Neue Therapieansätze beim platinresistenten Ovarialkarzinom

Die Kombination aus Pembrolizumab plus Paclitaxel verbessert progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben beim platinresistenten Ovarialkarzinom.

Die aktuell aussichtsreichste neue Wirkstoffklasse sind die Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (Antibody-Drug-Conjugates, ADC). In der Studie MIRASOL zeigte das ADC Mirvetuximab-Soravtansin bei Patientinnen mit platinresistentem, FRα-positivem Ovarialkarzinom im Vergleich zur Chemotherapie einen signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben (PFS) und beim Gesamtüberleben (OS). Die Ansprechrate lag bei 42 %.2

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd) bei Patientinnen mit HER2-positiven soliden Tumoren wurde in der Phase-II-Studie DESTINY-PanTumor02 untersucht.3 T-DXd zeigt hier einen anhaltenden klinischen Nutzen und untermauert seine potenzielle Rolle bei Erkrankten mit HER2-exprimierenden soliden Tumoren.

TUB-040: neuartiger ADC-Ansatz

Das ADC der nächsten Generation TUB-040 ist gegen NaPi2b gerichtet, ein Antigen, das bei Eierstockkrebs und beim Lungenadenokarzinom stark überexprimiert ist. In der laufenden Studie NAPISTAR-1-01 werden Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von TUB-040 als Monotherapie untersucht. Eingeschlossen wurden Patientinnen mit platinresistentem hochgradigem Ovarialkarzinom oder wiederauftretendem beziehungsweise refraktärem Lungenadenokarzinom.4

Die allgemeine Ansprechrate liegt bisher bei 58 %, hohe Ansprechraten zeigen sich auch bei Patientinnen mit vier oder mehr Vortherapien.

Glukokortikoid-Rezeptor-Blockade soll Chemoresistenz überwinden

In der Studie ROSELLA zeigte die Kombination aus dem selektiven Glukokortikoid-Rezeptor-Antagonisten Relacorilant und nab-Paclitaxel einen anhaltenden Vorteil, unabhängig von der Taxan-Vortherapie.5 Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt mit einem statistisch signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben (Hazard Ratio 0,70). Relacorilant ist seit Ende März 2026 von der FDA zugelassen und erhielt Mitte September eine positive CHMP-Empfehlung.

Endokrine Therapie mit CDK4/6-Inhibition kombiniert

Von der Kombination aus endokriner Therapie und CDK4/6-Inhibition verspricht man sich eine verstärkte antiproliferative Wirkung und die potenzielle Überwindung endokriner Resistenz. In einer Phase-II-Studie erzielte Ribociclib in Kombination mit Letrozol signifikante Ansprechraten sowie eine dauerhafte Krankheitskontrolle.6

Auch Abemaciclib zeigt kombiniert mit endokriner Therapie eine vielversprechende klinische Wirksamkeit bei Patientinnen mit niedriggradigem serösem Ovarialkarzinom (LGSOC), unabhängig vom KRAS-Mutationsstatus, sowie bei ER-positivem Eierstockkrebs.7 Die höchste Wirksamkeit zeigte sich bei Tumoren ohne spezifisches molekulares Profil (NSMP) und bei Fällen mit CTNNB1-Mutationen.

Neue immuntherapeutische Ansätze

Chemotherapie-Regimes weisen beim platinresistenten Rezidiv eine deutlich niedrigere Wirksamkeit auf, und auch für die Monotherapie mit Checkpoint-Inhibitoren (ICI) liegt die allgemeine Ansprechrate bei nur 10 bis 15 %. Hier sind also neue Behandlungsstrategien erforderlich.

Nun zeigt sich in der Studie KEYNOTE-B96 erstmals ein Vorteil beim PFS und OS durch eine Immuntherapie beim platinresistenten Ovarialkarzinom.8 Pembrolizumab in Kombination mit wöchentlichem Paclitaxel, mit oder ohne Bevacizumab, verbesserte bei Patientinnen mit PD-L1-positiven Tumoren (CPS ≥ 1), die zuvor ein bis zwei systemische Regimes erhalten hatten, das PFS (8,3 versus 7,2 Monate) und das OS (18,2 versus 14,0 Monate).8,10

Weiterer neuer Ansatz: Targeting von intrazellulären Antigenen mittels TCR-T-Zellen

Die neuartige Methode IMA203CD8 ist eine autologe TCR-T-Zelltherapie, die auf das Tumorantigen PRAME abzielt. Zum Ovarialkarzinom liegen jetzt erste Daten einer Phase-I-Studie vor.9 Natürlich sind die Ergebnisse noch ohne finale Aussagekraft, aber zumindest vielversprechend: Elf Patientinnen waren hinsichtlich der Wirksamkeit auswertbar. Bei sieben Patientinnen wurde eine Tumorreduktion beobachtet, wobei die maximale Reduktion 74 % betrug; bei drei dieser Frauen hielt der Effekt länger als sechs Monate an. Eine Patientin zeigte eine dauerhafte Krankheitskontrolle von über zwölf Monaten.

