- 37. Deutscher Krebskongress (DKK), 18.-21. Februar 2026, CityCube, Berlin. Zukunft der NSCLC-Versorgung in Deutschland ‒ von der Diagnose zur innovativen Therapie, 19. Februar 2026.
Prof. Dr. Jürgen Wolf betonte, dass die personalisierte Therapie des NSCLC in klinischen Studien eine hohe Wirksamkeit zeige und bei molekular definierten Subgruppen durch zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien teilweise zu einem signifikanten Überlebensvorteil führe.
Gleichzeitig gibt es im Versorgungsalltag Lücken: Noch vor wenigen Jahren blieb ein relevanter Anteil der Betroffenen ohne leitliniengerechte Testung zentraler Biomarker. Die etablierte Zentrenpyramide (Zertifizierungen, Spitzenzentren) sichere Strukturqualität, könne aber die wachsende Komplexität der NSCLC-Versorgung allein nicht mehr tragen, so Wolf. Als Kernfrage bleibt: Wie gelingt es, evidenzbasierte Innovationen „in die Breite“ zu bringen – mit gleichberechtigtem Zugang für alle Patienten?
Vor dem Hintergrund bestehender Defizite präsentierte PD Dr. Thomas Illmer das Nationale Netzwerk Genomische Medizin (nNGM) Lungenkrebs. Durch die enge Vernetzung zahlreicher Zentren mit Partnern aus Praxen und Kliniken wird ein breites, innovationsorientiertes molekulares Testangebot in der Erstlinie wie auch im Rezidiv gewährleistet.
Illmer betonte, dass eine Netzwerk-Teilnahme in Evaluationen mit einem Überlebensvorteil assoziiert sei, besonders bei molekular definierbaren Subgruppen mit zielgerichteter Therapie. Gleichzeitig blieb eine große Zahl von Kliniken außerhalb etablierter Qualitätsstrukturen, also weder in Netzwerken noch in zertifizierten Strukturen oder in spezialisierten Versorgungsmodellen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Datenhürden: Unterschiedliche Praxisverwaltungssysteme, regionale Patientenströme und fehlende Standardisierung erschweren die Datenerhebung und den Datenaustausch. Als Lösung empfehlen die Referenten eine einheitliche Dokumentationsbasis, die an Register, Tumorboards und Netzwerkstrukturen andocken kann (Interoperabilität). Gleichzeitig betonen sie: Ohne ausreichende personelle Ressourcen (z. B. Dokumentationsassistenz) und ohne nachhaltige Finanzierung wird es kaum gelingen, Projekte langfristig durchzuführen. Künstliche Intelligenz kann dazu beitragen, den Dokumentationsaufwand zu verringern.
Für die personalisierte NSCLC-Versorgung sei der standardisierte histo- und molekularpathologische Befund zentral – darauf wies Prof. Dr. Reinhard Büttner, hin. Um genügend Material für die spätere Sequenzierung zu erhalten, begrenzen Standardarbeitsanweisungen (SOPs) die Anzahl zusätzlicher Färbungen.
Büttner sprach auch über Mutationsspektren, Ko-Mutationen sowie über regionale Unterschiede. Zudem hat er KI in der digitalen Pathologie als Chance vorgestellt, komplexe Muster präzise zu klassifizieren und Prognosegruppen besser zu trennen.
Die Liquid Biopsy werde derzeit erstattet, wenn kein geeignetes Gewebe verfügbar sei oder eine Rebiopsie mit erhöhtem Risiko verbunden wäre. Perspektivisch gewinnt sie für die Überwachung der minimalen Resterkrankung (MRD) an Bedeutung, auch wenn diese Anwendung aktuell noch nicht regelhaft vergütet wird.
Nicoline Ehrhardt, ging auf die Bedeutung von Patient-Reported Outcomes (PROs) als Teil der modernen NSCLC-Versorgung ein. Angesichts längerer Überlebenszeiten und chronischer Nebenwirkungen wie Fatigue oder dermatologischer Beschwerden werde der Therapieerfolg zunehmend als Zusammenspiel von Tumorkontrolle und erhaltener Alltagsfunktion verstanden.
PROs fungierten dabei als Frühwarnsystem, verbesserten die Kommunikation, könnten die Zahl an Hospitalisierungen verringern und die Adhärenz fördern, so Ehrhardt. Als Barrieren nannte sie IT-Insellösungen, unklare Zuständigkeiten, komplexe Fragebögen und eine fehlende Rückkopplung der Ergebnisse. Mögliche Lösungsansätze sind digitale, krankheitsspezifische PROs, klar definierte Teamprozesse sowie die Nutzung der erhobenen Daten über Einzelfälle hinaus.