte T-DXd eine hohe Aktivität. In einer Post-hoc-Analyse der einarmigen Studie „DESTINY-Breast12“ lag die intrakranielle Ansprechrate bei 71,7 % (bei stabilen Hirnmetastasen 79,2 %, bei aktiven 62,3 %); die 12-Monats-PFS-Rate betrug 61,6 %.11
Eine Herausforderung bleibt die Heterogenität des Tumors: In der DAISY-Studie wurde HER2 unter T-DXd bei 65 % der Patientinnen herunterreguliert.12 In der ZEPHIR-Studie zeigte eine HER2-Positronen-Emissions-Tomografie vor Trastuzumab-Emtansin bei 46 % der Patientinnen eine heterogene und bei 29 % eine negative HER2-Expression; das Ergebnis hing mit dem Therapieerfolg zusammen.13
- Bartsch R. HER2-positiv und Triple-negativ: Rasche Veränderung der Standards. Session „Neue Standards und Herausforderungen beim metastasierten Mammakarzinom“, Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie, Wien, 11.10.2026.
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