Die Basis bleibt klinisch: Anamnese und Untersuchung entscheiden über die nächste Eskalationsstufe. Besonders auffällig sind Patienten, die nach einem Infekt eine progrediente Belastungsdyspnoe entwickeln.
Als Hochrisikopatienten gelten vor allem Patienten mit eingeschränkter linksventrikulärer Funktion oder nachgewiesenen Rhythmusstörungen im (Langzeit-)EKG. In diesen Konstellationen ist eine engmaschige Überwachung bis hin zur stationären Aufnahme erforderlich.
Gerade bei schweren Verläufen sieht Prof. Kindermann eine klare Indikation für eine Endomyokardbiopsie. Dazu zählen fulminante Präsentationen mit Schock oder persistierenden Rhythmusstörungen.
In diesen Situationen ist eine schnelle Diagnosesicherung entscheidend, da spezifische Entitäten wie die Riesen- oder Eosinophilenmyokarditis eine unmittelbare immunsuppressive Therapie erfordern. Das kardiale MRT ist hier häufig keine realistische Alternative – etwa bei hämodynamisch instabilen Patienten.
Die Datenlage zur immunsuppressiven Therapie bleibt heterogen. Für die virusnegative lymphozytäre Myokarditis gibt es Hinweise auf eine Verbesserung der Funktion und der Prognose, die Evidenz ist jedoch begrenzt.
Zentral für die Therapieentscheidung ist daher die Endomyokardbiopsie: Der Nachweis eines viruspositiven Befunds spricht klar gegen eine immunsuppressive Therapie, da sich die virale Replikation verstärken und der klinische Verlauf verschlechtern kann. Ohne diese Differenzierung bleibt jede Therapieentscheidung unscharf.
Trotz neuer Therapieoptionen bleiben NSAR und Colchicin die Erstlinientherapie bei rezidivierender Perikarditis. Bei fehlendem Ansprechen erfolgt die Eskalation mit Corticosteroiden und ggf. weiteren Immunsuppressiva.
Interleukin-1-Inhibitoren sind nach europäischen Empfehlungen erst in der dritten Linie vorgesehen. Damit unterscheidet sich die Praxis von den amerikanischen Leitlinien, die einen früheren Einsatz vorsehen.
Auch bei der Nachsorge zeigen sich Unterschiede in den Empfehlungen. Europäische Leitlinien sehen aktuell eine mindestens einmonatige Sportkarenz vor, vorausgesetzt, dass sich Symptome und Befunde wie Troponin oder Echokardiografie normalisieren.
Demgegenüber empfehlen amerikanische Leitlinien weiterhin eine Pause von drei bis sechs Monaten. Entscheidend bleibt die individuelle Beurteilung: Der Wiedereinstieg sollte erst erfolgen, wenn eine vollständige klinische Erholung plausibel ist.
Ein einfacher, aber häufig vernachlässigter Punkt ist die Prävention: Bei fieberhaften Infekten sollte konsequent auf sportliche Aktivität verzichtet werden. Gerade bei jüngeren Patienten wird diese Empfehlung im Alltag oft nicht eingehalten – mit potenziell relevanten Folgen.