Aktualisierte Akne-Leitlinie: mehr als nur ein Update

Kürzere Antibiotika-Gaben, Spironolacton als neue Off-Label-Option und Isotretinoin als Standard bei schweren Formen: Die aktualisierte Leitlinie bringt für die Akne-Therapie mehrere praxisrelevante Änderungen.

Akne comedonica: Stufentherapie nach Schweregrad

Akne comedonica wird nach der Anzahl der nicht-inflammatorischen und inflammatorischen Läsionen in leicht, mittelschwer und schwer eingeteilt. Bei leichten Formen werden topische Monopräparate empfohlen, insbesondere Retinoide, Azelainsäure und Benzoylperoxid. Retinoide sind besonders wirksam, da sie sowohl bestehende Komedonen behandeln als auch der Entstehung neuer Mikrokomedonen vorbeugen. Azelainsäure ist für Patienten mit empfindlicher oder irritationsanfälliger Haut geeignet.

Bei mittelschwerer Akne comedonica werden zusätzlich topische Fixkombinationen empfohlen, insbesondere Adapalene mit Benzoylperoxid. Bei schweren Formen („Sandpapierakne“) kann systemisches Isotretinoin bei ausgewählten Personen eingesetzt werden. „In dieser Indikation ist das eine Off-Label-Therapie, das erfordert eine entsprechende Aufklärung und Dokumentation“, so Pennitz. Als unterstützende Maßnahmen nannte Pennitz chemische Peelings, manuelle Ausreinigung und Mikrodermabrasion. 

Weibliche Patientinnen können ab mittelschwerer Akne zusätzlich Spironolacton sowie ab schwerer Akne hormonelle antiandrogene Kontrazeptiva erhalten, jeweils in Kombination mit einer topischen Therapie. Für die Erhaltungstherapie kommen die zuvor genannten topischen Monopräparate oder eine niedrig dosierte Fortführung von Isotretinoin infrage.

Akne papulopustulosa: Kombinationen im Vorteil

Akne papulopustulosa wird ebenfalls nach nicht-inflammatorischen und inflammatorischen Läsionen in leicht, mittelschwer und schwer eingeteilt. Die Leitliniengruppe empfiehlt topische Kombinationstherapien gegenüber Monopräparaten. Besonders wirksam sind Kombinationen aus Adapalen und Benzoylperoxid sowie aus Benzoylperoxid und Clindamycin. „Monopräparate verursachen zwar häufiger weniger Hautirritationen, sind aber in der Regel weniger wirksam“, sagte Pennitz.

Topische Monotherapien sind demnach nur bei leichten Formen empfohlen. Ab mittelschwerer Akne stehen Kombinationstherapien im Vordergrund. Eine zusätzliche systemische Antibiotikatherapie kann erwogen werden, wenn die Entzündung stark ausgeprägt ist oder der Rumpf betroffen ist. Die Kombination aus topischem Antibiotikum und Retinoid erhält nur eine eingeschränkte positive Empfehlung, da Resistenzentwicklungen möglich sind. „Eine Ergänzung von Benzoylperoxid als Waschlösung verbessert die Bewertung“, sagte Pennitz. Bei schwerer Akne papulopustulosa ist systemisches Isotretinoin die Therapie der ersten Wahl. 

Ergänzend können chemische Peelings, manuelle Ausreinigung, Mikrodermabrasion sowie Licht- und Laserinterventionen eingesetzt werden, vor allem dann, wenn eine Systemtherapie nicht möglich ist.

Akne conglobata: Isotretinoin als Standard

Die Akne conglobata wird grundsätzlich als schwere Akne eingestuft, eine weitere Stadieneinteilung entfällt. Das wirksamste Medikament ist systemisches Isotretinoin. Die systemische Antibiotikatherapie kann auch in Kombination mit einer topischen Therapie erfolgen. Bei sehr ausgeprägter Inflammation kann zusätzlich ein systemisches Kortikosteroid ergänzt werden.

Bei weiblichen Patientinnen können hormonelle antiandrogene Kontrazeptiva oder Spironolacton eine Rolle spielen. Unterstützend kommen Laser- und Lichtinterventionen sowie chemische Peelings infrage. In der Erhaltungstherapie werden erneut topische Monotherapien, Kombinationstherapien oder zuvor eingeleitete Systemtherapien genannt.

Systemische Antibiotika richtig einsetzen

Für die systemische Antibiotikatherapie empfiehlt die Leitlinie Doxycyclin als Mittel der ersten Wahl. Alternativen sind Minocyclin und Tetracyclin. Makrolide wie Azithromycin und Erythromycin sowie Cotrimoxazol sollen nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden. Systemische Antibiotika sollten nicht als Monotherapie gegeben, sondern immer mit einer topischen Therapie kombiniert werden.

Die Therapiedauer soll so kurz wie möglich sein (max. drei Monate). Ist eine längere Systemtherapie nötig und kommen Isotretinoin oder hormonelle Therapien nicht infrage, könne man laut Pennitz eine systemische Antibiose auch länger fortführen.

