Die neuen ESC-Leitlinien definieren den Bereich zwischen 120 und 140 mmHg als „erhöhten Blutdruck“. Für Prof. Anna Hohneck ist 130/80 mmHg kein automatischer Therapiebeginn, sondern ein Signal zur konsequenten Risikostratifizierung.
Die zentrale Frage lautet:
Wie hoch ist das kardiovaskuläre Gesamtrisiko? Erst daraus ergibt sich die therapeutische Konsequenz.
Von einer intensiveren Blutdrucksenkung unterhalb von 140/90 mmHg profitieren vor allem:
Auch bei scheinbar moderaten Werten um 135 mmHg kann eine Therapie sinnvoll sein – etwa bei multiplen Risikofaktoren.
Bei hochbetagten, multimorbiden oder gebrechlichen Patienten gilt:
keine schematische Zielwertsenkung.
Hier steht die Verträglichkeit im Vordergrund – höhere Blutdruckwerte können bewusst akzeptiert werden (ALARA-Prinzip).
In der Praxis entscheidet die Kommunikation über den Therapieerfolg. Hohneck setzt auf:
Ziel ist ein konkretes Risikobewusstsein, nicht abstrakte Zielwertdiskussion.
Ein zentrales Problem bleibt die fehleranfällige Blutdruckmessung.
Essentiell sind:
Fehler an dieser Stelle führen direkt zu Fehlentscheidungen.
Im Grenzbereich empfiehlt Hohneck ein pragmatisches Vorgehen:
Ein zu aggressiver Einstieg kann die Adhärenz gefährden.
Die neuen Zielwerte verändern weniger die Therapie als die Entscheidungslogik:
130/80 mmHg ist kein Automatismus – sondern ein Entscheidungsraum.