Ihr Wegweiser durch den DGN-Kongress 2026

Vom 4. bis 7. November 2026 findet in Berlin der 99. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) statt. Ein Überblick zu den diesjährigen Sessions.

Die Hauptsitzungen

Eröffnungsveranstaltung: Prävention und Hirngesundheit (Mittwoch, 4. Nov., 14:00 Uhr)

Neurologische Erkrankungen stehen inzwischen an der Spitze der globalen Krankheitslast. Die Eröffnung greift diese Entwicklung auf und fragt, wie sich das Gehirn über die gesamte Lebensspanne schützen lässt: durch Kontrolle vaskulärer Risikofaktoren, Bewegung, Schlaf und soziale Teilhabe. Neben Fachleuten aus der Neurologie diskutieren Gäste aus dem öffentlichen Leben, welche Rolle Hirngesundheit künftig in der Gesundheitspolitik spielen sollte.

Presidential Symposium: Die systemische Dimension des Schlaganfalls (Donnerstag, 5. Nov., 14:00 – 15:30 Uhr)

Der Schlaganfall als rein lokales zerebrales Ereignis – dieses Bild gilt als überholt. Drei Vorträge zeigen, warum:

  • Prof. Stéphanie Debette, Paris Brain Institute, berichtet über die genetischen Komponenten zerebrovaskulärer Erkrankungen und was daraus für eine personalisierte Prävention folgt.
  • Prof. Dr. Arthur Liesz, LMU München, erläutert das Wechselspiel zwischen Gehirn und Immunsystem nach einem Infarkt und dessen Konsequenzen für Akuttherapie und Erholung.
  • PD Dr. Bastian Cheng, UKE Hamburg, widmet sich kognitiven Defiziten nach Schlaganfall und bei zerebraler Mikroangiopathie.

Abschlussveranstaltung: Zwischen Mensch und Maschine – wie KI Neurologie und Gesellschaft verändert (Samstag, 7. Nov., 10:30 – 12:00 Uhr)

Der Kongress schließt mit dem Thema künstliche Intelligenz: Wo unterstützt sie heute schon den Klinikbetrieb, welche Lösungen kommen aus akademischen Ausgründungen, und wo verlaufen die ethischen Grenzen? Im Rahmen der Sitzung wird zudem der mit 50.000 Euro dotierte NeuroTech-Innovationspreis vergeben.

Schwerpunkt vaskuläre Neurologie

Passend zum Motto “Vaskuläre Neurologie – Innovation, Präzision, Prävention“ zieht sich eine eigene Reihe von elf Schlaganfall-Symposien durch die Kongresstage. Viele davon entstehen gemeinsam mit Neuroradiologie, Neurochirurgie, Kardiologie, Rehabilitationsmedizin, Hämostaseologie, Rheumatologie und Pathologie; mehrere sind in Kooperation mit EAN, AAN, WFN und der European Stroke Organisation (ESO) englischsprachig angelegt.

Akutversorgung und Intervention

  • Neurointerventionen und Bildgebung – neue Horizonte (Do., 5. Nov., 14:00 – 15:30 Uhr): Wohin entwickeln sich Thrombektomie und Bildgebung?
  • Innovative acute stroke treatment across Europe (Do., 5. Nov., 16:30 – 18:00 Uhr): Ein Blick auf Akutkonzepte über Ländergrenzen hinweg.
  • Interventionelle und chirurgische Behandlung von intrazerebraler Blutung und Subduralhämatom (Fr., 6. Nov., 08:30 – 10:00 Uhr): Ein Themenfeld, in dem sich die Evidenz derzeit spürbar bewegt.

