Rosazea im Wandel: Neue Trigger, Targets und Therapien

EADV 2026: Die Behandlung der Rosazea entwickelt sich weiter und wird zunehmend individueller.

Exposom, Mikrobiom und Komorbiditäten im Fokus

Das Exposom mit seinen verschiedenen extrinsischen und intrinsischen Triggern spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Rosazea, so Katerina Grafanaki. Nicht nur genetische, immunologische und hormonelle Trigger sind von Bedeutung, sondern zunehmend auch äußere Einflüsse wie etwa UV-Strahlung, Klima und andere Umwelt- und Lebensstilfaktoren.

Auch die Ernährung wird als möglicher Einflussfaktor thematisiert. Patienten mit Rosazea wird eine pflanzenbasierte Ernährung empfohlen. Stark verarbeitete Produkte, Fleisch, zuckerhaltige Getränke, Süßspeisen und verarbeitetes Getreide sollten hingegen vermieden werden.

Eine weitere mögliche Verbindung besteht zum Mikrobiom. Demodexmilben stehen hier im Fokus der aktuellen Forschung. In einer kleinen randomisierten Studie mit 60 Patienten verbesserte sich das Hautbild nach einer Therapie mit Doxycyclin und Probiotika, was auf einen möglichen Einfluss des Mikrobioms hinweist.

Bei den Komorbiditäten hob Grafanaki drei Erkrankungsgruppen hervor: Migräne, entzündliche Darmerkrankungen (IBD) und das Reizdarmsyndrom (IBS) sowie Depression, Angststörung und Stress.

Nahrungsergänzungsmittel als mögliche Trigger

Die verschiedenen Wechselwirkungen der gängigen Therapien bei Rosazea mit anderen Medikamenten erklärte Giovanni Damiani. Vor Beginn einer Behandlung sollte deshalb die bestehende Medikation des Patienten sorgfältig überprüft werden.

Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln ist Vorsicht geboten, da sie sich als mögliche Trigger der Erkrankung herausgestellt haben. Dazu zählen neben oralem Vitamin B3 auch orale Vitamine B6 und B12.

Laser- und Lichttherapie gezielt einsetzen

In der Diagnostik, im Monitoring und in der Therapie spielen energiebasierte Geräte (energy‐based devices, EBDs) zunehmend eine Rolle, wie Alin Laurentiu Tatu berichtete. Das sogenannte MALDI-TOF (Matrix-Assisted Laser Desorption/Ionization Time-of-Flight) ist ein massenspektrometrisches Verfahren zur Identifikation von Erregern. Mit dieser Methode konnten Tatu  und sein Team unter anderem Bacillus pumilus, einen Endosymbionten von Demodex isolieren.

Zur Diagnostik und zum Monitoring können Reflectance Confocal Microscopy (RCM), Optical Coherence Tomography (OCT) und Line-Scan Optical Coherence Tomography (LC-OCT) eingesetzt werden. Diese nichtinvasiven bildgebenden Verfahren werden zunehmend bei entzündlichen Dermatosen wie der Rosazea zur Verlaufskontrolle verwendet.

Zur Therapie der Rosazea stehen diverse Laser- bzw. Lichttherapien zur Verfügung. IPL (Intense Pulsed Light) ist eine dieser Therapieformen und scheint nach neuen Erkenntnissen zusammen mit einer topischen Therapie mit Ivermectin oder Metronidazol bessere Ergebnisse zu erzielen.

Nach Einstellung der Rosazea mittels medikamentöser Therapie (topisch/systemisch) kann nach Stabilisierung der Erkrankung eine Behandlung des Erythems und der feinen Teleangiektasien mittels IPL oder PDL (Pulsed Dye Laser) erfolgen, wie Tatu empfiehlt.

Der Nd:YAG-Laser hingegen sollte für tiefe Gefäße zum Einsatz kommen, während ablative Verfahren der Behandlung der phymatösen Rosazea vorbehalten sind.

Auf dem Weg zur personalisierten Rosazea-Therapie

Bei der Rosazea bieten sich aufgrund der verschiedenen Symptome Kombinationstherapien an, so Martin Steinhoff. Beispielsweise können Brimonidin und Ivermectin zusammen topisch verabreicht werden, was zu einer additiven Wirkung in einer Studie führte. Auch kann topisches Ivermectin zusammen mit oralem Doxycyclin mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (modified release) kombiniert werden, wodurch sich die Wirkung laut Studien verstärkt.

Auch potenzielle zukünftige Therapien der Rosazea wurden vorgestellt. Hier scheinen vor allem die JAK-Inhibitoren ein vielversprechendes Potenzial bei refraktärer Rosazea aufzuweisen, da die STAT3-Expression (Signal Transducer and Activator of Transcription 3) bei Patienten mit Rosazea erhöht ist.

Auch der mTOR-Signalweg (mechanistic Target of Rapamycin) rückt als mögliches therapeutisches Ziel in den Fokus. Azithromycin und topisches Rapamycin wirken auf diesen Signalweg und werden bei Rosazea erprobt.

Bei einigen Patienten kann außerdem Rifaximin eine Linderung der Rosazea bewirken. Diese Patienten haben eine Dünndarmfehlbesiedlung gemeinsam, auch als SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) bezeichnet.

Tirzepatid, ein dualer Inkretin-Rezeptoragonist, der gleichzeitig an den Rezeptoren von GLP-1 (Glucagon-like peptide-1) und GIP (Glucose-dependent insulinotropic polypeptide) ansetzt, zeigte bei einer weiblichen Patientin mit Diabetes mellitus Typ 2 und Rosazea auch eine Besserung der Hautsymptome.

Erenumab, ein monoklonaler Antikörper, der bei Migräne zugelassen ist, zeigte in einer kleinen Studie erste Erfolge bei der Behandlung von schweren Rötungen (Erythemen) und Hitzewallungen (Flushing) durch Rosazea.

Auch Specnuezhenid (Spe) ist ein vielversprechender neuer Wirkstoffkandidat zur Behandlung von Rosazea. Spe bindet als Inhibitor an die Protease Kallikrein-5 (KLK5), die bei Rosazea-Patienten überaktiviert ist.

Die Rosazea-Therapie ist damit zunehmend auf dem Weg zu einem individuelleren, phänotypbasierten Therapieansatz, so Steinhoff.

Quellen
  1. Katerina Grafanaki, Giovanni Damiani, Alin Laurentiu Tatu, Martin Steinhoff. Rosacea session (Session ID D1T06.2), EADV Congress 2026, Virtual/Vienna, 30 Sept 2026, 16:00–17:30 CEST.