Unzureichende Einstellung des DM II mittels Metformin als Einschlusskriterium
Bei der ACHIEVE-Studie handelt es sich um eine 52-wöchige, randomisierte, offene, aktiv kontrollierte, multizentrische und multinationale Phase-3-Studie. Insgesamt nahmen 1698 erwachsene Typ-2-Diabetiker (≥ 18 Jahre) mit folgenden Einschlusskriterien an dieser Studie (Zeitraum: 22. September 2023 bis zum 22. August 2025) teil:
- Unzureichende Einstellung mittels Metformin (≥ 1500 mg pro Tag)
- HbA1c-Wert zwischen 7,0 % und 10,5 % (53–91 mmol/mol)
- BMI von mindestens 25 kg/m²
Die Daten der Studienteilnehmer stammten aus 131 medizinischen Forschungszentren und Krankenhäusern in Argentinien, China, Japan, Mexiko und den USA.
Head-to-Head in zwei Dosierungen
Die Behandlung der Studienteilnehmer mittels Orforglipron (12 mg oder 36 mg) oder Semaglutid (7 mg oder 14 mg) wurde nach dem Zufallsprinzip (1:1:1:1) entschieden. In der Orforglipron-Gruppe mit 12 mg bzw. 36 mg befanden sich 424 bzw. 423 Personen. In der Semaglutid-Gruppe mit der Dosierung 7 mg bzw. 14 mg waren 426 bzw. 425 Studienteilnehmer. Auf die vierwöchige Einführungsphase folgte eine 52-wöchige Behandlungsphase mit dem jeweiligen Medikament und der jeweiligen Dosierung.1
Mittlere Veränderung des HbA1c-Werts
Als primäres Studienziel wurde die Nichtunterlegenheit von Orforglipron 36 mg bzw. 12 mg gegenüber Semaglutid 14 mg bzw. 7 mg bewertet: Dies geschah in der Intent-to-treat-Population mit einer Nichtunterlegenheitsmarge von 0,3 %. In Woche 52 wurde hierfür die mittlere Veränderung des HbA1c-Werts gegenüber dem Ausgangswert erhoben.
Beide Orforglipron-Dosierungen zeigten Nichtunterlegenheit
Beide Orforglipron-Dosierungen erreichten das primäre Studienziel und zeigten eine Nichtunterlegenheit gegenüber den jeweiligen Semaglutid-Dosierungen.
In der 52. Studienwoche lagen die mittleren Veränderungen gegenüber dem Ausgangs-HbA1c-Wert von 8,3 % bei:
- –1,71 % (SE: 0,07) mit Orforglipron 12 mg
- –1,91 % (SE: 0,08) mit Orforglipron 36 mg
- –1,23 % (SE: 0,05) mit Semaglutid 7 mg
- –1,47 % (SE: 0,06) mit Semaglutid 14 mg
Die geschätzten Behandlungsunterschiede betrugen damit:
- –0,48 % (95 % KI: –0,65 bis –0,31; p < 0,0001) für Orforglipron 12 mg gegenüber Semaglutid 7 mg
- –0,44 % (95 % KI: –0,62 bis –0,26; p < 0,0001) für Orforglipron 36 mg gegenüber Semaglutid 14 mg
- –0,24 % (95 % KI: –0,41 bis –0,072; p = 0,0050) für Orforglipron 12 mg gegenüber Semaglutid 14 mg
- –0,68 % (95 % KI: –0,85 bis –0,50; p < 0,0001) für Orforglipron 36 mg gegenüber Semaglutid 7 mg1
Nebenwirkungen der Behandlung
Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen zählten gastrointestinale Ereignisse mit 58% und 59 % in den beiden Orforglipron-Gruppen bzw. mit 37 % und 45 % in den beiden Semaglutid-Gruppen. In den Orforglipron-Gruppen kam es häufiger (9 % und 10 %) zu Studienabbrüchen als in den Semaglutid-Gruppen (4 % und 5 %). Auch zeigte sich in den beiden Orforglipron-Gruppen ein höherer mittlerer Anstieg der Pulsfrequenz (12 mg: 3,7 Schläge pro Minute; 36 mg: 4,7 Schläge pro Minute) – verglichen mit den beiden Semaglutid-Gruppen (7 mg: 1,0 Schläge pro Minute; 14 mg: 1,5 Schläge pro Minute).1
Keine Nahrungskarenz für Orforglipron
Zwischen Orforglipron und Semaglutid gibt es einen wichtigen Unterschied: Bei Semaglutid ist eine 30-minütige Nahrungskarenz entscheidend, um dessen Effektivität gewährleisten zu können. Für Orforglipron besteht diese Einnahmerestriktion nicht.2
Zusammenfassung
- In der ACHIEVE-Studie wurde das primäre Studienziel erreicht: Orforglipron zeigte in beiden Dosierungen gegenüber den beiden Semaglutid-Dosierungen eine Nichtunterlegenheit. Dies bezieht sich auf die mittleren Veränderungen des HbA1c-Wertes in der 52. Studienwoche gegenüber dem Ausgangs-HbA1c-Wert von 8,3 %.
- Die häufigsten unerwünschten Ereignisse unter Orforglipron und Semaglutid waren gastrointestinaler Natur.
- Bei Orforglipron ist keine 30-minütige Nahrungskarenz notwendig.
- Rosenstock J. et al. (2026). Efficacy and safety of once-daily oral orforglipron compared with oral semaglutide in adults with type 2 diabetes (ACHIEVE-3): a multinational, multicentre, non-inferiority, open-label, randomised, phase 3 trial. Lancet. 2026 Feb 26:S0140-6736(26)00202-3.
- https://www.aerzteblatt.de/news/orforglipron-senkt-hba1c-und-gewicht-bei-typ-2-diabetes-starker-als-orales-semaglutid-f5066e22-9052-4fad-af04-daa9d4afee8f