Ursachen, Prävention und Studienlandschaft

  • Seltene Schlaganfallursachen (Do., 5. Nov., 08:30 – 10:00 Uhr)
  • Preventive treatment target vascular brain health (Do., 5. Nov., 11:00 – 12:30 Uhr)
  • Neue Konzepte für klinische Studien – Schlaganfallstudien „Made in Germany“ (Fr., 6. Nov., 11:00 – 12:30 Uhr)
  • Update Vaskulitis (Sa., 7. Nov., 08:30 – 10:00 Uhr) und Update Herz und Hirn (Sa., 7. Nov., 10:30 – 12:00 Uhr) beleuchten die Schnittstellen zu Rheumatologie und Kardiologie.
  • Zerebrale Mikroangiopathie: kleine Gefäße, große Bedeutung (Sa., 7. Nov., 12:30 – 14:00 Uhr)

Nach dem Akutereignis

  • Schlaganfallnachsorge auf dem Prüfstand (Fr., 6. Nov., 14:00 – 15:30 Uhr)
  • Neues zur Rehabilitation nach Schlaganfall (Fr., 6. Nov., 16:30 – 18:00 Uhr)

Ergänzend lohnt ein Blick auf Blutbiomarker beim Schlaganfall: experimentelle Ansätze und klinische Perspektiven (Fr., 14:00 Uhr) sowie das Symposium Neurologie trifft Unternehmen (Fr., 08:30 Uhr), in dem Prof. Dr. Daniela Berg und Prof. Dr. Götz Thomalla die Zusammenarbeit von Akademie, Medizintechnik und Pharmaindustrie entlang der Schlaganfallkette zur Diskussion stellen.

Lectures und Highlight-Sitzungen

State-of-the-Art-Lectures (Mittwoch bis Freitag, jeweils 12:45 – 13:45 Uhr)

In der Mittagspause fassen ausgewiesene Fachleute den aktuellen Kenntnisstand ihres Gebiets in einer Stunde zusammen:

  • Muskelerkrankungen – Prof. Dr. Tobias Ruck, Bochum (Mi., 4. Nov.)
  • Autoimmunenzephalitis – Prof. Dr. Frank Leypoldt, Kiel (Do., 5. Nov.)
  • Placebo- und Nocebo-Effekte in der Neurologie – Prof. Dr. Ulrike Bingel, Essen (Fr., 6. Nov.)

Highlights der Neurologie – Neurology in Progress (Freitag, 6. Nov., 11:00 – 12:30 Uhr)

Ein Abschied mit Ansage: Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen, präsentiert zum letzten Mal seinen 90-minütigen Parforceritt durch die relevantesten neurologischen Studien des vergangenen Jahres – inklusive Einordnung, was sich daraus für die Behandlung ändert. Für viele Stammgäste des Kongresses dürfte diese Sitzung ein Pflichttermin sein.

Gertrud-Reemtsma-Symposium (Donnerstag, 5. Nov., 16:30 – 18:00 Uhr)

Die Translational Neuroscience Prize Lecture hält in diesem Jahr Prof. Dr. Maiken Nedergaard, Rochester/Kopenhagen, deren Arbeiten zum glymphatischen System die Sicht auf die Clearance von Stoffwechselprodukten im Gehirn grundlegend verändert haben. Ihr Vortrag „The Glymphatic System – Clinical Relevance“ schlägt die Brücke zu Neurodegeneration und Demenz.

Weitere Preisträger-Sitzungen

  • Symposium der Thiemann Stiftung (Mi., 4. Nov., 09:00 Uhr): Aktuelles zu Biomarkern und Hirnstimulation beim Parkinson-Syndrom sowie Verleihung der Parkinson-Fellowships 2026 (bis zu 80.000 Euro).
  • Felgenhauer-Preisträger-Symposium (Do., 5. Nov., 14:00 Uhr): Vorstellung der ausgezeichneten Arbeit, eine Keynote und ausgewählte freie Vorträge, Vorsitz Prof. Dr. Andreas Meisel, Berlin.

Kontrovers diskutiert

Wer Pro-und-Kontra-Formate schätzt, findet in diesem Jahr gleich mehrere Gelegenheiten, aktuelle Streitfragen zu verfolgen.

