Die Forschungsgruppe um Prof. Chasset veröffentlichte 2026 einen therapeutischen Algorithmus, den Prof. Nikolić beim EADV in Wien vorstellte. Ziel ist eine Remission der Erkrankung und eine Verbesserung der Lebensqualität. Organschäden und ein Progress des kutanen Lupus erythematodes (CLE) zum systemischen Lupus erythematodes (SLE) sollen verhindert werden.
Allgemeinmaßnahmen wie ein konsequenter UV-Schutz mit zusätzlicher Vitamin-D-Supplementierung sind unabhängig vom Subtyp der Erkrankung ebenso essenziell wie ein Nikotinverzicht.
„Lupus-Mimicker“ wie Rosazea oder Dermatomyositis sollten ausgeschlossen und extrakutane Manifestationen, Komorbiditäten, Schwangerschaft und Stillzeit erfasst werden. Dann erfolgt die Typisierung der Erkrankung mittels unterschiedlicher spezifischer Biomarker.
Therapie des isolierten CLE
First-Line-Therapie
Bei mildem CLE bilden topische Kortikosteroide die Basistherapie. Alternativ können Calcineurin-Inhibitoren eingesetzt werden. Tacrolimus 0,1 % zeigte insbesondere bei ödematösem CLE gute Effekte, war bei Hyperkeratose und Narbenbildung jedoch weniger wirksam. Ergänzend können bei manchen Erkrankten R-Salbutamol 0,5 % und Kryo- oder Lasertherapien von Teleangiektasien hilfreich sein.
Bei unzureichendem Ansprechen wird mit 5 mg/kg/KG Hydroxychloroquin (HCQ) täglich oder Chloroquin (CQ) mit 2,4 mg/kg/KG täglich begonnen. HCQ sei aufgrund der Nebenwirkungen zu bevorzugen. Nikolić betonte, dass vor Therapiebeginn eine ophthalmologische Untersuchung zum Ausschluss einer Retinopathie erfolgen und anschließend jährlich wiederholt werden soll. Reicht eine Monotherapie nicht aus, kann Quinacrin 100 mg/Tag ergänzt oder bei diagnostizierter Retinopathie als Monotherapie eingesetzt werden.
Bei moderatem bis schwerem Verlauf oder erhöhtem Narbenrisiko können kurzfristig systemische Glukokortikoide ergänzt werden. Prof. Nikolić präferierte Methylprednisolon i.v. 0,5–1 g für maximal drei Tage, alternativ Prednisolon 0,5–1 mg/kg/KG täglich oral für maximal vier Wochen. Bei Lupus panniculitis können höhere Dosen über längere Zeit erforderlich sein. Bei fehlendem Ansprechen sollte die Therapieadhärenz mittels Spiegelbestimmung überprüft werden; für HCQ gilt ein Zielbereich von 750–1150 ng/ml im Vollblut.
Second- und Third-Line-Therapie
Bei mildem SCLE ohne Narbenrisiko können Methotrexat (MTX), Dapson oder Retinoide in Kombination mit Antimalariamitteln eingesetzt werden. Topische Retinoide wie Tazaroten 0,05 % oder Tretinoin 0,025 % zeigen insbesondere bei hypertrophem diskoidem CLE gute Ergebnisse. Systemische Retinoide wie Acitretin, Isotretinoin oder Alitretinoin kommen bei hyperkeratotischem CLE und SCLE infrage.
MTX in einer Dosierung von 12–25 mg einmal wöchentlich erreichte eine CLASI-50-Response von etwa 46 % beim DLE und 72 % beim SCLE.
Dapson ist First Line Therapie beim bullösen Lupus erythematosus und erreicht dort eine Response von bis zu 90 %. Beim refraktären CLE kann es als Second Line eingesetzt werden und zeigte bei SCLE eine Verbesserung von 75 %, beim DLE von 60 %. Es ist das einzige Second-Line-Therapeutikum, welches auch während Schwangerschaft und Stillzeit gegeben werden kann. Begonnen wird mit 50 mg/Tag, die Maximaldosis liegt bei 1,5 mg/kg/KG, beziehungsweise maximal 150 mg täglich.
