Beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom rückt die biomarkerbasierte Therapieindividualisierung zunehmend in den Fokus. Die Erhaltungstherapie nach Operation und Chemotherapie wird nicht länger nach dem klassischen „One-Size-Fits-All“-Prinzip gewählt, sondern orientiert sich an BRCA-Mutationen, homologer Rekombinationsdefizienz (HRD) und Patientinnenfaktoren wie Resilienz, Komorbiditäten und Tumorlast.
Die Entscheidung, ob eine PARP-Monotherapie oder eine Kombination mit Bevacizumab sinnvoll ist, hängt maßgeblich von diesen Biomarkern ab. Studien wie Solo-1, Prima, Athena-Mono und Paola-1 zeigen, dass BRCA-mutierte und HRD-positive Tumoren besonders gut auf PARP-Inhibitoren ansprechen, während bei HRD-negativen Tumoren die Datenlage noch begrenzt ist und Bevacizumab eine relevante Option bleibt.
Neben der Wahl der Substanz spielt das Nebenwirkungsmanagement eine entscheidende Rolle, um Therapieabbrüche zu vermeiden. Hämatologische Toxizitäten, Übelkeit oder Fototoxizität lassen sich durch Monitoring, individuelle Dosisanpassung und gezielte Aufklärung effektiv steuern. PARP-Inhibitoren zeigen generell eine hohe Compliance, allerdings bleibt eine sorgfältige Begleitung der Patientinnen entscheidend für den Therapieerfolg.
Auch die operative Strategie bleibt ein eigenständiger Faktor: primäre Zytoreduktion oder neoadjuvante Chemotherapie mit Intervall-OP werden weiterhin anhand von Tumorausbreitung, Patientinnen-Fitness und Komorbiditäten entschieden. Die Erhaltungstherapie wird dann biomarkerbasiert aufgesetzt, unabhängig davon, welcher chirurgische Weg gewählt wurde.
Dieses Interview vermittelt eine aktuelle Übersicht über die Studienlage, zeigt die Bedeutung von BRCA- und HRD-Status für die Therapieentscheidung und beleuchtet praxisrelevante Aspekte der Erhaltungstherapie. Damit wird deutlich, dass die klassische „Watch-and-Wait“-Strategie nach Chemotherapie weitgehend der Vergangenheit angehört und die Behandlung heute individualisiert und evidenzbasiert erfolgt.