Arena: Medikamente kritisch betrachtet (Mittwoch, 4. Nov., 16:30 Uhr)

Drei therapeutische Fragen stehen zur Debatte: Ist ein breiterer Einsatz von PCSK9-Inhibitoren gerechtfertigt? Wann sollte nach intrazerebraler Blutung bei Vorhofflimmern wieder oral antikoaguliert werden? Und welchen Stellenwert hat ASS bei klinisch stummen vaskulären Läsionen?

Arena: Studien kritisch betrachtet (Donnerstag, 5. Nov., 11:00 Uhr)

Hier werden neue Publikationen zur Thrombektomie bei mittelgroßen und distalen Gefäßverschlüssen, zur Revaskularisation asymptomatischer Karotisstenosen und zu Faktor-XIa-Inhibitoren in der Sekundärprävention gegeneinander abgewogen. Den Vorsitz beider Arenen teilen sich PD Dr. Bastian Cheng und Dr. Ines Sophie Schädlich, Hamburg.

Ausgewählte DGN-Foren

  • Arzneimittelbewertung beim IQWiG und G-BA (Mi., 4. Nov., 11:00 Uhr): Am Beispiel der Anti-Amyloid-Antikörper geht es um die Frage, warum Zulassung und Zusatznutzenbewertung zu so unterschiedlichen Einschätzungen kommen können.
  • ME/CFS im Fokus: Erkenntnisse aus dem DGN-Arbeitskreis (Mi., 4. Nov., 09:00 Uhr): Der Arbeitskreis legt seine systematische Literaturbewertung vor und diskutiert sie mit der ME/CFS-Gesellschaft.
  • Neuroinfektiologie: Kernkompetenz des Neurologen oder Aufgabe des Antibiotic-Stewardship-Teams? (Fr., 6. Nov., 14:00 Uhr)
  • Wenn der Tod eines Patienten/einer Patientin droht (Sa., 7. Nov., 10:30 Uhr): Pro-und-Kontra-Debatten zu „Intubate to Donate“ und zu internationalen Unterschieden in der Hirntoddiagnostik.
  • Neurologie lehren im Zeitalter künstlicher Intelligenz – neue Chancen, neue Risiken (Sa., 7. Nov., 12:30 Uhr)
  • Die DGN und die deutsch-deutsche Neurologie 1950 – 1995 (Fr., 6. Nov., 11:00 Uhr): ein fachhistorischer Blick auf die Entwicklung der Neurologie in Ost und West.

Fortbildungsakademie und Skills Labs

Die DGN-Fortbildungsakademie unter Leitung von PD Dr. Christiana Franke, Berlin, und Prof. Dr. Gereon R. Fink, Köln, bietet 29 Kurse – vom Schlaganfall über Notfallmedizin und Neuroimmunologie bis zu Geriatrie, Neuroonkologie und Kinderwunsch bei neurologischen Erkrankungen. Die Kurse sind für alle Kongressteilnehmenden ohne Zusatzanmeldung zugänglich und werden mit Ausnahme der Videoforen aufgezeichnet.

Klinik kompakt

In je 90 Minuten bündeln die Übersichtsvorträge praxisrelevantes Wissen, unter anderem:

  • Neuroimmunologie über Multiple Sklerose hinaus – häufige und seltene Differenzialdiagnosen (Do., 5. Nov., 08:30 Uhr)
  • (A)typische hypo- und hyperkinetische Bewegungsstörungen (Do., 5. Nov., 16:30 Uhr)
  • Getting ready für den Dienst – Stroke mimics (Fr., 6. Nov., 16:30 Uhr) – besonders für Kollegen vor den ersten Nachtdiensten interessant.

Therapiekurse und „Der lehrreiche Fall“

Die dreiteiligen Therapiekurse (Mi. bis Fr., jeweils 11:00 Uhr) liefern kompakte Updates zu zentralen Indikationen. „Der lehrreiche Fall“ (Do. und Fr., jeweils 16:30 Uhr) entwickelt Diagnose und Therapie schrittweise gemeinsam mit dem Publikum.

