Ovarialkarzinom: Neue Impulse bei Platinresistenz

Aktuelle Studiendaten zeigen ermutigende Signale in ausgewählten Subgruppen. ADCs und biomarkerbasierte Strategien gewinnen weiter an Bedeutung.

Platinresistenz: neue Signale, aber differenzierte Bewertung erforderlich

Ein Schwerpunkt lag auf der weiterhin herausfordernden Situation der platinresistenten Erkrankung. Mehrere Referenten verwiesen auf neuere Studien, die in ausgewählten Patientenkollektiven erstmals wieder positive Signale zeigen. Berichtet wurde über einen Vorteil im progressionsfreien Überleben unabhängig vom PD-L1-Status sowie über Hinweise auf einen Gesamtüberlebensvorteil in PD-L1-positiven Subgruppen. Entscheidend für die Bewertung ist die zugrunde liegende Patientenpopulation, da die Daten größtenteils aus Studien mit wenigen Vortherapien stammen.

Als mögliche Erklärung für Unterschiede zu früheren, häufig negativen Immuntherapie-Studien haben die Referenten unter anderem der Einsatz wöchentlich applizierter Taxane diskutiert, denen immunmodulatorische Effekte zugeschrieben werden. Auch Kombinationen mit antiangiogenen Substanzen wie Bevacizumab könnten das Tumormikromilieu beeinflussen. Für einzelne Kombinationen liegt in den USA bereits eine regulatorische Anerkennung vor, während eine allgemeine Etablierung als Standard beim platinresistenten Ovarialkarzinom auf spezifische Subgruppen begrenzt bleibt.

Ergänzend haben die Referenten frühe klinische Daten zu einem selektiven Glukokortikoidrezeptor-Antagonisten vorgestellt, der in einer späten platinresistenten Situation einen signifikanten Vorteil im progressionsfreien Überleben zeigte. Diese Ergebnisse sind als Phase-II-Signal zu werten und bedürfen einer Bestätigung in größeren Studien.

ADC: Etablierung und nächste Entwicklungsstufe

Einen breiten Schwerpunkt bildeten Antikörper‑Wirkstoff‑Konjugate, die sich in den vergangenen Jahren zu einer bedeutenden Wirkstoffklasse beim Ovarialkarzinom entwickelt haben. Folatrezeptor-α-gerichtete ADCs sind inzwischen klinisch etabliert, ihre Wirksamkeit ist jedoch eng an eine ausreichende Target-Expression gekoppelt.

Darüber hinaus untersuchen Forschergruppen weitere potenzielle Targets. Der Konsens der Diskussion beim Kongress: ADCs erweitern die therapeutischen Optionen insbesondere in der Rezidivsituation, ihre optimale Nutzung erfordert jedoch eine konsequente biomarkerbasierte Patientenselektion und eine durchdachte Sequenzierung.

Personalisierung: PARP-Inhibitoren und neue Biomarkern

Als bislang erfolgreichstes Beispiel für Personalisierung gelten PARP-Inhibitoren. Der klinische Nutzen ist vor allem bei BRCA1/2-mutierten Tumoren und bei homologer Rekombinationsdefizienz ausgeprägt. In der platinresistenten Situation rücken nun zunehmend rezeptor- und biomarkerbasierte Ansätze in den Vordergrund, etwa bei folatrezeptorabhängigen ADCs.

Auf der Forschungsseite haben Referenten neue Mechanismen der Platinresistenz vorgestellt, darunter die Rolle von Metalloproteasen sowie extrazellulären Vesikeln im Aszites, die resistenzvermittelnde Signale transportieren können. Diese Erkenntnisse stammen überwiegend aus präklinischen Modellen, liefern aber wichtige Ansatzpunkte für zukünftige Therapiestrategien. Ebenfalls in der präklinischen Phase befinden sind bispezifische Antikörper, die über eine Folatrezeptor-α-Bindung eine gezielte Immunaktivierung ermöglichen sollen.

Qualität der Versorgung: Struktur schlägt Fallzahl

Ein weiterer Themenblock widmete sich der chirurgischen Qualität und den Versorgungsstrukturen. Analysen aus zertifizierten gynäkologischen Krebszentren haben gezeigt: Im frühen Stadium ist ein vollständiges chirurgisches Staging prognostisch relevant, im fortgeschrittenen Stadium bleibt die makroskopische Tumorfreiheit der entscheidende Qualitätsindikator.

Zwar zeigte sich bei sehr niedrigen Fallzahlen ein negativer Effekt, vor allem beim frühen Ovarialkarzinom. Für fortgeschrittene Stadien fanden Wissenschaftler eine hohe Rate makroskopischer Tumorfreiheit – weitgehend unabhängig von Volumenschwellen. In der Diskussion wurde betont, dass klar strukturierte Prozesse, multidisziplinäre Teams und eine konsequente Leitlinienadhärenz entscheidend seien.

Real-World-Evidenz: Ergänzung, kein Ersatz für randomisierte Studien

Abschließend wurde die Rolle von Real-World-Evidenz diskutiert. Routinedaten und Register ermöglichen Einblicke in die Versorgungsrealität, die randomisierte Studien nur begrenzt abbilden. Besonders betont wurde die Patientensicht: Langzeitüberlebende berichten auch Jahre nach Therapieende häufig über Fatigue, Polyneuropathien und kognitive Einschränkungen. Nicht-interventionelle Langzeitstudien liefern hierzu wichtige Ergänzungen, ersetzen randomisierte Studien jedoch nicht.

Die wichtigsten Punkte

  • Platinresistenz bleibt die größte Herausforderung; es gibt jedoch vielversprechende Signale aus Studien mit bestimmten Patientenkollektiven.
  • Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) etablieren sich als neue Wirkstoffklasse.
  • Personalisierung ist beim Ovarialkarzinom klinische Realität, angefangen bei PARP-Inhibitoren (BRCA/HRD) bis hin zu rezeptorabhängigen Therapien.
  • Versorgungsqualität wird nicht allein durch Fallzahlen bestimmt: Entscheidend sind strukturierte Zentren, multidisziplinäre Teams und konsequente Leitlinienumsetzung.
  • Real-World-Evidenz ergänzt randomisierte Studien sinnvoll, indem sie Versorgungsrealität, Langzeittoxizitäten und Patient-Reported Outcomes sichtbar macht, ersetzt diese jedoch nicht.

Fazit

Fortschritte beim Ovarialkarzinom entstehen vor allem dort, wo neue Wirkstoffklassen mit konsequenter Personalisierung und hoher Versorgungsqualität zusammenkommen. Biomarker, strukturierte Zentren und Real-World-Daten sind dabei keine Konkurrenz zu klassischen Studien, sondern deren notwendige Ergänzung für eine praxisnahe Weiterentwicklung der Therapie.

Quelle:
  1. 37. Deutscher Krebskongress (DKK), 18.-21. Februar 2026, CityCube, Berlin. Ovarialkarzinom ‒ neue Ansätze durch individualisierte Behandlung, 19. Februar 2026.