- Kellerer, Monika, Prof. Dr. med., DGK - die nächste Sensorgeneration mit mehr Möglichkeiten und mehr Sicherheit, 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, 19. April 2026 RheinMain CongressCenter (RMCC) in Wiesbaden.
Bei der diabetischen Ketoazidose (DKA) handelt es sich um eine schwerwiegende metabolische Komplikation. Sie kann aus einem absoluten Insulinmangel resultieren. Die drei Komponenten der DKA sind eine metabolische Azidose, eine Hyperglykämie sowie eine Ketose. In Deutschland und in Österreich liegt die Prävalenz für eine diabetische Ketoazidose bei Typ-1-Diabetes bei etwa 4 pro 100 Patientenjahren bei jüngeren Patienten und bei 2 pro 100 Patientenjahren im mittleren bis höheren Lebensalter.1
Kellerer machte darauf aufmerksam, dass nicht nur Typ-1-Diabetiker unter einer DKA leiden können. Ein Drittel der Patienten auf den Intensivstationen leidet bei DKA unter einem Typ-2-Diabetes. Hospitalisierte Typ-2-Diabetiker mit DKA weisen verglichen mit hospitalisierten Typ-1-Diabetikern mit DKA eine höhere Mortalität sowie längere Krankenhausaufenthalte auf. So liegt die durchschnittliche Krankenhausaufenthaltsdauer bei Typ-1-Diabetikern mit DKA bei 2,97 Tagen. Bei Typ-2-Diabetikern beträgt diese bereits 3,81 Tage. Die Werte für die Mortalität bei Hospitalisierung aufgrund von DKA sehen wie folgt aus: 0,2 % bei Typ-1-Diabetes vs. 0,85 % bei Typ-2-Diabetes.1
Zu den diagnostischen Kriterien der DKA zählt die Kenntnis über die verschiedenen Schweregrade. Die DKA lässt sich in 3 Schweregrade (nach ADA 2006 [Kitabchi 2009, EK IV]) unterteilen. So liegt eine leichte DKA bei einem pH-Wert von < 7,3 und Bikarbonat von < 270 mg/dl (15 mmol/l) vor. Von einer mittelschweren DKA spricht man bei einem pH-Wert von ≤ 7,2 und Bikarbonat von ≤ 180 mg/dl (10 mmol/l). Eine schwere DKA zeigt einen pH-Wert von ≤ 7,1 und Bikarbonat von ≤ 90 mg/dl (5 mmol/l). Bei allen Schweregraden liegt die Blutglukose über 250 mg/dl (13,9 mmol/l). Dies gilt für die klassische DKA. Problematisch ist folgender Faktor: Es gibt auch atypische DKA-Formen mit niedrigeren Blutglukosewerten. Bei Einnahme von SGLT2-Inhibitoren können sich Blutglukosewerte im Bereich von 150-200 mg/dl bewegen.1
Diabetes-Patienten erkennen möglicherweise nicht, dass unbeachtete steigende Ketonwerte innerhalb von nur wenigen Stunden zu einer lebensbedrohlichen DKA-Situation führen können. Nur etwa 32 % der Diabetiker besitzen Kenntnisse über die DKA. Auch besitzt nicht jeder Diabetiker ein Blutketonmessgerät. Bei folgender Symptomatik bei Diabetikern sollte man daher im klinischen Alltag hellhörig werden, auch wenn die Symptome teilweise recht unspezifisch wirken können:
Sollte ein Verdacht auf eine DKA bestehen ist es ratsam die Werte rechtzeitig hierauf testen zu lassen. Kellerer betonte, dass bei jüngeren Menschen bzw. Typ-1-Diabetikern Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen Kardinalsymptome der DKA (ohne Vorliegen einer gastrointestinalen Erkrankung, die diese Symptomatik erklären lässt) sein können. Man sollte im klinischen Alltag auch immer die Möglichkeit einer Erstmanifestation eines Typ-1-Diabetes mit DKA erwägen, denn dies ist auch noch im Erwachsenenalter möglich, so Kellerer.1
Bei Typ-1-Diabetes mit CGM-System konnten die DKA um 56,2 % reduziert werden. Auch bei Typ-2-Diabetikern mit CGM-System konnte eine Abnahme (verglichen mit den DKA-Fällen vor Einführung der CGM-Systeme) der DKA um 52,1 % beobachtet werden. Trotz dieser Verbesserungen durch die Einführung der CGM-Systeme bleibt die DKA das führende akute Diabetesereignis. Dies könnte daran liegen, dass das Glukosemonitoring allein nicht ausreicht, um eine DKA vorhersagen zu können: Die Spikes der Glukosewerte korrelieren nicht immer mit den Spikes der Ketone. Hier kommen die bereits in Studien untersuchten Messgeräte mit dualen Sensoren ins Spiel.1
Es gibt verschiedene Hochrisikogruppen, die von einer dualen Glukose/Ketonmessung (DGK) profitieren würden. Hierzu zählen rezidivierende DKA-Fälle, Diabetiker mit SGLT2-Inhibitoren, schwangere Patientinnen mit einem Gestationsdiabetes, Diabetiker mit Insulinpumpen inklusive AID, Ketogene oder Low-Carb-Diät sowie Diabetiker mit Komorbiditäten (chronische Nierenerkrankung, mentale Erkrankungen, kardiovaskuläre Erkrankung, Neuropathie, Z.n. Amputation).1
Quellen