CKM-Syndrom: Das therapeutische Jonglieren mit Herz, Niere und Stoffwechsel

Adipositas, Diabetes, MASLD und chronische Nierenerkrankung - beim CKM treten schwere Erkrankungen gleichzeitig auf und verstärken sich gegenseitig. Welche Therapieoptionen zur Verfügung stehen, diskutierten Experten auf dem DGK-Kongress.

Adipositas als zentraler Risikofaktor

Adipositas ist ein wichtiger Teil des Cardiovascular-Kidney-Metabolic-Syndroms (CKM). „Bei Adipositas und Diabetes handelt es sich um lebensgefährliche Erkrankungen, die kausal zu einer massiv erhöhten frühen kardiovaskulären Ereignisrate beitragen“, stellte Prof. Kahles von der RWTH Aachen klar. Bei einem BMI von 40 sei die Lebenserwartung deutlich eingeschränkt.

Patienten mit Adipositas weisen zudem eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen frühzeitigen Tod auf. Therapie der Wahl sind GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid, die den Blutzucker senken und das Körpergewicht verringern. GLP-1-RA tragen zudem dazu bei, kardiorenale Ereignisse, Herzinsuffizienz-Ereignisse und frühzeitige Mortalität bei Patienten mit Adipositas und Diabetes zu verringern. Das gilt gleichfalls für den dualen GLP-1/GIP-Rezeptoragonisten Tirzepatid.

Die SUMMIT-Studie hat bei Patienten mit HFpEF und Adipositas gezeigt, dass die Behandlung mit Tirzepatid den primären kombinierten Endpunkt (kardiovaskulärer Tod oder erstes Herzinsuffizienz-Ereignis) nach einem medianen Follow-up von zwei Jahren um 38 % im Vergleich zu Placebo signifikant verringern kann.1 Das Sicherheitsprofil war gut, nur wenige Patienten setzten Tirzepatid aufgrund gastrointestinaler Nebenwirkungen ab. In der laufenden Studie SURMOUNT-MMO wird die Wirkung von Tirzepatid auf die Reduktion der Morbidität und Mortalität bei Erwachsenen mit Adipositas untersucht.2

MASLD – zentrale Komponente des CKM-Syndroms

Zentrale Komponente des CKM-Syndroms ist auch die metabolische Dysfunktions-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD). Patienten mit MASLD tragen ein erhöhtes 10-Jahres-Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Niereninsuffizienz und Malignome. Die Progression verläuft – ähnlich der Atherosklerose – langsam. Als Progressionsfaktoren gelten Adipositas, Insulinresistenz, Bewegungsarmut, Dyslipidämie und ein hoher Fruktosekonsum.

„Eine MASLD ist eine Systemerkrankung, keine Organerkrankung der Leber“, betonte deshalb Prof. Szendrödi, Ärztliche Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Stoffwechselkrankheiten und Klinische Chemie der Universität Heidelberg. Der gemeinsame Mechanismus der Fibroseinduktion entstehe durch das Überangebot von Lipiden, die Insulinresistenz und die Inflammation. Die Therapie fußt vor allem auf Lebensstilinterventionen zur Gewichtsreduktion, in Studien wurden positive Lebereffekte von GLP-1-RA nachgewiesen, seit August vergangenen Jahres steht mit Resmetirom eine zusätzliche Therapieoption zur Verfügung.  

Ausgewogene Ernährung ist präventiv und unterstützt die Therapie

Dass eine ausgewogene Ernährung sowohl Prävention als auch Therapieunterstützung ist, hob Prof. Lorkowski vom Institut für Ernährungswissenschaften, Jena, hervor. Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Normalisierung des Körpergewichts, verbessert die Versorgung mit Mikronährstoffen und reduziert kardiometabolische Risikofaktoren. Sie wirkt synergistisch mit einer kardiovaskulären Risiko-adaptierten medikamentösen Therapie.

Lorkowski betonte aber auch: Einzelne Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Zur Frage Eier – ja oder nein – riet er, das kardiovaskuläre Risiko des Patienten zu berücksichtigen. Personen mit hohem oder sehr hohem CV-Risiko sollten ihren Eierkonsum einschränken, zumal Eier häufig mit ungünstigen Lebensmitteln wie Weißbrot, Butter und/oder Speck kombiniert gegessen würden.

CKD und chronische Herzinsuffizienz

Die chronische Nierenerkrankung (CKD) ist eine häufige Komorbidität bei Patienten mit Herzinsuffizienz und verschlechtert die Prognose. Patienten mit CKD wiederum tragen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, erklärte Prof. Marx-Schütt, Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin der RWTH Aachen. Fällt die eGFR unter 75 ml/min, steigt das Risiko sowohl für die kardiovaskuläre Mortalität als auch für eine Herzinsuffizienz. Das Screening auf eine CKD erfolgt mittels der eGFR und der Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) im Spot-Urin. Die UACR wird durch variable Trinkmengen nicht stark beeinflusst.

Dass eine CKM-Multimorbidität weit verbreitet ist und bei Patienten mit Herzinsuffizienz und einer linksventrikulären Ejektionsfraktion > 40 % mit ungünstigen Ergebnissen einhergeht, zeigt eine Post-hoc-Analyse der DELIVER-Studie.3 Darin hatten Forschende den Einfluss gleichzeitig bestehender kardiometabolischer Erkrankungen auf die klinischen Ergebnisse und die Wirksamkeit von Dapagliflozin bei Herzinsuffizienz untersucht. Die Ergebnisse zeigen auch, dass sich der SGLT2-Hemmer über das gesamte Spektrum der CKM hinweg als sicher und wirksam erwiesen hat. Patienten mit der höchsten CKM-Überlappung verzeichneten einen größeren absoluten Nutzen.

Dapagliflozin kann bis zur Dialyse gegeben werden. Finerenon kann sowohl bei Patienten mit HFpEF als auch bei Patienten mit HFmrEF eingesetzt werden. Grundsätzlich ist bei Patienten mit HFrEF die Vierfachtherapie indiziert. Die Evidenz ist allerdings begrenzt, weil Patienten mit schwerer, reduzierter Nierenfunktion aus den Studien ausgeschlossen wurden, so Marx-Schütt. Bei einer eGFR < 15 ml/min sind primär Betablocker indiziert.

Quellen

92. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), 8. bis 11. April 2026, Congress Center Rosengarten Mannheim. https://herzmedizin.de/fuer-aerzte-und-fachpersonal/dgk/kongresse/dgk-jahrestagung-2026. Sitzung: Management des Cardiovascular -Kidney-Metabolic (CKM) Syndroms. 10. April 2026.

  1. SUMMIT-Studie: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39555826
  2. SURMOUNT-MNO: https://clinicaltrials.gov/study/NCT05556512
  3. Post-hoc-Analyse: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37226448/