Krankheitsverläufe von über 4.700 COVID-Patient:innen über komplettes Jahr 2020 ausgewertet

Ärztinnen und Ärzte der Asklepios Kliniken haben jetzt die Ergebnisse einer umfangreichen Studie veröffentlicht, in der die Krankheitsverläufe von mehr als 4.700 COVID-19-Patient:innen aus 45 Asklepios Kliniken über das komplette Jahr 2020 ausgewertet wurden.

Alter und bestimmte Laborwerte als besondere Risikofaktoren für schwere und tödliche Krankheitsverläufe

Ärztinnen und Ärzte der Asklepios Kliniken haben jetzt die Ergebnisse einer umfangreichen Studie veröffentlicht, in der die Krankheitsverläufe von mehr als 4.700 COVID-Patient:innen aus 45 Asklepios Kliniken über das komplette Jahr 2020 ausgewertet wurden. Die Ergebnisse der Studie wurden Mitte Juni in einem US-Fachmagazin veröffentlicht.

Die Auswertung zeigt, dass von den 4.704 COVID-Patient:innen, die in der Studie inkludiert sind, zwölf Prozent (507) so schwer erkrankt waren, dass sie mechanisch beatmet werden mussten. Insgesamt 19 Prozent (890) der COVID-Patient:innen verstarben, wobei beatmete Patient:innen ein besonders hohes Risiko hatten. Zum Vergleich: In einer anderen deutschen Studie mit mehr 10.000 COVID-Patient:innen verstarben 22 Prozent. Als größten Risikofaktor für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf weist die Asklepios-Studie ein hohes Alter auf – anolog zu anderen Studien, die vor allem ein Alter ab 70 und Vorerkrankungen als Risikofaktoren ausweisen. Auffällig sind aber Unterschiede bei der Mortalität in der Asklepios-Studie: Während sie zu Hochphasen der Pandemie wie im Frühjahr oder zum Jahresende sehr hoch war, sind im Sommer vergleichsweise weniger Patient:innen verstorben.

Die Teamarbeit der "Corona Germany"-Studie wurde von Prof. Dr. Christoph U. Herborn (Chief Medical Officer der Asklepios Kliniken) geleitet, die umfangreiche Forschung, ebenfalls in Zusammenarbeit mit einem großen Team, von Dr. Nele Geßler (Asklepios proresearch) konzipiert und koordiniert.

Sterblichkeitsraten schwankten saisonal stark

Zu den überraschenden Erkenntnissen gehört aus Sicht der Studienautor:iinnen von Asklepios, dass sowohl die Sterblichkeit aus auch die Krankheitsschwere der in den 45 Asklepios Kliniken behandelten Patient:innen zwischen Februar 2020 (Beginn der Studie) und Ende 2020 (Ende der Studie) erheblich schwankte. So betrug die Sterblichkeit im April 22,4 Prozent, im Juni lediglich drei Prozent und stieg dann zum Jahresende auf bis zu 23,1 Prozent an. Die Raten für Pneumonie, respiratorische Insuffizienz und die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung weisen einen vergleichbaren Trend auf. Die Auswertung der mehr als 4.700 Krankheitsverläufe ergab zudem, dass mehr als ein Drittel aller hospitalisierten COVID-19-Patient:innen an einer tödlichen oder schweren Erkrankung litten, die eine mechanische Beatmung und oder die Aufnahme auf die Intensivstation erforderte. Ein Drittel aller schwerst erkrankten COVID-Patient:innen wurde zudem palliativmedizinisch versorgt.

Studie liefert Risk-Score für die Behandlung künftiger COVID-Patient:innen

Neben den Daten, die einen sehr guten Rückblick auf die medizinischen Folgen der Pandemie ermöglichen, haben die Studienautor:innen auch viele Erkenntnisse gewonnen, die sehr wertvoll für die Behandlung zukünftiger COVID-Patient:innen ist: Für die Studie wurden in den Kliniken wichtige Kennziffern wie Alter, Atemfrequenz, Laktatdehydrogenase, C-reaktives Protein und Kreatinin erhoben und analysiert. "Auf Basis dieser Daten lässt sich das Risiko für eine schwere oder schlimmstenfalls tödliche Erkrankung künftig durch einen einfachen Risiko-Score berechnen", erläutert Dr. Geßler. "Dieser Risiko-Score hilft den Hausärzten oder Klinikern in Notaufnahmen, gefährdete Patientinnen und Patienten schnell und einfach zu erkennen", so das Fazit der Autor:innen der Studie.

Quelle: Clinical outcome, risk assessment, and seasonal variation in hospitalized COVID-19 patients—Results from the CORONA Germany study Gessler N, Gunawardene MA, Wohlmuth P, Arnold D, Behr J, et al. (2021) Clinical outcome, risk assessment, and seasonal variation in hospitalized COVID-19 patients—Results from the CORONA Germany study. PLOS ONE 16(6): e0252867. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0252867