Viel hat sich nicht verändert bei der Behandlung operabler Tumoren: Beim resektablen duktalen Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) bleiben primäre Resektion und adjuvante Chemotherapie der Leitlinienstandard (bei fitten Patienten mit mFOLFIRINOX). Phase-III-Daten belegen hier ein medianes Gesamtüberleben (mOS) von 30 bis 50 Monaten. (2)
Aktuelle Studien zum Einsatz der neoadjuvanten Therapie
Entscheidend ist jedoch der Blick über die Anatomie hinaus: Biologische (CA 19-9 > 500 U/ml, regionäre Lymphknoten) und konstitutionelle Kriterien (Allgemeinzustand nach ECOG, Gewichtsverlust, Schmerzen) gehören in die Bewertung, denn aus resektabel wird schnell borderline resektabel. Bei solchen Hochrisikomerkmalen ist eine neoadjuvante Therapie zu erwägen. Vor geplanter Resektion ist laut S3-Leitlinie eine MRT der Leber oder ein FDG-PET/CT obligat.
Neue Studien befeuern zudem die Debatte um die Neoadjuvanz:
- In der Phase-III-Studie CISPD-1 verlängerte neoadjuvantes Gemcitabin/nab-Paclitaxel gefolgt von mFOLFIRINOX das ereignisfreie Überleben (15,3 vs. 10,9 Monate) und das Gesamtüberleben (OS; 35,4 vs. 27,2 Monate) gegenüber der Upfront-Resektion. (3) Allerdings handelte es sich um eine Single-Center-Studie mit rein asiatischer Population, die auch biologisch borderline-resektable Tumoren einschloss.
- Auch die Phase-II/III-Studie JSAP05 mit Gemcitabin/S-1 war positiv (OS 37,0 vs. 26,6 Monate), S-1 ist außerhalb Asiens aber nicht etabliert. (4)
- Ergebnisse von Alliance A021806, PREOPANC-3 und NeoFOL-R stehen aus.
Borderline und lokal fortgeschritten: Induktion vor Resektion
Beim borderline-resektablen PDAC wird eine Induktionschemotherapie empfohlen, eine primäre Resektion sollte nicht erfolgen. In der Phase-III-Studie PACT-21 CASSANDRA bei resektablem und borderline-resektablem PDAC erreichte die Vierfachkombination PAXG (Cisplatin, nab-Paclitaxel, Capecitabin, Gemcitabin) ein ereignisfreies Überleben von 16,0 vs. 10,2 Monaten unter mFOLFIRINOX.
Beim lokal fortgeschrittenen PDAC (LAPC) bleibt die Systemtherapie primärer Standard, bei Ansprechen ist eine Resektion möglich. Eine zusätzliche Radiochemotherapie nach Induktion verbesserte in der Phase-III-Studie CONKO-007 (n = 525) weder die Rate tumorfreier Resektionsränder (R0) noch das OS. (5)
Neu ist die Option der Tumortherapiefelder (TTFields), eine nicht-invasive Behandlung, die elektrische Wechselfelder nutzt: In der PANOVA-3-Studie (n = 571) verlängerte die Kombination mit Gemcitabin/nab-Paclitaxel das mOS von 14,2 auf 16,2 Monate (HR 0,82; p = 0,039) und das schmerzfreie Überleben von 9,1 auf 15,2 Monate; das progressionsfreie Überleben (PFS) verbesserte sich nicht signifikant. (6) Nebenwirkungen betrafen vor allem die Haut. Seit Ende Juni 2026 trägt das Medizinprodukt das CE-Kennzeichen, die Bewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) steht noch aus.
Daraxonrasib: Meilenstein bei metastasierter Erkrankung
Rund 90% der PDAC tragen eine KRAS-Mutation, meist G12D, G12V oder G12R. G12C-Inhibitoren wie Sotorasib und Adagrasib erreichen beim PDAC nur Ansprechraten von 21 bis 33% und zielen auf eine seltene Mutation. Der orale Pan-RAS-Inhibitor Daraxonrasib hemmt dagegen mutiertes und Wildtyp-RAS im aktiven On-Zustand.
