Chronische Wunden erkennen und versorgen: Wie hilfreich ist KI?

Die Dermatologie gehört zu den Vorreitern im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI). Davon könnte vor allem das Wundmanagement profitieren, auch in der Pädiatrie.

Künstliche Intelligenz (KI) in der Wundversorgung:

  • Mithilfe von KI kann eine automatisierte Wundanalyse anhand verschiedener Kriterien (Größe, Farbe, Exsudat) durchgeführt werden.
  • Anhand eines Bildvergleichs liefert die KI eine Verlaufsdokumentation über die Zeit.
  • KI kann vor allem bei seltenen pädiatrischen Hauterkrankungen bei der Diagnostik der Wundursache unterstützen.
  • KI bietet Entscheidungshilfen für das Wundmanagement.
  • In Zukunft könnte KI den Heilungsverlauf chronischer Wunden vorhersagen.

In der Pädiatrie liegt das Potenzial von künstlicher Intelligenz vor allem in der Diagnostik seltener Hauterkrankungen wie der Livedovaskulopathie oder des Pyoderma gangrenosum. Sie sollten möglichst frühzeitig erkannt werden, da sie eine andere Therapie als normale chronische Wunden erfordern.

Künstliche Intelligenz braucht Daten

Doch KI ist immer nur so gut wie die Daten, mit denen sie trainiert wird. Bei seltenen pädiatrischen Hauterkrankungen ist die Anzahl an Bildern allerdings begrenzt. Abhilfe könnten künstliche neuronale Netze (Deep Neural Networks, DNN) schaffen, die eigenständig artifizielle Bilder von seltenen Erkrankungen entwickeln, um KI mit mehr Bildmaterial zu trainieren. In der Informatik wird daran seit einiger Zeit intensiv geforscht (Malihi L et al., Stud Health Technol Inform 2023; 302: 927–931).

Für ein optimales Training der KI ist es außerdem wichtig,

  • die Eingabedaten zu homogenisieren,
  • Störfaktoren zu vermeiden (z. B. Lineale, Nähte),
  • mit externen Datensätzen zu validieren und
  • durch sog. Explainable Artificial Intelligence (XAI) die Ergebnisse der KI nachvollziehbar zu machen.

Mensch versus KI: Wer ist besser?

Während künstliche Intelligenz bei der Auswertung von reinem Bildmaterial dem Menschen z. T. bereits überlegen ist, haben Ärzte derzeit noch einen Vorteil bei der Kontextualisierung: Sie beziehen für die Diagnosestellung viele weitere Informationen wie die genaue Lokalisation der Wunde, die Entstehung, Komorbiditäten, Alter und Medikamente der Patienten mit ein.

Doch es ist zu erwarten, dass KI in Zukunft mit entsprechenden Daten ebenfalls einen umfassenden Blick auf den Patienten gewinnen wird.

App zur Unterstützung der Wundversorgung

Wie KI bei der Wundversorgung konkret eingesetzt werden kann, loten derzeit Forscher der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Uniklinik Würzburg aus. In einer prospektiven Studie evaluieren sie eine eigens entwickelte App zum Monitoring chronischer Wunden. 39 Patienten sollen über einen Zeitraum von 24 Wochen regelmäßig Fotos ihrer Wunden aufnehmen und Fragen zu Wundverlauf, Stimmung, Aktivität und Lebensqualität beantworten. Über ein Dashboard sehen die Ärzte in der Klinik die Ergebnisse inklusive KI-generierter Auswertung. Ziel ist es, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und stationäre Aufenthalte zu vermeiden.

Bei den Befragungen im Vorfeld der Studie wurde deutlich, was sich sowohl Patienten als auch Ärzte primär davon erhoffen: Zeitersparnis. Hierin scheint also eine wichtige Funktion von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz zu bestehen.

Quelle:
  1. Schmieder, Astrid (Würzburg): Künstliche Intelligenz in der Wundversorgung. Session Digitalisierung und KI in der Pädiatrie – was hilft beim Langzeitmanagement. Kongress für Kinder- und Jugendmedizin, 24.–27.09.2025, Leipzig.