- Yuan Ni et al., Absolute Risk of Developing a Second Primary Cancer After a First Primary Melanoma: An Australian Population-Based Cohort Study. American Journal of Epidemiology 2025; kwaf068.
In die Kohortenstudie wurden aus der Krebsdatenbank des Cancer Institute New South Wales (NSW) ca. 150.000 Patienten mit primärem Melanom eingeschlossen und über einen Zeitraum von median 7 Jahren nachbeobachtet.
Insgesamt entwickelte fast ein Viertel der Patienten (23,7 %) einen zweiten primären , darunter 12,7 % ein weiteres Melanom (absolutes 5-Jahres-Risiko: 7,6 %). Darauf folgten Prostata-, Brust- und Darmkrebs mit einem absoluten 5-Jahres-Risiko nach der Melanomdiagnose von 2,8 % bei Männern, 0,7 % bzw. 2,8 % bei Frauen sowie 0,6 %. Die Gesamtüberlebensraten betrugen 81,4 % bzw. 69,8 % nach 10 bzw. 20 Jahren.
Risikofaktoren für ein zweites primäres waren ein höheres Alter, männliches Geschlecht, Lentigo-maligna-Melanome sowie ein höherer sozioökonomischer Status. Jüngere Menschen hatten insgesamt ein geringeres 10-Jahres-Risiko für sekundäre Primärtumoren, allerdings machten Melanome bei ihnen einen größeren Anteil aus.
Die Studienautoren geben zu bedenken, dass viele Melanompatienten jünger sind als bei den meisten anderen Krebsarten. Trotz guter Prognose mit hohen Überlebensraten sei eine langfristige und sorgfältige dermatologische Nachsorge daher wichtig. Denn Menschen, bei denen ein erstes primäres Melanom diagnostiziert wurde, hätten ein erheblich erhöhtes Risiko, ein weiteres primäres Melanom zu entwickeln. Mit über der Hälfte der Fälle macht es einen Großteil der Zweitkrebsdiagnosen aus.
Einschränkend räumen sie jedoch ein, dass bei den verwendeten Registerdaten viele Angaben zu weiteren möglichen Risikofaktoren wie z. B. UV-Exposition oder familiäre Vorbelastung fehlten. Zudem könne ein „Surveillance Bias“ die Ergebnisse verzerrt haben: Engmaschige Kontrolluntersuchungen nach der ersten Melanomdiagnose könnten die Wahrscheinlichkeit für eine (frühzeitige) Entdeckung weiterer Tumoren erhöhen und zu einer Überdiagnostik führen.