Screening von Vorhofflimmern: signifikanter Nutzen erwiesen

Die Hamburger Kardiologin Prof. Dr. Renate Schnabel erklärte in ihrem Referat auf dem 88. DGK-Kongress den Nutzen von Vorhofflimmern-Screenings an zwei großer Studien aus Skandinavien.

Große Studien aus Schweden und Dänemark vorgestellt

Die Strokestop-Studie zeigte statistische Relevanz des Screenings

Zwei große Screening-Studien zum Vorhofflimmern sind wegweisend für die Detektion von Vorhofflimmern: Die schwedische Strokestop-Studie und die dänische Loop-Studie. Die schwedische Studie war eine populationsbasierte Studie ab 75 Jahren. Über 20.000 Teilnehmende waren eingeschlossen. Tatsächlich konnten beim Screening zusätzliche Fälle von Vorhofflimmern detektiert werden. Diese Personen mit bestimmten Risikofaktoren wurden geschult und bekamen eine orale Antikoagulation. In der Nachbeobachtung zeigte sich: die Studie erreichte eine statistische Signifikanz bezüglich des kombinierten Endpunktes - bei sowohl ischämischem als auch hämorrhagischem Schlaganfall, systemischen Thromboembolien, Blutungsereignissen, sowie Mortalität. Dies ist somit die erste Studie, die zeigt, dass Vorhofflimmern-Screening relevant sein kann.

Die Loop-Studie: gesenktes Schlaganfall-Risiko nach Monitoring

Etwas anders die Loop-Studie, die 6.000 Teilnehmende umfasste. Sie basiert auf einem implantierbaren Loop-Recorder versus kein Monitoring bei Risiken wie Hypertonus oder Schlaganfall in der Anamnese. Ein Drittel der Patienten, die mit Looprecordern ausgestattet waren, erlebten über die Zeit ein Vorhofflimmern. Diese wurden konsequent antikoaguliert und hatten in der Folge ein niedrigeres Risiko für Schlaganfall und systemische Thromboembolien.

Wearable und Devices für jeden?

Folgt daraus, dass künftig potenziell jeder ein entsprechendes Wearable tragen sollte, um vorsorglich sein Risiko selbst zu detektieren? Es ist derzeit bereits so, dass Patienten oder Individuen, die noch gar keine Patienten sind, in die Praxen kommen, weil sie selbst eine Arrhythmie detektiert oder Vorhofflimmern aufgezeichnet haben. Dieser Entwicklung muss sich die Kardiologie, das Gesundheitswesen insgesamt, stellen. Die so entstehenden Datenmengen müssen verfügbar gemacht und analysiert werden – um dann in Studien festzustellen, welchen Nutzen diese Techniken tatsächlich haben.

Leitlinien und Grauzonen zum Screening

Was soll der Arzt, die Ärztin, machen, wenn Patientinnen oder andere Menschen in der Praxis vorstellig werden, weil sie sich wegen eines einzelnen Ereignisses Sorgen machen? Das wird in der Kardiologie derzeit intensiv diskutiert.

Noch gelten die aktuellen Leitlinien: Ab 65 Jahren kann opportunistisch gescreent werden. Systematisches Screening ist als sinnvoll erhärtet ab 75 Jahren oder bei Patienten mit entsprechenden Risikofaktoren. 

Eine Grauzone ist, wenn jemand über seine Smart Watch ein fast kontinuierliches Monitoring hat und dabei eine einmalige Episode feststellt. Hier wird aktuell empfohlen: Ihn in ein normales Screeningprogramm zuzuführen und dann anhand eventueller Risikofaktoren zu entscheiden, ob eine Antikoagulation sinnvoll ist.

Was passiert als nächstes bei der Detektion von Vorhofflimmern?

Weltweit laufen über zwanzig weitere Studien zum Screening von Vorhofflimmern. Die Daten müssen zusammengeführt und metaanalysiert werden, um zu stärkeren Empfehlungen für die nächsten Leitlinien zu kommen, wie ein optimales Screening aussehen kann.

Quelle:
DGK Kongress, 22.4.2022, Vorhofflimmern: Update 2022 zu Diagnostik, Behandlung und Patientenwerten

Mehr zum Thema Schlaganfall: