Multiples Myelom: BCMA-gerichtete Therapien gewinnen an Bedeutung

BCMA-gerichtete Therapien rücken beim multiplen Myelom bereits im frühen Rezidiv in den Fokus. Neue Studiendaten belegen verlängerte Remissionen – bei beherrschbarem Nebenwirkungsprofil.

Multiples Myelom: BCMA als Ansatz bei frühem Rezidiv

Beim multiplen Myelom wurde deutlich, dass moderne Erstlinienstandards, insbesondere Vierfachkombinationen, zu verlängerten Remissionsdauern führen. Statt einer kurzfristigen Krankheitskontrolle sollen möglichst lange Remissionen erreicht werden. Hier kommt dem B-cell maturation antigen (BCMA) eine Schlüsselrolle zu, insbesondere ab dem ersten Rezidiv – abhängig von Vorbehandlung, Zulassungssituation und individueller Patientenkonstellation.

Bei BCMA-gerichtete Therapieoptionen gibt es drei Prinzipien: CAR-T-Zell-Therapien mit hoher Wirksamkeit, aber erheblichen logistischen Anforderungen und Herstellungszeiten, bispezifische Antikörper, die eine schrittweise Aufdosierung zur Kontrolle von Immunreaktionen erfordern und bislang häufig erst nach mehreren Vortherapien eingesetzt werden, sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC).

ADC-basierte Therapien, insbesondere mit Belantamab Mafodotin, gelten als weniger aufwendig, da sie keine Zellherstellung und keine Step-up-Dosierung benötigen. Gleichzeitig erfordern sie jedoch ein strukturiertes Nebenwirkungsmanagement, vor allem in Hinblick auf okuläre Toxizitäten.

Für das ADC-basierte Triplet-Regime im frühen Rezidiv gibt es randomisierte Phase-III-Daten, etwa aus der DREAMM-7-Studie. Dort zeigte sich ein signifikanter Vorteil im progressionsfreien Überleben gegenüber einer etablierten Vergleichstherapie; publizierte Auswertungen berichten zudem einen klinisch relevanten Überlebensvorteil. Die Daten unterstreichen den Stellenwert BCMA-gerichteter Kombinationen bereits im frühen Rezidiv.

Nebenwirkungen: Steuerung statt Abbruch der Therapie

Zu den klinisch relevanten Nebenwirkungen gehören Thrombozytopenien, Infektionen und insbesondere okuläre Toxizitäten. Für die Praxis entscheidend ist ein konsequentes Management über Dosisanpassungen, Therapiepausen und gegebenenfalls eine Verlängerung der Therapieintervalle. Erfahrungen zeigen, dass sich okuläre Symptome unter diesen Maßnahmen häufig zurückbilden, ohne die Wirksamkeit zwingend zu beeinträchtigen.

Myelofibrose: Leitlinienfokus auf Molekulardiagnostik

Die Updates zur Myelofibrose orientierten sich an aktuellen Onkopedia-Empfehlungen. Die Erkrankung umfasst primäre und sekundäre Formen sowie die präfibrotische Myelofibrose. Neben klassischen Merkmalen wie Knochenmarkfibrose, Splenomegalie und Zytopenien werden konstitutionelle Symptome wie Nachtschweiß oder Gewichtsverlust zunehmend als relevante Prognosefaktoren berücksichtigt.

Besonders wichtig ist eine frühzeitige molekularen Diagnostik mittels Next-Generation-Sequencing sowie einer zytogenetischen Untersuchung, vor allem bei potenziell transplantationsfähigen Patienten. Hochrisiko-Mutationen können auch bei klinisch zunächst unauffälligem Verlauf mit einer deutlich schlechteren Prognose einhergehen. Moderne Scores integrieren klinische, molekulare und zytogenetische Parameter und unterstützen eine differenziertere Risikostratifizierung.

Therapeutisch bleiben JAK-Inhibitoren der zentrale Baustein zur Symptom- und Milzkontrolle. Ein Wirkverlust oder relevante Nebenwirkungen sollten frühzeitig erkannt werden, um gegebenenfalls auf alternative Substanzen mit anderem Nebenwirkungsprofil zu wechseln. Die allogene Stammzelltransplantation ist der einzig potenziell kurative Ansatz.

Pragmatischer Ansatz: Impfen unter Immunsuppression

Infektionen sind weiterhin ein wesentlicher Treiber von Morbidität und Mortalität unter modernen onkologischen Therapien, auch unter CAR-T-Zellen und bispezifischen Antikörpern. Ein relevanter Teil dieser Infektionen lässt sich prinzipiell durch Impfungen vermeiden. Wichtig sind die Erhebung des Impfstatus vor Therapiebeginn, die Einbeziehung des Umfelds und eine individuelle Festlegung des Impfzeitpunkts.

Ein pragmatischer Konsens: Totimpfstoffe werden auch unter laufender Therapie verabreicht. Zwar kann das immunologische Ansprechen reduziert sein, ein klinischer Nutzen ist dennoch möglich. Ein vollständiger Verzicht auf Impfungen wird als ungünstiger bewertet als ein möglicherweise abgeschwächtes Ansprechen.

Die wichtigsten Punkte

  • CMA-gerichtete Therapien haben sich beim multiplen Myelom als zentraler Baustein im frühen Rezidiv etabliert. Insbesondere Kombinationen zeigen das Potenzial für erneut längere Remissionen.
  • Okuläre Nebenwirkungen unter BCMA-ADC sind klinisch relevant, lassen sich in der Praxis jedoch häufig durch Dosisanpassungen, Therapiepausen und verlängerte Intervalle steuern.
  • Bei der Myelofibrose gewinnt die frühe molekulare Diagnostik an Bedeutung, da Hochrisiko-Mutationen die Prognose maßgeblich beeinflussen und therapeutische Weichenstellungen ermöglichen.
  • JAK-Inhibitoren bleiben der therapeutische Standard bei Myelofibrose; ein frühzeitiger Strategiewechsel bei Wirkverlust oder Unverträglichkeit kann klinisch sinnvoll sein.
  • Impfungen sind ein zentraler Bestandteil der Infektionsprävention und sollten auch unter laufender immunsuppressiver Therapie in der Regel durchgeführt werden, selbst wenn das Ansprechen eingeschränkt sein kann.
Quelle:
  1. 37. Deutscher Krebskongress (DKK), 18.-21. Februar 2026, CityCube, Berlin. GSK-Plenarsymposium-Multiples Myelom, Myelofibrose & Impfen: aktuelle Empfehlungen für Ihren Praxisalltag in der Niederlassung, 20. Februar 2026.