Ihr Wegweiser durch den EHA-Kongress 2026

Vom 11. bis 14. Juni 2026 findet in Stockholm der internationale Kongress der Hämatologie statt. Um Ihnen die Orientierung im umfangreichen Programm zu erleichtern, haben wir einige spannende Sitzungen für Sie zusammengestellt.

Die Presidential Sessions: Der Blick auf das große Ganze

Die Präsidialsitzungen bündeln traditionell die strategischen Entwicklungen des Faches und werfen einen Blick auf die übergeordneten Trends in Forschung und klinischer Versorgung.

Presidential Session I (Freitag, 12. Juni 2026, 12:00 – 13:30 Uhr)

Den Auftakt bildet Prof. Franck Bourdeaut (Frankreich) mit einem Vortrag zur Krebsprädisposition bei Kindern und Jugendlichen. Anschließend beleuchtet Prof. Sonja Zweegman (Niederlande) regulatorische Zulassungen und neuartige Studienendpunkte – mit Lerneffekten aus der Entwicklung von Therapien des Multiplen Myeloms. Eine Sitzung, die zeigt, wie methodische Innovationen der Myelom-Forschung als Blaupause für andere Entitäten dienen können.

Presidential Session II & Closing (Sonntag, 14. Juni 2026, 12:30 – 14:00 Uhr)

Zum Abschluss erwartet die Teilnehmenden ein hochkarätiges Trio: Prof. Lars Bullinger (Deutschland) bietet mit „From gene profiles to therapy profiles – a quarter century of molecular hematology" einen retrospektiv-prospektiven Blick auf 25 Jahre molekulare Hämatologie. Es folgt Prof. Florent Ginhoux (Frankreich) zu Makrophagen als „Guardians and culprits" – ein faszinierender Einblick in die Doppelrolle dieser Immunzellen. Den Abschluss übernimmt Prof. Pratima Chowdary (Vereinigtes Königreich) mit der Zukunft der Hämophilieversorgung im Zeitalter der personalisierten Medizin.

Lymphome im Fokus

Aggressive lymphomas (Donnerstag, 11. Juni 2026, 15:00 – 16:30 Uhr, Nobel Hall)

Unter dem Vorsitz von Dr. Dan Hodson (Cambridge) widmet sich diese Sitzung den aggressiven B-Zell-Lymphomen. Stefano Casola (Mailand) präsentiert neue Erkenntnisse zum BCR im hochgradigen B-Zell-Lymphom, Florian Scherer (Freiburg) beleuchtet die Rolle der ctDNA bei aggressiven B-Zell-Lymphomen inklusive ZNS-Manifestationen, und Wendy Osborne (Newcastle) diskutiert die Therapie des Rezidivs.

First line treatment in Hodgkin lymphoma (Donnerstag, 11. Juni 2026, 15:00 – 15:45 Uhr, A7 Hall)

Ein Pflichttermin für alle Lymphom-Behandler: In dieser kompakten Sitzung unter Leitung von Dr. Alexander Fosså (Oslo) treffen die beiden derzeit relevantesten Erstlinienkonzepte aufeinander. Bastian von Tresckow (Essen) vertritt das Nivo-AVD-Konzept, Graham Collins (Oxford) das BRECADD-Schema – gefolgt von einer Debatte unter Moderation von Alexander Fosså.

Hodgkin lymphoma (HL) – Oral Session (Freitag, 12. Juni 2026, 17:15 – 18:30 Uhr, K1)

Diese Oral Session präsentiert neue Studiendaten. Besonders interessant: die randomisierte Phase-2-KEYFORM-008-Studie zu koformuliertem Favezelimab/Pembrolizumab versus Chemotherapie beim rezidivierten oder refraktären klassischen Hodgkin-Lymphom (Guilherme Perini, São Paulo) sowie die Finalanalyse der GHSG-HD21-Älteren-Kohorte zu PET-gesteuertem BRECADD bei älteren Patienten mit fortgeschrittenem klassischem Hodgkin-Lymphom (Justin Ferdinandus, Köln). Spannend ist zudem die Phased-Seq-basierte ctDNA-MRD-Diagnostik als Komplement zum PET/CT und Prädiktor des Therapieversagens (Jan Lukas Boegeholz, Zürich).

