Implementierung innovativer Therapiestrategien beim NSCLC

Wie kommen Innovationen beim NSCLC bei den Betroffenen an? Präzisionsmedizin, Netzwerke und PROs zeigen: Fortschritt braucht Struktur.

Defizite im Versorgungsalltag

Prof. Dr. Jürgen Wolf betonte, dass die personalisierte Therapie des NSCLC in klinischen Studien eine hohe Wirksamkeit zeige und bei molekular definierten Subgruppen durch zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien teilweise zu einem signifikanten Überlebensvorteil führe.

Gleichzeitig gibt es im Versorgungsalltag Lücken: Noch vor wenigen Jahren blieb ein relevanter Anteil der Betroffenen ohne leitliniengerechte Testung zentraler Biomarker. Die etablierte Zentrenpyramide (Zertifizierungen, Spitzenzentren) sichere Strukturqualität, könne aber die wachsende Komplexität der NSCLC-Versorgung allein nicht mehr tragen, so Wolf. Als Kernfrage bleibt: Wie gelingt es, evidenzbasierte Innovationen „in die Breite“ zu bringen – mit gleichberechtigtem Zugang für alle Patienten?

Ein Netzwerkmodell für flächendeckende Diagnostik

Vor dem Hintergrund bestehender Defizite präsentierte PD Dr. Thomas Illmer das Nationale Netzwerk Genomische Medizin (nNGM) Lungenkrebs. Durch die enge Vernetzung zahlreicher Zentren mit Partnern aus Praxen und Kliniken wird ein breites, innovationsorientiertes molekulares Testangebot in der Erstlinie wie auch im Rezidiv gewährleistet.

Illmer betonte, dass eine Netzwerk-Teilnahme in Evaluationen mit einem Überlebensvorteil assoziiert sei, besonders bei molekular definierbaren Subgruppen mit zielgerichteter Therapie. Gleichzeitig blieb eine große Zahl von Kliniken außerhalb etablierter Qualitätsstrukturen, also weder in Netzwerken noch in zertifizierten Strukturen oder in spezialisierten Versorgungsmodellen.

Daten, Interoperabilität und Nachhaltigkeit: Diginet als nächster Schritt

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Datenhürden: Unterschiedliche Praxisverwaltungssysteme, regionale Patientenströme und fehlende Standardisierung erschweren die Datenerhebung und den Datenaustausch. Als Lösung empfehlen die Referenten eine einheitliche Dokumentationsbasis, die an Register, Tumorboards und Netzwerkstrukturen andocken kann (Interoperabilität). Gleichzeitig betonen sie: Ohne ausreichende personelle Ressourcen (z. B. Dokumentationsassistenz) und ohne nachhaltige Finanzierung wird es kaum gelingen, Projekte langfristig durchzuführen. Künstliche Intelligenz kann dazu beitragen, den Dokumentationsaufwand zu verringern.

Pathologie als Wegweiser: Biomarker, KI und Liquid Biopsy

Für die personalisierte NSCLC-Versorgung sei der standardisierte histo- und molekularpathologische Befund zentral – darauf wies Prof. Dr. Reinhard Büttner, hin. Um genügend Material für die spätere Sequenzierung zu erhalten, begrenzen Standardarbeitsanweisungen (SOPs) die Anzahl zusätzlicher Färbungen.

Büttner sprach auch über Mutationsspektren, Ko-Mutationen sowie über regionale Unterschiede. Zudem hat er KI in der digitalen Pathologie als Chance vorgestellt, komplexe Muster präzise zu klassifizieren und Prognosegruppen besser zu trennen.

Die Liquid Biopsy werde derzeit erstattet, wenn kein geeignetes Gewebe verfügbar sei oder eine Rebiopsie mit erhöhtem Risiko verbunden wäre. Perspektivisch gewinnt sie für die Überwachung der minimalen Resterkrankung (MRD) an Bedeutung, auch wenn diese Anwendung aktuell noch nicht regelhaft vergütet wird.

Patientenperspektiven systematisch abbilden

Nicoline Ehrhardt, ging auf die Bedeutung von Patient-Reported Outcomes (PROs) als Teil der modernen NSCLC-Versorgung ein. Angesichts längerer Überlebenszeiten und chronischer Nebenwirkungen wie Fatigue oder dermatologischer Beschwerden werde der Therapieerfolg zunehmend als Zusammenspiel von Tumorkontrolle und erhaltener Alltagsfunktion verstanden.

PROs fungierten dabei als Frühwarnsystem, verbesserten die Kommunikation, könnten die Zahl an Hospitalisierungen verringern und die Adhärenz fördern, so Ehrhardt. Als Barrieren nannte sie IT-Insellösungen, unklare Zuständigkeiten, komplexe Fragebögen und eine fehlende Rückkopplung der Ergebnisse. Mögliche Lösungsansätze sind digitale, krankheitsspezifische PROs, klar definierte Teamprozesse sowie die Nutzung der erhobenen Daten über Einzelfälle hinaus.

Die wichtigsten Punkte

  • Die Versorgung von Patienten mit NSCLC ist weiterhin komplex. Innovative Verfahren kommen nicht bei allen Betroffenen an.
  • Das Netzwerk nNGM verbessert die Biomarker-Diagnostik und den Zugang zu personalisierten Therapien; Fragen der Verbindlichkeit und langfristigen Finanzierung sind offen.
  • Das Netzwerk- und Infrastrukturkonzept Diginet verbessert Datenflüsse und fördert Interoperabilität sowie einheitliche Dokumentationsstandards.
  • Fortschritte in der Pathologie und der Einsatz von KI erhöhen die diagnostische Präzision; zugleich gewinnt die Liquid Biopsy an Bedeutung.
  • Patient-Reported Outcomes (PROs) helfen, die Lücke zwischen klinischen Ergebnissen und der Lebensrealität der Patienten zu schließen.
Quelle:
  1. 37. Deutscher Krebskongress (DKK), 18.-21. Februar 2026, CityCube, Berlin. Zukunft der NSCLC-Versorgung in Deutschland ‒ von der Diagnose zur innovativen Therapie, 19. Februar 2026.