In der Phase-III-Studie RASolute 302 mit 500 vorbehandelten Patienten verdoppelte er in der RAS-G12-Population das mOS gegenüber Chemotherapie (13,2 vs. 6,6 Monate; HR 0,40; p < 0,001). Nach 12 Monaten lebten noch 53,3 vs. 18,7%. (7) Häufig waren Exanthem, Diarrhö und Stomatitis, Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen jedoch seltener als unter Chemotherapie (1,2 vs. 11,2%). Zudem verschlechterten sich Schmerzen und Lebensqualität später.
Die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) hat Daraxonrasib per Express-Update für die Zweitlinie bei RAS-Mutation aufgenommen, die US-Zulassungsbehörde FDA hat die Substanz zugelassen. Die Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) steht aus, bis dahin ist der Zugang über Kostenübernahmeanträge oder ein Named-Patient-Programm möglich. Die Phase-III-Studie RASolute 304 prüft Daraxonrasib bereits adjuvant.
Molekulare Testung und neue Immuntherapien
Eine molekulare Testung ist essenziell: auf BRCA1/2, KRAS und Mikrosatelliteninstabilität (MSI/dMMR), bei RAS-Wildtyp (ca. 10%) zusätzlich eine erweiterte DNA-/RNA-Sequenzierung (Next-Generation-Sequencing, NGS). Hier finden sich überproportional häufig therapierbare Alterationen wie NRG1-, NTRK- oder RET-Fusionen. Weitere Targets sind MTAP/PRMT5 und Claudin 18.2, das bei rund 50% der PDAC überexprimiert ist.
Krebsimpfstoffe sollen das Immunsystem darauf trainieren, Tumorzellen anhand tumorspezifischer Antigene zu erkennen und zu zerstören. Bei den Vakzinen lebten in der Phase-I-Studie zur personalisierten mRNA-Vakzine Autogene cevumeran 87,5% der Responder nach sechs Jahren noch; die randomisierte Phase-II-Studie IMCODE003 läuft. (8) Die siebenvalente, KRAS-gerichtete Peptidvakzine ELI-002 7P wird in der randomisierten Phase-II-Studie AMPLIFY-7P nach Resektion gegen Beobachtung geprüft; Ergebnisse werden auf dem ESMO-Kongress 2026 erwartet.
Supportivtherapie: Kachexie und Thrombosen
Ponsegromab, ein Antikörper gegen den Wachstumsfaktor GDF-15, steigerte in einer Phase-II-Studie bei Tumorkachexie (nichtkleinzelliges Lungenkarzinom, Pankreas- und kolorektales Karzinom) das Körpergewicht nach zwölf Wochen dosisabhängig gegenüber Placebo. (9) Zur verlängerten Antikoagulation bei tumorassoziierter Thrombose war reduziert dosiertes Apixaban (2 x 2,5 mg) der vollen Dosis nicht unterlegen und führte zu weniger relevanten Blutungen. (10) Ebenso wichtig bleiben Bewegung, Psychoonkologie und Schmerztherapie.
1. Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie, Wien, 9.–12. Oktober 2026. Session „Neue Entwicklungen beim Pankreaskarzinom“, 10. Oktober 2026.
2. Conroy T et al. Ann Oncol. 2023;34:987–1002.
3. Bai X et al. Cancer Cell. 2025;43(12).
4. Unno M et al. Ann Surg. 2026.
5. Fietkau R et al. J Clin Oncol. 2026.
6. Babiker HM et al. J Clin Oncol. 2025.
7. O’Reilly EM et al. N Engl J Med. 2026.
8. Sethna Z et al. Nature. 2025;639:1042.
9. Groarke JD et al. N Engl J Med. 2024.
10. Mahé I et al. N Engl J Med. 2025.