CLL nach cBTKi

Optimizing the Therapeutic Toolbox in CLL Following cBTKi Therapy (Freitag, 12. Juni 2026, 10:00 – 11:30 Uhr, A4 Hall)

Die kovalenten BTK-Inhibitoren haben die CLL-Therapie stark verändert – doch was kommt danach? Unter dem Vorsitz von Clemens Wendtner (Deutschland) wird die aktuelle Rezidiv-/refraktäre CLL-Landschaft im Lichte der aktualisierten EHA-Leitlinien beleuchtet. Es folgen Vorträge zu mechanistischen Einblicken in die BTKi-Therapie (Giorgio Minotti, Italien) und zur Therapieauswahl nach cBTKi (Catherine Coombs, USA). Den Abschluss bilden multidisziplinäre Fallbesprechungen.

Multiples Myelom

Advances in Bispecific Antibody Therapy for Multiple Myeloma (Samstag, 13. Juni 2026, 08:00 – 09:30 Uhr, Victoria Hall)

Eine Sitzung, die den aktuellen Status der bispezifischen Antikörper im Multiplen Myelom abbildet. Unter dem Vorsitz von Jens Hillengass (USA) beleuchtet Katja Weisel (Deutschland) die aktuelle Evidenz und Philippe Moreau (Frankreich) die zukünftigen Entwicklungen. Besonderen Praxisbezug bietet der Vortrag zum Toxizitätsmanagement mit Fokus auf Infektionen, CRS, ICANS und orale Toxizität – präsentiert von Ja Min Byun (Südkorea).

Unlocking the Power of CAR T (Samstag, 13. Juni 2026, 10:00 – 11:30 Uhr, AE1 Hall)

Diese Sitzung unter dem Vorsitz von Stephan Mielke (Schweden) beleuchtet die neuesten Updates zu den Monitoring-Leitlinien nach CAR-T-Zell-Therapie und deren Einfluss auf die Patientenversorgung – sowohl beim Lymphom als auch beim Multiplen Myelom. Im zweiten Teil geht es um die nächste Generation der CD19-CAR-T-Therapie – mit Vorträgen von Sairah Ahmed (USA) zum Lymphom und Doris Hansen (USA) zum Multiplen Myelom.

Gene therapy, cellular immunotherapy and vaccination – Clinical (Sonntag, 14. Juni 2026, 11:00 – 12:15 Uhr, A12 Hall)

Eine Oral Session mit aktuellen Studiendaten: OL-101, ein dual gerichteter BCMA/GPRC5D-CAR-T, zeigt tiefe Ansprechraten bei stark vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem Myelom – insbesondere nach BCMA- oder GPRC5D-gerichteter Vortherapie oder bei extramedullärer Erkrankung (Mingming Zhang, Hangzhou). Ebenfalls spannend: BAFF-R-CAR-T-Zellen (PMB-CT01) bei rezidivierten/refraktären B-Zell-Lymphomen nach CD19-Therapieversagen oder CD19-negativer Erkrankung (L. Elizabeth Budde, Duarte).

Hämostaseologie

Gene engineering and therapy (Freitag, 12. Juni 2026, 15:30 – 16:30 Uhr, A5 Hall)

Diese Sitzung schlägt die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Klinik: Maria Morelló Miravet (Stockholm) zum Base-Editing von HSCs als akademischem Weg zur klinischen Implementierung, gefolgt von Wolfgang Miesbach (Frankfurt) zur Übersetzung genetischer Innovationen in die Hämophilieversorgung.

