Wie wirken sich Defis und Schrittmacher auf die Psyche aus?

Viele Ärzte gehen davon aus, dass ICD-Träger nach der Implantation zusätzliche psychologische Unterstützung benötigen. Eine aktuelle ESC-Studie liefert Antworten – und zeigt einen klaren Unterschied zwischen den beiden Device-Typen.

Lebensrettend, aber psychisch belastend?

Kardiale Devices wie Herzschrittmacher (PCM) und implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) spielen eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz; sie senken Morbidität und Mortalität. Doch wie wirken sie sich auf die Psyche von Patienten aus?

Bislang wurden in der Literatur uneinheitliche psychische Befunde dazu beschrieben, berichtete Dr. Mavromoustakou. In mehreren Studien wurde ein Zusammenhang zwischen ICD-Schocks und verstärkten Angstzuständen sowie Depressionen hergestellt. Mavromoustakou und Kollegen hatten untersucht, inwieweit die Implantation von ICDs und PCMs die Symptome von Depressionen und Angstzuständen beeinflussen.

Fragebogen vor und nach der Device-Implantation

Für die Studie füllten Patienten, bei denen die Implantation eines kardialen Devices geplant war, vor der Operation und sechs Monate nach der Implantation den Fragebogen „Hospital Anxiety and Depression Scale“ (HADS) aus. Die Forschenden berücksichtigten auch demografische und klinische Merkmale, die Einnahme von Medikamenten sowie etwaige Änderungen in der Behandlung von Angstzuständen oder Depressionen nach der Implantation.

Erfasst wurden des Weiteren die Indikation für die Implantation des Geräts, das Verständnis der Patienten hinsichtlich der Indikation, das Auftreten von ICD-Schocks sowie deren psychologische Auswirkungen auf Angstzustände und Depressionen. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: ICD-Implantation und PCM-Implantation. Anschließend wurden die Ergebnisse der Gruppen verglichen.

ICD-Implantation wirkt sich positiv auf Angstsymptome aus

Insgesamt erhielten 91 Patienten eine ICD-Implantation (61 Männer und 30 Frauen; Durchschnittsalter 73 ± 6,5 Jahre). Vor der Implantation nahmen 35 % der Patienten Medikamente gegen Angstzustände und 14% Medikamente gegen Depressionen ein. Nach der Implantation nahmen 32 % Medikamente gegen Angstzustände und 14 % Medikamente gegen Depressionen ein.

Die mittlere Differenz der HADS-Werte vor und nach der Implantation betrug 0,813 bei Angstzuständen (95 %-KI: 0,454–1,172, p <0,001) und 0,187 bei Depressionen (95 %-KI: −0,28–0,428, p = 0,044). Das deutet auf eine positive Wirkung der ICD-Implantation auf Angstsymptome hin. Bei den Depressions-Symptomen hingegen war keine klinisch signifikante Veränderung festzustellen.

Vor und nach PCM-Implantation: keine signifikanten Unterschiede

60 Patienten erhielten eine PCM-Implantation (31 Männer und 29 Frauen; Durchschnittsalter 73 ± 6,7 Jahre). Vor der Implantation nahmen 18% Medikamente gegen Angstzustände ein und 13 % Medikamente gegen Depressionen. Nach der  Implantation erhielten 17 % der Patienten Medikamente gegen Angstzustände und 13 % Medikamente gegen Depressionen.

Die mittlere Differenz der HADS-Werte vor und nach der Implantation lag bei 0,383 für Angstsymptome (95% KI: 0,27–0,740, p <0,001) und bei 0,233 für Depression (95 % KI: −0,076–0,543, p =0,068). Das deutet darauf hin, dass nach der PCM-Implantation keine klinisch signifikanten Unterschiede bei Angstzuständen oder Depressionen zu verzeichnen waren.

Patienten mit ICD fühlen sich nach der Implantation möglicherweise sicherer

Bei Patienten, denen ein ICD implantiert wurde, zeigte sich sechs Monate nach der Implantation eine signifikante Verbesserung der Angstwerte. Das lässt vermuten, dass sich die Implantation von ICDs positiv auf Angstzustände auswirkt, berichtete Mavromoustakou. Bei den Depressions-Symptomen zeigte sich hingegen keine signifikante Veränderung.

Bei Patienten, denen ein PCM implantiert wurde, zeigten sich hingegen weder bei den Angst- noch bei den Depressionswerten signifikante Unterschiede. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich Patienten, insbesondere diejenigen, die einen ICD zur Sekundärprävention erhalten, nach der Implantation möglicherweise sicherer fühlen – trotz der weit verbreiteten Auffassung, dass ICD-Träger oft zusätzliche psychologische Unterstützung benötigen.

Quelle
  1. ESC Congress 2026. 28.-31. August 2026. https://www.escardio.org/events/congresses/esc-congress/. Evolving implantable cardioverter-defibrillator therapy: from novel technologies to risk stratification and patient impact. 31. August 2026. https://esc365.escardio.org/esc-congress/sessions/20034-evolving-implantable-cardioverter-defibrillator-therapy-from-novel-technologies-to-risk-stratification-and-patient-impact