Fazit für die Praxis

  • Beim platinresistenten Ovarialkarzinom mit PD-L1-positivem Tumor (CPS ≥ 1) verlängert Pembrolizumab plus wöchentliches Paclitaxel (mit oder ohne Bevacizumab) PFS und OS.
  • Bei FRα-positivem Tumor verbessert das ADC Mirvetuximab-Soravtansin PFS und OS gegenüber der Chemotherapie.
  • Relacorilant plus nab-Paclitaxel ist in den USA zugelassen und hat in der EU eine positive CHMP-Empfehlung; die Zulassungsentscheidung bleibt abzuwarten.
  • TUB-040, CDK4/6-Inhibitoren mit endokriner Therapie und TCR-T-Zellen zeigen vielversprechende frühe Daten, ändern die Therapie aber noch nicht.
Quellen
  1. Busse A. Gynäkologische Onkologie: Therapeutische Innovationen 3: Neue Therapieansätze beim platinresistenten Ovarialkarzinom. Vortrag, Jahrestagung der DGHO, OeGHO, SGMO und SGH, 9. bis 12. Oktober 2026, Wien. https://jahrestagung-haematologie-onkologie.com/ (letzter Zugriff: 22.10.2026)
  2. Moore KN, Angelergues A, Konecny GE, et al. Mirvetuximab Soravtansine in FRα-Positive, Platinum-Resistant Ovarian Cancer. N Engl J Med. 2023;389:2162–2174. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2309169 (letzter Zugriff: 22.10.2026)
  3. Meric-Bernstam F, Makker V, Oaknin A, et al. Efficacy and Safety of Trastuzumab Deruxtecan in Patients With HER2-Expressing Solid Tumors: Primary Results From the DESTINY-PanTumor02 Phase II Trial. J Clin Oncol. 2024;42(1):47–58. https://doi.org/10.1200/JCO.23.02005 (letzter Zugriff: 22.10.2026)
  4. Van Gorp T, Sehouli J, Richardson DL, et al. NAPISTAR 1-01: Results of phase 1 dose escalation of monotherapy with TUB-040. J Clin Oncol. 2026;44(16_suppl):5513. https://ascopubs.org/doi/10.1200/JCO.2026.44.16_suppl.5513 (letzter Zugriff: 22.10.2026)
  5. ROSELLA: Relacorilant plus nab-Paclitaxel bei platinresistentem Ovarialkarzinom. Lancet. 2026. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(26)00462-9/fulltext (letzter Zugriff: 22.10.2026)
  6. Phase-II-Studie zu Ribociclib plus Letrozol beim Ovarialkarzinom. PubMed, PMID 41385758. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41385758/ (letzter Zugriff: 22.10.2026)
  7. Silverstein J, Tseng C-H, Grande I, et al. Updated efficacy, safety, and exploratory biomarker analyses of a phase II trial of abemaciclib plus hormonal therapy in recurrent ovarian and endometrial cancer. J Clin Oncol. 2026;44(16_suppl):5516. https://ascopubs.org/doi/10.1200/JCO.2026.44.16_suppl.5516 (letzter Zugriff: 22.10.2026)
  8. KEYNOTE-B96: Pembrolizumab plus Paclitaxel beim platinresistenten Ovarialkarzinom. PubMed, PMID 41974150. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41974150/ (letzter Zugriff: 22.10.2026)
  9. IMA203CD8 (TCR-T-Zelltherapie, PRAME), Phase-I-Daten beim Ovarialkarzinom. J Clin Oncol. 2026;44(16_suppl):5509. https://ascopubs.org/doi/10.1200/JCO.2026.44.16_suppl.5509 (letzter Zugriff: 22.10.2026)
  10. U.S. Food and Drug Administration. FDA approves pembrolizumab with paclitaxel for platinum-resistant epithelial ovarian, fallopian tube, or primary peritoneal cancer. 10.02.2026. fda.gov (letzter Zugriff: 22.10.2026)