COVID-19 und Lebererkrankungen

Wie wirkt sich eine COVID-19-Erkrakung auf Patienten mit Lebererkrankungen aus? Das war Thema einer Online-Session auf dem internationalen Leberkongress.

Hohe Mortalität durch COVID-19 bei Patienten mit chronischen Lebererkrankungen

Wie wirkt sich eine COVID-19-Erkrakung auf Patienten mit Lebererkrankungen aus? Das war Thema einer Online-Session auf dem internationalen Leberkongress EASL.

Prof. Dr. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, machte deutlich, dass es sich bei COVID-19 um eine Multiorganerkrankung handelt. Als Behandlung kommen zwei Ansätze infrage – eine Impfung und antivirale Therapien. Dabei haben zwei Arzneimittel einen Benefit in klinischen Studien gezeigt: Remdesivir und Dexamethason. Mehrere Impfkandidaten befinden sich in Phase III-Studien. Ciesek berichtete, dass sich SARS-CoV-2 auch in der Leber repliziert.

Prof. Dr. Johannes R. Hov vom Universitätshospital Oslo in Norwegen, stellte fest, welche Risikofaktoren bei COVID-19 eine Rolle spielen. Schwere COVID-19-Verläufe, so Hov, sind assoziiert mit höherem Alter und männlichem Geschlecht. Und mit Komorbiditäten wie kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes, Adipositas. Auch Bluthochdruck, chronische Nierenerkrankung und chronische Lungenerkrankungen gehören zu den Risikofaktoren für einen schweren Verlauf.

Stellen Lebererkrankungen einen Risikofaktor dar? Dafür gibt es einige Belege aus allgemeinen Patienten-/Krankenhauskohorten so Hov. Daten aus Großbritannien (OpenSafely NHS, Williamson et al. Nature 2020) mit 17 278 392 Individuen, darunter 10 926 COVID-19-Tote, zeigen für Patienten mit Lebererkrankungen ein erhöhtes Sterberisiko: HR: 1,75. Unter den Patienten, die an COVID-19 sterben weisen aber weniger als 2% eine chronische Lebererkrankung auf.

Rauchen erhöht das Risiko: Gegenwärtige und frühere Raucher sind mit einem schwereren Krankheitsverlauf und Mortalität assoziiert (Reddy et al. J Med Virol). Sozioökonomische Deprivation ist assoziiert mit erhöhter Mortalität durch COVID-19 – das zeigen Daten des NHS. Genetische Risikofaktoren für COVID-19 sind mit Atemversagen identifiziert; das kann, so Hov, Hinweise auf die Pathogenese geben, hat aber bisher keine klinischen Implikationen.

Daten aus internationalen Registern zeigen hohe Mortalität

Internationale Registerdaten – aus dem SECURE-Cirrhosis Registry und dem COVID HEP Registry - stellte Dr. Thomas Marjot, Liver Unit der Universität Oxford, Großbritannien, vor. In ihre Auswertung (Moon AM, et al. J Hep, Mai 2020) untersuchten die Forscher Daten von 1027 Fällen mit Lebererkrankung und COVID-19; darunter 424 mit chronischer Leberkrankung ohne Zirrhose, 506 mit Zirrhose und 167 Patienten, die eine Lebertransplantation erhalten hatten.

Dabei zeigt sich eine hohe Mortalität bei Patienten mit SARS-CoV-Infektion mit zuvor existierenden chronischen Lebererkrankungen und Zirrhose. Mit jedem weiteren Stadium der Lebererkrankung kommt es zu einem schrittweisen Anstieg der Raten unerwünschter Ergebnisse einschließlich Tod. Zu 71% verstarben Patienten mit Lebererkrankungen und COVID-19-Infektionen an Lungenentzündung, bei 19% war die Todesursache Leber-assoziiert und bei 5% Herz-assoziiert.

Bei Patienten mit dekompensierter Zirrhose waren die Zahlen krass: Unter Patienten mit einem Child Pugh Score C (Einteilung für die Schwere einer Leberzirrhose) starben nach Aufnahme auf die Intensivstation 79% und unter denen, die intubiert werden mussten waren es sogar 90%.

46% der Zirrhose-Patienten dekompensieren infolge einer SARS-CoV-2-Infektion. Dabei wiesen 22% von denjenigen die dekompensierten, keine Zeichen einer respiratorischen Erkrankung auf. Unter denjenigen die dekompensierten und infolgedessen starben war eine COVID-19 verursachte Lungenentzündung mit 64% die häufigste Todesursache, an Leber-assoziierten Komplikationen starben 24%.

Ein Drittel der akut dekompensierten Patienten mit Leberzirrhose in Kliniken zeigen ein Akut-auf-chronisches Leberversagen (ACLF). Durch eine Infektion mit SARS-CoV-2 wiesen diejenigen Patienten mit ACLF eine höhere Mortalität auf als die ohne ACLF: 46% vs. 14%.

Durch COVID-19 gingen Transplantationen abrupt zurück

Marjot hob die Wichtigkeit der internationalen Zusammenarbeit während einer Pandemie hervor. Diese ermögliche das rasche Sammeln und Auswerten von Registerdaten mit gut charakterisierten Patientenkohorten. Beim Vergleich von Patienten mit und ohne Lebererkrankung besteht mit jedem Stadium der Lebererkrankung ein schrittweise erhöhtes Sterblichkeitsrisiko. Patienten mit fortgeschrittener Zirrhose haben nach der Aufnahme auf die Intensivstation und der Beatmung sehr schlechte Überlebenschancen. Vorherrschende Todesursache eine COVID-19 bedingte Lungenentzündung – auch bei Personen mit akuter Leberdekompensation. Zu den unabhängigen Risikofaktoren für den Tod bei Patienten mit chronischer Lebererkrankung gehören Alter, Schweregrad der Erkrankung und alkoholbedingte Lebererkrankungen.

Dass COVID-19 einen tiefgreifenden Einfluss auf das Umfeld der Lebertransplantation hatte und in Gebieten, in denen SARS-CoV-2 vorherrschend war zu einem abrupten Rückgang der Transplantationen geführt hat, machte Dr. Marina Berenguer Haym, Spanien, deutlich.
Diejenigen, die sich einer Lebertransplantation unterzogen haben, weisen zwar ein erhöhtes Risiko für eine COVID-19-Infektion aus, der Schweregrad der Krankheit stimmt aber offenbar mit dem der Allgemeinbevölkerung überein. In den Leitlinien wird auch von einer Reduzierung der immunsuppressiven Therapie abgeraten, weil die nicht nachweislich das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht.

Referenzen:
EASL The Digital international Liver Congress, 27. bis 29. August 2020
COVID-19 and the Liver,  15.30 bis 17 Uhr, Samstag, 29. August

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