Isotretinoin: Dosierung und Dauer

Für Isotretinoin gibt es konkrete Dosierungsempfehlungen: 

  • Akne papulopustulosa: pro Tag  entweder 10 bis 20 Milligramm (mg) oder ca. 0,3 mg pro Kilogramm (kg) Körpergewicht 
  • Akne conglobata: ca. 0,5 mg pro kg Körpergewicht pro Tag 

Die Behandlungsdauer sollte mindestens sechs Monate betragen. Ein bis zwei Monate vor dem Absetzen sollten keine inflammatorischen Läsionen mehr vorhanden sein. „Nach aktueller Datenlage scheint die tägliche Dosis im Vergleich zur kumulativen Dosis das Rezidivrisiko nicht wesentlich zu beeinflussen“, sagte Pennitz. 

Therapie bei Frauen

Kombinierte orale Kontrazeptiva zeigen einen signifikanten Effekt, insbesondere bei antiandrogenabhängiger Akne. Vor allem die Östrogenkomponente vermittelt die antiandrogene Wirkung. Große Metaanalysen zeigten jedoch keine eindeutigen Unterschiede zwischen den einzelnen Präparaten. „Die Patientinnen sollten darüber aufgeklärt werden, dass ein Wirkeintritt frühestens nach drei Monaten zu erwarten ist“, so Pennitz.

Die Verordnung erfolgt interdisziplinär in Zusammenarbeit mit der Gynäkologie. Die Indikation sollte sorgfältig geprüft werden, da das Risiko für Thromboembolien, Mammakarzinom, Depressionen oder Meningeom möglicherweise erhöht ist.

Spironolacton wurde als neue Off-Label-Therapie aufgenommen. Häufige Nebenwirkungen sind Zyklusstörungen, Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Bei jungen, gesunden Frauen unter 45 Jahren ohne relevante Vorerkrankungen sind regelmäßige Laborkontrollen nicht erforderlich.

Clascoteron als weitere Option?

Clascoteron ist ein neuer topischer Androgenrezeptor-Inhibitor, der in Deutschland seit dem 1. Juni 2026 verfügbar ist und für Akne vulgaris bei Erwachsenen sowie bei Jugendlichen ab 12 Jahren zugelassen wurde. Die Leitlinie spricht hierzu keine spezifische Empfehlung aus, da das Präparat zum Zeitpunkt der Konsensuskonferenz noch nicht verfügbar war und keine ausreichende klinische Erfahrung in der Gruppe vorlag.

Besondere Akneformen und Konstellationen

Bei der Akne tarda soll die topische Therapie analog zur regulären Akne erfolgen. „Gibt es klinische oder laborchemische Hinweise auf hormonelle Einflussfaktoren, sollen systemische hormonelle Therapien wie orale Kontrazeptiva oder Spironolacton angeboten werden“, so Pennitz. Bei unzureichendem Ansprechen kann zusätzlich oder alternativ niedrig dosiertes Isotretinoin eingesetzt werden.

Für die Akne fulminans empfiehlt die Leitliniengruppe ein Vorgehen nach dem Schema von Greywal et al.: 

  •  ca. 2 bis 4 Wochen Prednisolon als Monotherapie, bis die Krusten abheilen
  • dann Beginn mit niedrig dosiertem Isotretinoin (0,1 mg pro kg Körpergewicht pro Tag), das Kortikosteroid unverändert fortführen 
  • erst bei stabilem Verlauf die Kortikosteroid-Dosis langsam reduzieren und Isotretinoin vorsichtig steigern

Ernährung, Zink und Lebensstil

Für den Einfluss der Ernährung auf Akne gibt es nur begrenzte Evidenz. Mögliche Trigger sind:

  • industriell gefertigte Produkte mit hohem glykämischem Index, 
  • Milchprodukte, 
  • Molkenproteinprodukte,
  • Steroide,
  • metabolische Faktoren,
  • Vitamin-B-Supplemente und 
  • Alkoholabusus.

Individuelle Trigger sollten erfasst und gezielt reduziert werden. Ernährung ersetzt dabei aber keine wirksame medikamentöse Therapie. Die Einnahme von Zink ist empfohlen (Zinkgluconat: 50 bis 100 Milligramm für drei Monate). Ergänzend können Omega-Fettsäuren oder Vitamin D eingenommen werden.

Akne in Schwangerschaft und Kindesalter

Während der Schwangerschaft sind folgende Behandlungsmöglichkeiten möglich: 

  • Topisch: Azelainsäure und Benzoylperoxid, auch in Kombination mit einer topischen Antibiotikatherapie
  • Systemisch: Zink, Azithromycin, Erythromycin, ggf. systemische Kortikosteroide (bei sehr starken Entzündungen und nach Nutzen-Risiko-Abwägung)

Dr. Pennitz wies darauf hin, dass in der Schwangerschaft Isotretinoin strikt kontraindiziert ist und auch Spironolacton nicht angewendet werden soll.

Die Leitlinie empfiehlt, Kinder zwischen 8 und 12 Jahren nach denselben Grundsätzen wie Erwachsene zu behandeln. Ausnahmen sind hormonelle Therapien und die Anwendung von Minocyclin und Tetracyclin. Kinder unter 8 Jahren sollen mit Erythromycin behandelt werden, wenn eine Systemtherapie nötig ist.

Quelle:
  1. 30. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie, 06.–10.07.2026, München. Praktisches Krankheitsmanagement: Leitliniengerechte Therapie - Die wertvollsten Tipps und Tricks bei entzündlichen und infektiösen Hautkrankheiten. Akne vulgaris: Neues aus Leitlinie und klinischer Praxis. 09.07.2026
  2. Greywal et al.: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28619551/