Psoriasis und Psoriasis-Arthritis: Was die duale IL-17A/F-Hemmung leistet

Der direkte Vergleich mit einem IL-23-Hemmer bei Psoriasis-Arthritis, Langzeit- und Praxisdaten bei Psoriasis: Was die duale IL-17A/F-Hemmung leistet und wo die Daten Grenzen haben.

Zwei Zytokine, mehrere Quellen

Die Interleukine IL-17A und IL-17F zählen zu den zentralen Treibern der Entzündung bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis (PsA). In Gewebeproben aus Psoriasis-Plaques lag die Konzentration von IL-17F sogar deutlich höher als die von IL-17A.

Gebildet werden beide Zytokine nicht nur von IL-23-abhängigen Th17-Zellen, sondern auch von angeborenen Immunzellen wie γδ-T-Zellen, MAIT-Zellen und ILC3. Die Mehrheit der gewebsständigen Gedächtnis-T-Zellen (TRM) trägt keinen IL-23-Rezeptor. Eine IL-23-Hemmung erfasst damit nur einen Teil der IL-17-Quellen.

Erste In-vitro-Daten zu Bimekizumab

Die TRM-Zellen werden mit dem Wiederauftreten von Plaques an denselben Hautstellen in Verbindung gebracht. Im Symposium gezeigten In-vitro-Daten zufolge normalisierte Bimekizumab, das sowohl IL-17A als auch IL-17F bindet, die Gensignaturen dieser Zellen und unterdrückte mehr entzündliche Gene als die alleinige Hemmung eines der beiden Zytokine. Ob sich daraus klinisch weniger Rezidive ergeben, ist offen.

Neu bei PsA: Bimekizumab gegen Risankizumab

Neu sind Ergebnisse der Phase-IIIb-Studie BE BOLD, eines direkten Vergleichs von Bimekizumab mit Risankizumab bei aktiver PsA. Nach 16 Wochen erreichten 49 % unter Bimekizumab ein ACR50 gegenüber 38 % unter Risankizumab; der primäre Endpunkt war damit erreicht.1 Beim ersten hierarchisch getesteten sekundären Endpunkt, der minimalen Krankheitsaktivität (MDA), war der Unterschied jedoch nicht statistisch signifikant, weitere Endpunkte wurden deshalb nur deskriptiv ausgewertet. Candida-Infektionen traten unter Bimekizumab häufiger auf, ansonsten waren die Sicherheitsprofile vergleichbar.

Lässt sich eine PsA durch frühe Therapie verhindern?

Bis zu 30 % der Menschen mit Psoriasis entwickeln eine PsA, häufig über eine subklinische Phase mit Arthralgien oder bildgebend nachweisbarer Entzündung. Offen ist, ob eine frühe Biologika-Therapie den Übergang verhindern kann. In einer Beobachtungsstudie hatten 26 % der Patientinnen und Patienten ohne Biologikum eine PsA, aber nur 9 % unter TNF-, 6 % unter IL-23- und 2 % unter IL-17-Hemmern.2 Die Biologika-Gruppen waren jedoch klein, und ein protektiver Effekt lässt sich aus Beobachtungsdaten nicht ableiten.

Für die Praxis wichtig sind die klinischen Risikofaktoren einer PsA: Kopfhaut- und Nagelbefall, eine schwere Psoriasis und Adipositas. Ob eine frühe, wirksame Therapie bei diesen Risikoprofilen einer PsA vorbeugt, ist nicht untersucht.

Praxisdaten unter Bimekizumab: Bestes Ansprechen ohne Vortherapie

Prof. Dr. Alexander Zink von der Technischen Universität München stellte die Real-World-Studie ELEVATE mit 557 Patientinnen und Patienten vor. Nach 52 Wochen erreichten 61 % ein PASI 100, ohne systemische Vortherapie 74 %, nach konventioneller Systemtherapie 57 % und nach Biologika 54 %.3 Da es sich nicht um einen randomisierten Vergleich handelt, belegen die Daten keinen kausalen Vorteil einer frühen Therapie.

Im britischen Register BADBIR lag bei 435 Behandelten mit mindestens sechs Monaten Nachbeobachtung die geschätzte Wahrscheinlichkeit, Bimekizumab nicht wegen unzureichender Wirkung abzusetzen, nach zwei Jahren bei 93 %, nach Biologika-Vorbehandlung bei 91 %.4 Abbrüche aus anderen Gründen, etwa wegen Nebenwirkungen, wurden dabei nicht als Ereignis gewertet.

Sicherheit: Candida im Blick behalten

In den gepoolten Psoriasis-Studien sank die expositionsbereinigte Rate unerwünschter Ereignisse mit der Behandlungsdauer. Orale Candidosen traten im ersten Jahr mit 19 Ereignissen pro 100 Patientenjahre auf, im vierten Jahr mit 5,4. Über bis zu fünf Jahre ergaben sich keine neuen Sicherheitssignale.5,6 Infektionen der oberen Atemwege und orale Candidosen nennt die Fachinformation unter den besonderen Warnhinweisen. Patientinnen und Patienten sollten deshalb auf Symptome einer Candidose hingewiesen werden.

Quellen
  1. McInnes IB, et al. BE BOLD. Late-breaking Abstract, EULAR 2026, London.
  2. Floris A, et al. Treatment of psoriasis with different classes of biologics reduces the likelihood of peripheral and axial psoriatic arthritis development. Rheumatology (Oxford). 2025;64:1131–1137.
  3. Thaçi D, et al. ELEVATE. EADV Congress 2026, Poster P1186.
  4. Hunter HJA, et al. BADBIR. EADV Congress 2026, Poster P1210.
  5. Blauvelt A, et al. AAD Annual Meeting 2025, Presentation 62275.
  6. Gordon KB, et al. AAD Annual Meeting 2024, Presentation 52671.
  7. EADV Congress 2026, 30. September bis 3. Oktober 2026, Wien. Von UCB gesponsertes Symposium zu Bimekizumab bei Psoriasis und HS, 2. Oktober 2026. Vorträge von Laura Savage, Angelo Marzano und Alexander Zink.