Kompressionsstrümpfe bei Adipositas-bedingten Venenbeschwerden

Viele übergewichtige Menschen leiden unter funktioneller Veneninsuffizienz. Eine neue deutsche Studie zeigt: Medizinische Kompressionsstrümpfe sind auch hier effektiv.

Das Wichtigste auf einen Blick

Anders als bei der klassischen chronisch-venösen Insuffizienz (CVI) liegt bei der Adipositas-assoziierten funktionellen Veneninsuffizienz keine nachweisbare Klappeninsuffizienz oder Thrombose vor. Vielmehr bewirkt viszerales Fettgewebe eine Kompression der Leistengefäße, was zu erhöhtem Venendruck in den Beinen führt. Schon bei einem von 25 kg/m² kann der Druck in der Leistenbeuge auf 20 mmHg klettern – mit steigender Tendenz bei weiterem Gewichtsanstieg. Das führt zu verlangsamtem Rückfluss, venösem Stau und Symptomen wie Schwellungen, Schwere oder Schmerzen in den Beinen.

Studiendesign und Ergebnisse

Untersucht wurden 49 Erwachsene mit einem BMI zwischen 30 und 40 kg/m², die typische Beschwerden einer CVI zeigten – entsprechend den CEAP-Kategorien C3 bis C5, also mit Ödemen, oder bereits abgeheilten Ulzera. Nachweisbare strukturelle Venenveränderungen lagen nicht vor. Die Teilnehmenden trugen vier Wochen lang täglich individuell angepasste medizinische Kompressionsstrümpfe der Klasse 2. Es wurde jeweils ein Bein mit rund-, das andere mit flachgestricktem Strumpf versorgt. Nach der ersten Woche konnten die Probanden frei entscheiden, welches Modell sie bevorzugten, und dieses dann an beiden Beinen tragen.

Die Ergebnisse sprechen für sich:

Anwenderfreundlichkeit und hohe Akzeptanz

Die Therapietreue war insgesamt hoch: Trotz bewerteten 98 % der Patienten den Tragekomfort bzw. die Passform, und 89 % das Anziehen der Strümpfe mit „gut“ oder „sehr gut“. Etwas weniger positiv fiel die Bewertung des Ausziehens aus – hier vergaben 78 % diese Bewertungen. Die tägliche Tragedauer lag im Durchschnitt bei 9,6 Stunden, mit einer Spannweite zwischen 6 und 13 Stunden.

Kompression wirkt – auch bei Adipositas

Die Studie belegt: Kompressionstherapie ist auch für übergewichtige Patienten mit Adipositas-assoziierter funktioneller Veneninsuffizienz eine wirksame und praktikable Behandlungsoption. Die hohe tägliche Tragedauer, Symptomreduktion und sehr gute subjektive Bewertung von Komfort und Handhabung sprechen für sich. Für den Versorgungsalltag bedeutet das: Medizinische Kompressionsstrümpfe können auch dann sinnvoll sein, wenn keine strukturellen Venenveränderungen vorliegen.

Quelle:
  1. Stücker M, Olbricht T. Medical compression stockings in obesity-associated functional venous insufficiency (OA-FVI). Phlebologie. 2025;54(3):142–148. doi:10.1055/a-2234-0325.