- 37. Deutscher Krebskongress (DKK), 18.-21. Februar 2026, CityCube, Berlin. GSK-Plenarsymposium-Multiples Myelom, Myelofibrose & Impfen: aktuelle Empfehlungen für Ihren Praxisalltag in der Niederlassung, 20. Februar 2026.
Beim multiplen Myelom wurde deutlich, dass moderne Erstlinienstandards, insbesondere Vierfachkombinationen, zu verlängerten Remissionsdauern führen. Statt einer kurzfristigen Krankheitskontrolle sollen möglichst lange Remissionen erreicht werden. Hier kommt dem B-cell maturation antigen (BCMA) eine Schlüsselrolle zu, insbesondere ab dem ersten Rezidiv – abhängig von Vorbehandlung, Zulassungssituation und individueller Patientenkonstellation.
Bei BCMA-gerichtete Therapieoptionen gibt es drei Prinzipien: CAR-T-Zell-Therapien mit hoher Wirksamkeit, aber erheblichen logistischen Anforderungen und Herstellungszeiten, bispezifische Antikörper, die eine schrittweise Aufdosierung zur Kontrolle von Immunreaktionen erfordern und bislang häufig erst nach mehreren Vortherapien eingesetzt werden, sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC).
ADC-basierte Therapien, insbesondere mit Belantamab Mafodotin, gelten als weniger aufwendig, da sie keine Zellherstellung und keine Step-up-Dosierung benötigen. Gleichzeitig erfordern sie jedoch ein strukturiertes Nebenwirkungsmanagement, vor allem in Hinblick auf okuläre Toxizitäten.
Für das ADC-basierte Triplet-Regime im frühen Rezidiv gibt es randomisierte Phase-III-Daten, etwa aus der DREAMM-7-Studie. Dort zeigte sich ein signifikanter Vorteil im progressionsfreien Überleben gegenüber einer etablierten Vergleichstherapie; publizierte Auswertungen berichten zudem einen klinisch relevanten Überlebensvorteil. Die Daten unterstreichen den Stellenwert BCMA-gerichteter Kombinationen bereits im frühen Rezidiv.
Zu den klinisch relevanten Nebenwirkungen gehören Thrombozytopenien, Infektionen und insbesondere okuläre Toxizitäten. Für die Praxis entscheidend ist ein konsequentes Management über Dosisanpassungen, Therapiepausen und gegebenenfalls eine Verlängerung der Therapieintervalle. Erfahrungen zeigen, dass sich okuläre Symptome unter diesen Maßnahmen häufig zurückbilden, ohne die Wirksamkeit zwingend zu beeinträchtigen.
Die Updates zur Myelofibrose orientierten sich an aktuellen Onkopedia-Empfehlungen. Die Erkrankung umfasst primäre und sekundäre Formen sowie die präfibrotische Myelofibrose. Neben klassischen Merkmalen wie Knochenmarkfibrose, Splenomegalie und Zytopenien werden konstitutionelle Symptome wie Nachtschweiß oder Gewichtsverlust zunehmend als relevante Prognosefaktoren berücksichtigt.
Besonders wichtig ist eine frühzeitige molekularen Diagnostik mittels Next-Generation-Sequencing sowie einer zytogenetischen Untersuchung, vor allem bei potenziell transplantationsfähigen Patienten. Hochrisiko-Mutationen können auch bei klinisch zunächst unauffälligem Verlauf mit einer deutlich schlechteren Prognose einhergehen. Moderne Scores integrieren klinische, molekulare und zytogenetische Parameter und unterstützen eine differenziertere Risikostratifizierung.
Therapeutisch bleiben JAK-Inhibitoren der zentrale Baustein zur Symptom- und Milzkontrolle. Ein Wirkverlust oder relevante Nebenwirkungen sollten frühzeitig erkannt werden, um gegebenenfalls auf alternative Substanzen mit anderem Nebenwirkungsprofil zu wechseln. Die allogene Stammzelltransplantation ist der einzig potenziell kurative Ansatz.
Infektionen sind weiterhin ein wesentlicher Treiber von Morbidität und Mortalität unter modernen onkologischen Therapien, auch unter CAR-T-Zellen und bispezifischen Antikörpern. Ein relevanter Teil dieser Infektionen lässt sich prinzipiell durch Impfungen vermeiden. Wichtig sind die Erhebung des Impfstatus vor Therapiebeginn, die Einbeziehung des Umfelds und eine individuelle Festlegung des Impfzeitpunkts.
Ein pragmatischer Konsens: Totimpfstoffe werden auch unter laufender Therapie verabreicht. Zwar kann das immunologische Ansprechen reduziert sein, ein klinischer Nutzen ist dennoch möglich. Ein vollständiger Verzicht auf Impfungen wird als ungünstiger bewertet als ein möglicherweise abgeschwächtes Ansprechen.