Neu in diesem Jahr: mitmachen statt zuhören

Drei Formate feiern 2026 Premiere. Gemeinsam ist ihnen, dass das Publikum selbst entscheidet, rätselt oder unter Zeitdruck handelt.

Gamification-Format (täglich, u. a. Mi. und Do. 14:00 Uhr)

Case Challenges, Quizrunden und spielerische Sessions vermitteln evidenzbasierte Inhalte mit direktem Feedback auf die eigenen Antworten.

Wie hätten Sie entschieden? (Freitag, 6. Nov., 11:00 Uhr)

Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Luisa Klotz, Münster, und Prof. Dr. Tim Magnus, Hamburg, werden schwierige oder strittige Fälle aus der Praxis nicht nur vorgestellt, sondern mit dem Plenum durchgespielt – einschließlich der Entscheidungswege, die nicht gewählt wurden.

Stroke-Escape-Room: Time is Brain (Mittwoch bis Freitag, mehrere Durchgänge täglich)

In Teams übernehmen die Teilnehmenden die Rolle einer Stroke Unit und haben 15 Minuten Zeit, mit unvollständigen Informationen die richtigen Akutentscheidungen zu treffen. Eine evidenzbasierte Auflösung folgt im Anschluss; das Siegerteam erhält eine kostenfreie Registrierung für den Kongress 2027. Das Format findet nur vor Ort statt und erfordert eine Voranmeldung.

DGNN-Programm

Die neuropathologische Jahrestagung unter der Leitung von Prof. Dr. Till Acker und Prof. Dr. Christian Mawrin setzt Schwerpunkte bei molekularer Tumorklassifikation, Methylierungsdiagnostik und KI-gestützter Analyse. Sitzungen wie Next Generation Neuropathology (Fr., 11:00 Uhr), Neuroinflammation (Fr., 16:30 Uhr) und Junge Neuropathologie (Sa., 08:30 Uhr) sind auch für klinisch tätige Neurologen ergiebig.

Neben dem Programm

  • Wissenschaftlicher Filmabend (Mi., 4. Nov., 17:00 – 20:00 Uhr, Kino delphi LUX, Kantstraße 10): Gezeigt wird Billy Wilders „The Lost Weekend“ (1945), anschließend diskutieren Prof. Dr. Frank J. Erbguth, Prof. Dr. Axel Karenberg und Dr. Constanze Weber über Delir, Halluzinose und die Entstehung von Abhängigkeit. Anmeldung erforderlich.
  • Noten und Neuronen (Mi., 4. Nov., Berliner Philharmonie): Ein Konzertabend geht der Frage nach, ob Musik vor Demenz schützen kann – mit der Möglichkeit, in der Pause an Studien mit mobilem MRT und digitalen Gedächtnistests teilzunehmen.
  • Get-together (Do., 5. Nov., 18:00 – 19:00 Uhr, CityCube)
  • Spendenlauf der Deutschen Hirnstiftung (Fr., 6. Nov., 12:30 Uhr, Mommsenstadion): Die DGN spendet einen Euro pro gelaufener Runde.
  • Meet the DGN (Mi. bis Fr., in den Pausen, Neuro-Lounge): Gesprächsmöglichkeit mit Präsidium, Geschäftsstelle und Fortbildungsakademie.

Teilnahme: vor Ort oder digital

Wer nicht nach Berlin reist, kann nahezu das gesamte wissenschaftliche Programm im Livestream verfolgen; ausgenommen sind unter anderem Workshops, Skills Labs und Versammlungen. Die Aufzeichnungen bleiben bis kurz vor dem Kongress 2027 abrufbar. Die Präsenzgebühr schließt den Online-Zugang ein.

Das vollständige und tagesaktuelle Programm finden Sie hier. 

Quellen
  1. https://www.dgn.org/dgn-kongress
  2. https://www.dgn.org/cms-content/DGN_Kongress-2026_Vorprogramm_Web_1780306320235.pdf