Von Willebrand Disease: Time for every hematologist to know (Samstag, 13. Juni 2026, 13:45 – 15:15 Uhr, Victoria Hall)

Das Von-Willebrand-Syndrom ist die häufigste angeborene Blutungserkrankung – und doch in der täglichen Praxis oft unterdiagnostiziert. Unter dem Vorsitz von Dr. Atanas Banchev (Sofia) bietet diese Sitzung einen Überblick „From common to complex" durch Omid Seidizadeh (Italien), aktuelle Einblicke in die VWF-Biologie durch Ferdows Atiq (Niederlande) und eine Optimierung der VWD-Versorgung über die gesamte Lebensspanne durch Jan Blatný (Tschechien).

Nicht-maligne Hämatologie

Sickle Cell Disease: Inflammatory Culprits, Consequences, and Clues (Donnerstag, 11. Juni 2026, 08:00 – 09:30 Uhr, AE1 Hall)

Die Sichelzellerkrankung wird zunehmend als systemische Entzündungserkrankung verstanden. Unter dem Vorsitz von Biree Andemariam (USA) widmet sich diese Sitzung genau dieser Perspektive – von den treibenden Faktoren des inflammatorischen Teufelskreises durch Francesca Vinchi (USA) bis hin zu therapeutischen Strategien zur Inflammationskontrolle durch Subarna Chakravorty (UK).

Understanding Immune Drivers in Autoimmune Cytopenias (Freitag, 12. Juni 2026, 10:00 – 11:30 Uhr, A2-3 Hall)

Diese Sitzung unter dem Vorsitz von Waleed Ghanima (Norwegen) beleuchtet die immunologischen Grundlagen und klinischen Manifestationen von ITP und wAIHA. Hier geht es auch um die Entschlüsselung der Immundysregulation bei ITP und wAIHA (Alessandro Lucchesi (Italien)), die klinischen Konsequenzen wie Blutung, Hämolyse, Fatigue und Thrombose (María Eva Mingot-Castellano (Spanien)) sowie neue Therapieansätze der multimodalen Immunmodulation (Waleed Ghanima (Norwegen)).

Transfusionsmedizin und Künstliche Intelligenz

Transfusion reactions (Sonntag, 14. Juni 2026, 08:00 – 09:00 Uhr, A4 Hall)

Ein praxisnaher Block zu einem oft vernachlässigten Thema. Unter dem Vorsitz von Dr. Cynthia So-Osman (Niederlande) werden die klinische Präsentation von Transfusionsreaktionen durch Ivona Horvat (Zagreb), der Nutzen von Hämovigilanzdaten durch Pierre Tiberghien (Frankreich) und Optimierungsstrategien für die Hämovigilanz durch Jon Benn (UK) diskutiert.

Artificial intelligence in hematology (Sonntag, 14. Juni 2026, 08:00 – 09:00 Uhr, A10-11 Hall)

KI hält Einzug in die Hämatologie – und diese Sitzung unter dem Vorsitz von Dr. Adrián Mosquera (Spanien) zeigt, wo wir aktuell stehen. Elisabetta Sauta (Mailand) zur KI-gestützten Krankheitsstratifizierung, Roland Pieters zum Machine Learning in der Wirkstoffentwicklung und Adam Blum zu Best Practices im präzisionsmedizinischen, patientenzentrierten Studien-Matching – ein zukunftsweisender Block.

Fazit

Der EHA2026 verspricht ein dichtes Programm mit Highlights für alle Bereiche der Hämatologie. Es wird zudem einen ergänzenden Molecular Hematopoiesis Workshop am Donnerstag, den 11. Juni 2026, von 08:00 bis 11:30 Uhr geben. Hier sind junge wie auch fortgeschrittene Wissenschaftler zur Präsentation ihrer Arbeiten eingeladen.

Der Kongress findet im Stockholmsmässan statt und bietet sowohl Präsenz- als auch virtuelle Teilnahme. Diese Übersicht stellt nur eine kleine Auswahl aus dem umfangreichen Programm dar – wir laden Sie herzlich ein, das vollständige Programm zu erkunden und sich Ihre persönliche Agenda für einen erkenntnisreichen Kongress in Stockholm zusammenzustellen.

Quelle
  1. https://ehaweb.org/connect-network/eha2026-congress/eha2026-program