Prof. Nikolić betonte die guten Ergebnisse unter Mycophenolat mofetil (MF), das in den EULAR/ACR-Empfehlungen von 2023 als Second-Line-Therapie berücksichtigt ist und bei verschiedenen Subtypen des CLE eine CLASI-50-Response bis zu 70 % erreicht. Eingesetzt werden 2000–3000 mg/Tag, aufgeteilt auf zwei Dosen.
Bei moderatem bis schwerem SCLE, erhöhtem Narbenrisiko oder refraktärem CLE kommen Biologika zum Einsatz.
Thalidomid wird mit 50–100 mg/Tag begonnen und anschließend schrittweise reduziert. Es wirkt rasch und effizient bei verschiedenen CLE-Subtypen, ist aber durch hohe Kosten, Teratogenität und schwere Nebenwirkungen wie periphere Neuropathie und thromboembolische Ereignisse limitiert. Lenalidomid zeigte bei 5 mg/Tag mit CLASI-50-Raten von 80–88 % eine gute Wirksamkeit bei günstigerem Nebenwirkungsprofil. Beide Substanzen sollten in der niedrigsten wirksamen Erhaltungsdosis eingesetzt werden, um eine Balance zwischen der Verhinderung von Krankheitsschüben und toxischen Effekten zu finden, wie von der Vorrednerin Prof. Jolanska empfohlen wurde.
Alternativ sollte die Teilnahme an Studien zu Antikörpertherapien, beispielsweise mit Anifrolumab, erwogen werden.
Therapie des SLE
Der vorgestellte Therapiealgorithmus des SLE ist grundsätzlich ähnlich. Glukokortikoide können längerfristig erforderlich sein, angestrebt wird jedoch eine Erhaltungsdosis von <5 mg/Tag. Biologika haben beim SLE einen höheren Stellenwert. Anifrolumab und Belimumab stehen als Second-Line-Therapien neben MTX und MMF an erster Stelle; Lenalidomid ist als Third-Line-Therapie aufgeführt.
Biologika und neue Therapieansätze
Anifrolumab, ein monoklonaler Antikörper gegen den Typ-1-Interferonrezeptor IFNAR1, ist zur Behandlung des SLE bereits zugelassen und zeigt auch bei CLE vielversprechende Forschungsergebnisse. Belimumab, ein gegen BLyS gerichteter Antikörper, reduzierte in Phase-III-Studien die SLE-Aktivität und verlängerte die Zeit bis zum Schub signifikant. Auch bei Lupusnephritis zeigte es als Ergänzung zur Basistherapie eine gute Wirksamkeit.
Zahlreiche weitere zielgerichtete Therapien befinden sich in klinischer Entwicklung, darunter pDC-gerichtete Therapien, JAK/STAT- und TLR7/8-Inhibitoren sowie Antikörper gegen Interferon-Signalwege. Prof. Nikolić hob besonders Enpatoran hervor, ein TLR7/8-Inhibitor, der in Studien CLASI-50-Raten von bis zu 91,3 % erreichte und von der FDA als Durchbruch in der Therapie des Lupus erythematodes bezeichnet wurde.
Fazit
Antimalariamittel bleiben die systemische First-Line- und Langzeittherapie des Lupus erythematodes. Sie können die Progression von CLE zu SLE verhindern sowie Remissionsraten verbessern und Haut- und Organschäden reduzieren. Glukokortikoide sind insbesondere bei schwerer kutaner Erkrankung, fehlendem Therapieansprechen und SLE relevant. Neben zahlreichen topischen Optionen gewinnen Biologika zunehmend an Bedeutung und etablieren sich bereits insbesondere in der SLE-Therapie.
- https://eadvcongress.virtual-meeting.org/programme/session/6767?view=list&segment=sessions&sort=starts_at&is_on_demand=1&q=lupus+er Letzter Zugriff 05.10.2026 12:55 Uhr
- https://www.medmedia.at/faktenrheumatologie/lupus-erythematodes-deutliche-fortschritte-mit-viel-luft-nach-oben/ Letzter Zugriff 05.10.2026 12:55 Uhr
- https://www.springermedizin.de/mycophenolat-mofetil/lupus-erythematodes/erfolgreicher-einsatz-von-anifrolumab-bei-chronisch-diskoidem-lu/52291212 Letzter Zugriff 05.10.2026 12:55 Uhr